Dax-Ausblick
Anleger zwischen den Fronten

Anleger zittern vor der anstehenden Bilanzsaison. Eine Prognosesenkung jagte zuletzt die nächste. Allerdings könnten auch die Politik und die Notenbanken für Überraschungen sorgen.
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Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) außer der Zinssenkung keine weiteren Finanzhilfen in Aussicht gestellt hat, hoffen die Dax-Anleger nun auf die Fed. Investoren spekulieren darauf, dass die US-Notenbank wieder Geld in Markt pumpen könnte - dies allerdings nur, wenn Anzeichen für eine schwächelnde Konjunktur der USA deutlich werden. Zwar enttäuschten die US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag die Anleger, ungewiss ist aber, ob die Daten schlecht genug waren, um die Schleusen der Fed zu öffnen.

Wirkung des EU-Gipfels lässt nach

Am Freitag schloss der Leitindex deutlich tiefer bei 6.410 Punkten. Damit büßte er auf Wochensicht noch einmal sechs Punkte ein. Angetrieben wurde er diese Woche zunächst durch die jüngsten EU-Gipfelbeschlüsse zur Lösung der Euro-Schuldenkrise. Die Analysten der Landesbank Berlin bewerteten die Kursentwicklung allerdings als verfrüht. "Die Ausarbeitung der Ideen ist auf das nächste Treffen im Oktober verschoben worden." Zudem weise die große Bandbreite der Äußerungen von Politikern in der alten Woche darauf hin, dass die Einigkeit weniger stark ausgeprägt sei als es zunächst den Anschein hatte.

In ihrem Wochenausblick geht die Commerzbank davon aus, dass die Investoren als Folge des jüngsten EU-Gipfels zunehmend einen Gang in die Haftungsunion erwarten werden. „Deshalb dürfte die Rendite von Bundesanleihen etwas stärker steigen als bisher von uns unterstellt.“ Außerdem rechnen die Analysten der Commerzbank damit, dass der Dax sich seitwärts bewegen wird, weil die Gemengelage aus Quartalszahlen und Politik keine genaue Richtung geben wird.

Am Montag beraten die Finanzminister der Euro-Gruppe über das weitere Vorgehen im Kampf gegen die Krise. Allzu viele Hoffnungen auf weitere Unterstützung machten sich die Börsianer aber nicht, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) trotz einer Leitzinssenkung zuletzt keinerlei Hinweise auf neue geldpolitische Maßnahmen gegeben hatte. Große Entscheidungen bezüglich der Euro-Krise werden nicht erwartet.

Die Anleger richten ihren Blick deshalb lieber nach Washington, wo am Mittwoch das Protokoll der Offenmarktausschuss-Sitzung der Federal Reserve vom 19. und 20. Juni veröffentlicht wird. Einige Investoren hoffen auf Hinweise, dass die Fed angesichts der lahmenden Konjunktur ihre Geldschleusen erneut öffnen könnte.

Aktien dürften von niedrigen Zinsen profitieren

„Mit ihrer expansiven Politik sind die Zentralbanken derzeit die einzigen Akteure, die das konjunkturell schwache Umfeld wirklich unterstützen können“, meinen Analysten des Research-Hauses Julius Bär. „Die Realzinsen in den Industrieländern, also die
Zinsen minus Inflation, sind deutlich negativ – in Deutschland noch wesentlich stärker als in anderen Ländern. Dies ist ein günstiges Umfeld für risikoreiche Anlagen.“ Die Zeit wäre demnach reif, mehr in Aktien zu investieren. Ob andere Marktteilnehmer dieser Logik folgen, bleibt abzuwarten.

Bei den Konjunkturdaten dürfte vor allem der Freitag interessant werden, wenn China Zahlen zur Industrieproduktion im Juni sowie zur Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal veröffentlicht. Am Nachmittag (MESZ) des gleichen Tages präsentiert die Universität Michigan dann ihren Index zum US-Verbrauchervertrauen im Juli.

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