Bulle und Bär

Seit dem Tief Ende März hat der Dax gut sechs Prozent gewonnen.

(Foto: Imago)

Dax-Ausblick Börsen trotzen Trump

Die Sorgen vor einem globalen Handelskrieg belasten den Markt nur kurz. Warum Strategen darauf setzen, dass es so weitergeht.
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Frankfurt„Anleger fassen neuen Mut“. So fasst Wolfgang Albrecht, Investmentanalyst bei der LBBW, das Geschehen an den Märkten zusammen. In der vergangenen Woche hat der Dax zwar unter dem Strich „nur“ gut ein Prozent zugelegt und liegt auf Jahressicht noch mehr als zweieinhalb Prozent im Minus. Aber: Seit seinem Tief Mitte März hat der Dax mehr als sechs Prozent zugelegt. Außerdem verzeichnete der Index jetzt die vierte Gewinnwoche in Folge – eine so lange Gewinnserie gab es zuletzt vor einem halben Jahr.

Der vor vier Wochen von US-Präsident Donald Trump erneut angefachte Handelsstreit schwelt zwar weiter. Doch zumindest die Ängste vor einem „Handelskrieg“ zwischen den USA und China sind in den Hintergrund gerückt. Auch den Luftschlag der USA gegen Ziele in Syrien vor wenigen Tagen steckten die Märkte „erstaunlich gelassen“ weg, wie Albrecht meint. Hintergrund des Angriffs ist ein mutmaßlicher Chemiewaffenangriff der mit Russland verbündeten syrischen Regierung auf Rebellen im eigenen Land.

Gegenüber Russland haben die USA die Sanktionen verschärft – doch auch das macht Investoren in der westlichen Welt offensichtlich keine großen Sorgen. „Im Moment scheint – zum Glück – keiner so richtig zu erwarten, dass das Ganze eskaliert“, sagt dazu Martin Lück, Chefanlagestratege für Deutschland und Osteuropa beim Fondsriesen Blackrock.

„Gold ist jetzt eine gute Absicherung“

„Gold ist jetzt eine gute Absicherung“

Statt auf die Politik achten Anleger jetzt wieder stärker auf die Geschäfte der Unternehmen – und die laufen gut. „Der erfolgreiche Start in die US-Berichtssaison hat für positive Stimmung gesorgt“, meint Sören Wiedau, Stratege bei der Weberbank. Bislang lagen die Gewinne der Unternehmen im Schnitt um mehr als vier Prozent über den Analystenschätzungen, hat die LBBW ausgerechnet. „Die US-Unternehmen profitieren besonders von der Steuerreform, aber auch der schwächere US-Dollar beflügelte die Ergebnisse“, erklärt Michael Bissinger, Aktienanalyst bei der DZ Bank.

Für die Unternehmen im S&P 500 erwarten Analysten ein Gewinnwachstum von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das wäre die beste Bilanzsaison seit sieben Jahren. In der nächsten Woche kommt die Bilanzsaison auf Hochtouren. Mehr als 180 US-Firmen legen Zahlen vor – darunter sind die Google-Mutter Alphabet, Amazon, AT&T, Boeing, Coca-Cola, Ebay, Exxon Mobil, Facebook, General Motors, Intel, Microsoft, Pepsico und Verizon Zahlen vor.

Auch hierzulande erwarten Experten wie Lück von Blackrock „solide Ergebnisse und einen weiter sehr konstruktiven Ausblick seitens der Unternehmen“. Dabei legen auch in Europa viele Unternehmen Zahlen vor. Allein aus dem Dax 30 öffnen neun Konzerne ihre Bücher.

Den Auftakt macht am Dienstag der Softwarekonzern SAP, bei dem Analysten allerdings eher skeptisch sind. Sie meinen, dass die Gewinn und Umsatz zuletzt stagnierten. Der feste Euro und der hohe Umsatzanteil von SAP im Dollarraum dürften die Geschäfte belasten. Am Mittwoch legt der Industriegasekonzern Linde seine Zahlen vor. Investoren werden jedoch weniger auf Zahlen als auf Neuigkeiten zu der im Sommer 2016 angekündigten Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair achten. Noch stehen entscheidende Genehmigungen der Aufsichtsbehörden aus.

Am Mittwoch gibt es zudem Zahlen der Deutschen Börse, und am Donnerstag geht es mit den Quartalsergebnissen von Deutscher Bank, Lufthansa, Dax-Neuling Covestro, Volkswagen und Continental besonders hoch her. Continental hat bereits vergangene Woche eine Gewinnwarnung abgegeben, was der Aktie stark zusetzte. Für die Autokonzerne sind Beobachter dagegen optimistisch. Neben Volkswagen legt am Freitag auch Daimler Zahlen vor. Die Autobauer hatten zuletzt ihre Absätze deutlich erhöht.

Am Donnerstag werden die Investoren neben den Quartalszahlen aber auch auf die Europäische Zentralbank (EZB) blicken. Der EZB-Rat dürfte zum ersten Mal diskutieren, wie es am Herbst mit den Anleihekäufen weitergeht.

Die Notenbanker um EZB-Chef Mario Draghi wollen ihre monatlichen Käufe von 30 Milliarden Euro „bis mindestens Ende September“ fortsetzen. Die meisten Investoren erwarten, dass die Währungshüter die Käufe danach weiter vorsichtig abschmelzen und erst Ende 2018 komplett beenden. Konkrete Beschlüsse dürfte es am Donnerstag kaum geben, aber Investoren werden versuchen, etwas aus den Andeutungen von Draghi herauszulesen.

Wichtig werden in der kommenden Woche zudem Konjunkturdaten, wie die Einkaufsmanagerindizes für die Euro-Zone am Montag und den Ifo-Geschäftsklimaindex am Dienstag. Beim Ifo erwartet die Commerzbank zwar einen deutlichen Rückgang von 103,2 auf 102,5 aber davon sollten sich Anleger nicht bange machen lassen.

Denn der Rückgang dürfte nur zu einem kleineren Teil durch die schlechtere Stimmung unter den deutschen Unternehmen bedingt sein, erklärt Ralf Solveen, Volkswirt bei der Commerzbank: „Der größte Teil des Rückgangs ist die Folge einer Überarbeitung des Index. Zum einen bekommt er ein neues Basisjahr, was den Index allein um etwa neun Punkte drückt.“ Zudem werde künftig auch der Dienstleistungssektor beim Ifo berücksichtigt.

Dass sich die Stimmung auch ohne die statistischen Änderungen etwas eingetrübt haben dürfte, erklärten Ökonomen mit den handelspolitischen Belastungen. „Sie fordern zweifellos ihren Tribut“, sagt Michael Holstein von der DZ Bank. Diese Belastungen dürften sich auch im Wirtschaftswachstum der USA widerspiegeln. Die ersten Schätzungen zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts gibt es am Freitag. Volkswirte erwarten ein Wachstum 2,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal, nach einem Wachstum von 2,9 Prozent in der Vorperiode.

Doch auch die Weltpolitik dürfen Anleger nicht aus den Augen verlieren. Am Montag besucht Frankreichs Präsident Emmanuel Macron US-Präsident Trump, am Freitag trifft sich Trump mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Washington. Die Europäische Union ist bis zum 1. Mai von den amerikanischen Zöllen auf Aluminium und Stahl ausgenommen. Die Zeit für eine dauerhaftere Einigung ist also eng bemessen. Neue Spannungen könnten die Investoren auch schnell wieder verunsichern.

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