Dax-Ausblick
Crash-Monat oder Einstiegschance?

Achtung, anschnallen: Der Börsenmonat September schneidet in der historischen Betrachtung schlecht ab. Bereits die erste Woche des neuen Monats könnte sehr unruhig werden. Andere Experten sprechen aber von Kaufkursen.
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DüsseldorfEuropas Aktienanlegern könnte eine unruhige Börsenwoche bevorstehen. Wie es für Dax und Co weitergeht, hängt vor allem von EZB-Chef Mario Draghi ab - und der hat zuletzt für Überraschung gesorgt. Seine deutlichen Worte zum Kampf gegen die Deflation haben die Nervosität vor der Sitzung des Notenbankrates am Donnerstag spürbar erhöht. Auch die Lage in der Ukraine könnte für Turbulenzen sorgen.

„Es gibt zurzeit viele Unsicherheitsfaktoren“, fasst NordLB-Experte Tobias Basse zusammen. „Vor allem bei der EZB scheint nach dem Auftritt von Draghi in Jackson Hole alles möglich.“ Draghi hatte auf dem Notenbanker-Treffen gesagt, er wolle die Inflation falls nötig mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln erhöhen und so die Wirtschaft ankurbeln. Damit setze die EZB ihre extreme Zinspolitik fort und bereite mit vieldeutigen Aussagen den Ankauf von Staatsanleihen (Quantitative Easing) vor, sagt Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank.

Ein Unsicherheitsfaktor ist auch der Börsenmonat September an sich. In der historischen Betrachtung der vergangenen Jahrzehnte schneidet der äußerst schlecht ab. Weil zudem einige besonders heftige Crashs in der Vergangenheit in den September fielen, hat er nun sein Image als „Crash-Monat“ weg. Wie ist die Lage im Jahr 2014?

„Um von einem Aktien-Crash zu sprechen, müssten die Kurse substanziell nachgeben“, meint Ralf Müller-Rehbehn, Portfoliomanager bei AMF Capital. „Dies wäre nach einer Phase stärkerer Euphorie und damit ausgeprägter Kurssteigerungen wahrscheinlicher. Dies sehen wir allerdings derzeit nicht.“ In diesem Jahr sprächen die Fundamentaldaten der Unternehmen für ein leichtes Plus bei den Gewinnen und somit für moderate Kurssteigerungen. Zwar seien Aktienmärkte absolut gesehen nicht wirklich billig, aber doch in der relativen Betrachtung attraktiv bewertet.

„Wir erwarten, dass die Volatilität steigt. Langfristig werden wir die 10.000-Punkte-Marke wieder sehen, kurzfristig ist es aber ebenso wahrscheinlich, dass der Dax auf 8.000 Punkte zurückfällt, meint beispielsweise Anja Welz, Vorstand der Laureus AG Privat Finanz. Ihr machen Börsenweisheiten wie „Sell in May but remember to come back in September“ auf einprägsame Weise zwei Dinge bewusst: „Erstens, die Anlageklasse Aktien ist bei einem langfristigen Anlagehorizont zur Beimischung unverzichtbar. Zweitens, sie kann hohe Risiken aufweisen.“ Aktien seine eben kurzfristig keine „Einbahnstraße“. Der Anlagehorizont sollte also nicht von Herbst bis Frühjahr oder Sommer sein, also keine acht Monate, sondern vielmehr acht Jahre und länger.

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