Dax-Ausblick
Börsianer geraten in Stress

Der Terminkalender für Aktienanleger ist in der nächsten Woche prall gefüllt. Notenbanken, Konjunkturdaten und die auf Hochtouren laufende Quartalssaison könnten die Börsen ins Trudeln geraten lassen.

Eines steht zumindest fest: Langweilig wird es Börsianern in den kommenden Tagen nicht werden: „Wir stehen vor einer spannenden Woche, die an den Börsen zu größeren Kursschwankungen führen könnte“, fasst Robert Greil, Chefstratege Chefstratege der Privatbank Merck Finck & Co den Ausblick zusammen: Zahlreiche Makro- und Unternehmenszahlen stehen an, zwei wichtige Notenbanken tagen und am Freitag – allerdings erst nach Börsenschluss in den USA – werden die Ergebnisse des Bankenstresstests in der Euro-Zone veröffentlicht.

Besonders im Fokus steht dabei für Tobias Basse, Aktienstratege bei der NordLB, die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Mittwoch. Zwar rechnet niemand damit, dass die Fed die Leitzinsen erhöht. „Man wird aber auf die Details schauen“, sagt Basse. Interessant sei vor allem die Frage, ob jemand gegen die Beibehaltung des Schlüsselsatzes von 0,25 bis 0,5 Prozent gestimmt habe. Dies würde Spekulationen auf eine Straffung der US-Geldpolitik noch in diesem Jahr schüren.

Vor Dezember rechnet kaum jemand mit einer Aktion der Fed. Und eine Zinserhöhung im Dezember erwartet – gemessen an Zinssätzen für Termingeschäfte in den USA – nur knapp die Hälfte der Investoren. Zu ihnen gehört Mark Kiesel, Chef-Anleihestratege beim Fondshaus Pimco. Die Entscheidung der Briten gegen die Europäische Union habe zwar dafür gesorgt, dass eine baldige Leitzinserhöhung in den USA vom Tisch sei. Aber die Wirtschaft in den USA wachse schließlich relativ gut und auch die Inflationsrate dürfte anziehen.

Bei der Bank of Japan rechnen einige Investoren dagegen schon am Freitag mit einer Aktion. „Eine weitere Lockerung der Geldpolitik liegt auf der Hand“, schreibt Frederic Neumann, leitender Volkswirt der HSBC in einem Kommentar. „Die Märkte erwarten rasche und entschlossene Maßnahmen.“

Die Strategen der BayernLB sind da zurückhaltender: Nachdem der wiedergewählte japanische Ministerpräsident Shinzo Abe bereits ein neues Konjunkturpaket ab Herbst in Aussicht gestellt habe, könnte die Bank of Japan zunächst abwarten. Dabei die Notenbank der Einführung von „Helikoptergeld“, bei dem die Notenbank direkt Geld an die Bürger verteilt, schon in dieser Woche eine klare Absage erteilt.

Dass die Notenbanker nicht immer die Erwartungen der Märkte erfüllen, hat in der vergangenen Woche Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) gezeigt. Er hielt sich mit neuen Ankündigungen zurück, obwohl viele Analysten damit gerechnet hatten, dass die EZB die Kriterien für ihr monatlich 80 Milliarden Euro schweres Anleihekaufprogramm modelliert.

Ein Grund dafür ist, dass die Anleiherenditen gerade in Deutschland zu rund 60 Prozent unter die Marke von minus 0,4 Prozent gefallen sind. Diese Anleihen kann die EZB nicht kaufen, weil sie unter dem negativen Einlagensatz rentieren, den die Notenbank erhebt, wenn Banken kurzfristig bei ihr Geld parken wollen. Doch Draghi sagte dazu letztlich nichts.

Die Märkte nahmen das jedoch gelassen. Am Donnerstag und Freitag bewegten sich die Aktienkurse kaum. Unter dem Strich hat der Dax in der vergangenen Woche aber 0,8 Prozent zugelegt und notierte zuletzt mit 10.148 Zählern. Damit trennen ihn nur noch gut 100 Punkte von dem Stand vor dem überraschenden Brexit-Votum in Großbritannien am 23. Juni. Nach dem Votum war der Leitindex um bis zu zehn Prozent abgesackt. Auf Jahressicht liegt der Dax rund 5,5 Prozent im Minus – und damit besser als zur Halbjahresbilanz, bei der er noch über elf Prozent in den roten Zahlen notierte.

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