Dax-Ausblick

Das gefährliche Spiel mit den Erwartungen

Die Börsen hängen an den Lippen der Notenbanken. Nach der Rede von EZB-Chef Draghi steht bald die Entscheidung der Fed über eine Leitzinserhöhung an. Vorab wird wieder vieles erwartet. Auf welche Daten Anleger blicken.
Die Aktienmärkte hängen an den Lippen der Notenbanken. Jede Abweichung von den Erwartungen wird bestraft. Quelle: Imago
Gefährliche Erwartungen

Die Aktienmärkte hängen an den Lippen der Notenbanken. Jede Abweichung von den Erwartungen wird bestraft.

(Foto: Imago)

DüsseldorfVerkehrte Welt an den Börsen? Eigentlich geht es in den letzten Wochen des Jahres traditionell etwas ruhiger zu. Investoren beginnen dann normalerweise schon, ihre Möglichkeiten für das kommende Jahr auszuloten, sie studieren Ausblicke, machen sich über die Strategie grundsätzlich Gedanken. Doch in diesem Jahr machen die Notenbanken Börsianern einen Strich durch die Rechnung.

So hatten die Aussagen des EZB-Präsidenten Mario Draghi die europäischen Börsen, allen voran den Dax, am Donnerstag in starke Wallungen versetzt. Der deutsche Leitindex verlor zunächst 400 Punkte, am Freitag dann weitere 60 Punkte. Wo mancher Analyst vor der EZB-Pressekonferenz noch auf starken Auftrieb beim Dax-Barometer gesetzt hatte, stand am Ende Ernüchterung.

„Der Markt hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass Zentralbanken nur noch Euphorie auslösen, wenn ihre Maßnahmen deutlich über den Erwartungen liegen. Fortgesetzte geldpolitische Expansion allein reicht nicht mehr aus“, urteilten die Analysten der Metzler Bank. In anderen Worten: Draghi hatte den Märkten zu wenig geliefert.

Welche Aktien alle Rekorde brechen

BEIERSDORF AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005200000
Börse
Xetra

0,00 0,00%
+97,52€
Chart von BEIERSDORF AG INHABER-AKTIEN O.N.
Beiersdorf
1 von 19

Die Papiere von Beiersdorf sind zurzeit im Aufwind. Der Nivea-Hersteller profitierte vor allem von guten Geschäften in Südamerika.

Rekordhoch am: 26.11.2015

Rekordkurs: 89,54 Euro

FRESENIUS SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005785604
Börse
Xetra

+0,14 +0,21%
+67,28€
Chart von FRESENIUS SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Fresenius
2 von 19

Der Medizinkonzern Fresenius ist auf dem besten Weg zum Dax-Jahressieger – und trotz jüngstem Allzeithoch scheint das Potential der Aktie noch nicht ausgereizt.

Rekordhoch am: 26.11.2015

Rekordkurs: 70,00 Euro

SAP SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007164600
Börse
Xetra

-0,46 -0,50%
+91,84€
Chart von SAP SE INHABER-AKTIEN O.N.
SAP
3 von 19

Bei dem Softwarehersteller SAP wird traditionell eher auf den Umsatz als auf die Gewinne und vor allem auf das Cloud-Geschäft geschaut. Auch der Aktienkurs lohnt einen Blick.

Rekordhoch am: 3.12.2015

Rekordkurs: 75,75 Euro

DAX ®

WKN
ISIN
DE0008469008
Börse
Xetra

+8,57 +0,06%
Chart von DAX ®
Dax
4 von 19

Der Leitindex der 30 größten deutschen Unternehmen, zu denen SAP, Fresenius und Beiersdorf gehören, hatte im Frühjahr dieses Jahres ebenfalls ein Rekordhoch. Im Herbst hatten die Anleger erneut eine Rally hingelegt.

MDAX PERFORMANCE-INDEX

WKN
ISIN
DE0008467416
Börse
Xetra

-15,06 -0,05%
Chart von MDAX PERFORMANCE-INDEX
MDax
5 von 19

Gleich zehn MDax-Unternehmen haben in den letzten November- und in der ersten Dezemberwoche ein Allzeithoch hingelegt. Der Index selbst erreichte sein Rekordhoch pünktlich zum Beginn der Weihnachtssaison am 1. Dezember. Stand: 21.680 Punkte

AIRBUS SE AANDELEN OP NAAM EO 1

WKN
ISIN
NL0000235190
Börse
Xetra

+0,65 +0,70%
+93,42€
Chart von AIRBUS SE AANDELEN OP NAAM EO 1
Airbus Group
6 von 19

Der Flugzeugbauer baut seinen Vorsprung zu Konkurrent Boeing weiter aus. Das Chinageschäft brummt, über den Verkauf von Teilen des Rüstungsgeschäfts wird verhandelt.

Rekordhoch am: 30.11.2015

Rekordkurs: 68,50 Euro

DMG MORI AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005878003
Börse
Xetra

-0,40 -0,84%
+46,95€
Chart von DMG MORI AG INHABER-AKTIEN O.N.
DMG Mori
7 von 19

Das Papier des Maschinen-Herstellers DMG Mori zeigt sich in Höchstform. Allerdings zweifeln einige Analysten, ob sich der Kauf bei dem relativ hohen Kurs noch lohnt.

Rekordhoch am: 01.12.2015

Rekordkurs: 38,80 Euro

Der Vorfall zeigt, wie stark die Börsen mittlerweile an den Lippen der Notenbanker hängen. „Die Finanzmärkte sind vom billigen und üppigen Geld abhängig wie der Drogenabhängige vom nächsten Schuss“, findet Robert Halver gewohnt drastische Worte. Jede noch so kleine geldpolitische „Enttäuschung“, auch wenn die Expansion nur geringer ausfällt als erwartet, werde bestraft, glaubt der Kapitalmarktexperte der Baader Bank.

Es bleibt also weiter spannend, auch in der kommenden Woche. Denn Erwartungen an die Geldpolitik haben die Märkte unentwegt. Zwar hat Draghi seine letzte offizielle Rede des Jahres gehalten. Doch schon am 16. Dezember folgt ihm seine Kollegin aus den USA. Da könnte Fed-Chefin Janet Yellen erstmals seit 2007 die Leitzinsen anheben.

Die sehr guten Arbeitsmarktzahlen vom Freitag würden einen solchen Schritt zumindest stützen. Ausschlaggebend werden aber auch die Einzelhandelspreise und die Einzelhandelsumsätze sein, die am kommenden Freitag veröffentlicht werden. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Anleger werden genau darauf schauen. Können die Zahlen die Erwartungen halten?

„Alles deutet darauf hin, dass das der Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) am 16. Dezember die längst überfällige Leitzinsanhebung beschließen wird“, glaubt Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. Anleger dürften vorab jedoch darüber spekulieren, ob der Entscheidung 2016 dann weitere „graduelle“ Zinsanhebungen folgen werden.

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