Dax-Ausblick

Das Parkett gehört den Notenbanken

Bühne frei für Draghi und Bernanke. Anleger spekulieren auf eine Zinssenkung der EZB und eine Fortsetzung des Anleihekaufprogramms der Fed. Gibt es in der neuen Woche wieder Zündstoff für einige Kursraketen?
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Frankfurter Börsenparkett. Die Notenbanken bestimmen das Geschehen. Quelle: dpa

Frankfurter Börsenparkett. Die Notenbanken bestimmen das Geschehen.

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Frankfurt/DüsseldorfDie große Frage am Markt lautet in der neuen Woche: Kommt die Zinssenkung der EZB und wie geht in den USA weiter? Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) steht nämlich in der nächsten Woche die Ratssitzung an. Viele Analysten glauben, dass die EZB die Zinsen am Donnerstag auf 0,5 Prozent senken wird. „Die Belastung für den Euro sollte sich aber in Grenzen halten, da dies wohl keine Überraschung wäre“, meint Commerzbank-Experte Karpowitz.

Das könnte vor allem den großen Unternehmen in Europa helfen, sich günstiger mit Fremdkapital einzudecken und ihre Altschulden besser zu refinanzieren. „Dies ist ein nicht zu unterschätzender Effekt für die Unternehmensgewinne und dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass die Kurse an den europäischen Aktienmärkten trotz zahlreicher negativer Wirtschaftsdaten in den vergangen Tagen so stark angestiegen sind“, heißt es im Wochenausblick der Bank M.M. Warburg.

In der Tat gab es am Aktienmarkt bereits reichlich Vorschusslorbeeren: Zinssenkungsfantasien sorgten in der alten Woche beim Dax für ein Plus von fast fünf Prozent. Sie können die Aktienmärkte auch zu Wochenanfang nach Ansicht von Marktstratege Bernd Krampen von der NordLB zunächst weiter nach oben treiben. Der Dax befindet sich etwa 350 Punkte von seinem Allzeithoch entfernt. Wegen des billigen Geldes der Notenbanken geht die Mehrheit der Analysten davon aus, dass der Dax die Rekordmarke von 8.151 Punkten knacken könnte.

Die Baader Bank geht ebenfalls von einer Zinssenkung aus. Die aggressive Geldpolitik der Bank of Japan könne die EZB nicht einfach ignorieren. Wenn wegen dem schwachen Yen der Euro aufwertet, würde dies den Export der Euro-Zone belasten. Die EZB werde deshalb die Zinsen auf 0,5 Prozent senken, meint Robert Halver von der Baader Bank. „Und auch die positiven Ausstrahleffekte Deutschlands als exportstarkes Konjunkturzugpferd der Eurozone können sich umso mehr entfalten, je schwächer der Euro notiert.“

„Niedrige und tendenziell fallende Inflationsraten geben der EZB den Spielraum für eine weitere Lockerung“, schreiben die Analysten der Deka-Bank. Die große Überraschung wäre Zinssenkung nicht, allerdings andere unkonventionelle Maßnahmen zur Stimulierung der Kreditvergabe. Diese sind aber im EZB-Rat umstritten und deshalb recht unwahrscheinlich.

Nur wenige Analysten gehen von keiner Zinssenkung der EZB aus. So die Experten der HSH Nordbank in ihrem Wochenkommentar.

Was macht die Fed?
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14 Kommentare zu "Dax-Ausblick: Das Parkett gehört den Notenbanken"

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  • Die EZB müsste für Deutschland im Augenblick die Zinsen im Grunde wahrscheinlich etwas erhöhen. Aber sie müsste für andere Länder eigentlich noch mehr tun dafür, dass noch mehr Liquidität zur Verfügung gestellt wird. Und vor allem, dass diese Liquidität für die Unternehmensfinanzierung ankommt."

    Unabhängigkeit der EZB im Focus

    Nach diesen Äußerungen war es Regierungssprecher Steffen Seibert, der gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters betonte, dass die Bundeskanzlerin in keiner Weise die Unabhängigkeit der EZB infragestelle. Die Bundeskanzlerin habe beschrieben, warum es nicht einfach sei, unterschiedliche Interessen innerhalb der Eurozone in Ausgleich zu bringen. Es sei daher wichtig, die innere Spaltung der Euro-Zone mit Strukturreformen und engerer wirtschaftspolitischer Koordination zu überwinden.

    Unbeachtlich der Lippenbekenntnisse der deutschen Bundesregierung zur Unabhängigkeit der EZB dürfte der Druck auf den EZB-Rat gerade aus den Krisenstaaten - inklusive Frankreich - vor dem Zinstermin am 2.5.2013 gewaltig sein. In der Tat wäre es ein riesengroße Überraschung, wenn Draghi und Konsorten diesem gewaltigen Druck widerstehen würden. Fest steht jedenfalls, dass die strukturelle Mehrheit im EZB-Rat nicht wirklich den stabilitätspolitischen Tugenden der altehrwürdigen Deutschen Bundesbank frönt. Und insofern ist es ein Leichtes, peu a peu die EZB zu einer neuen Banca D` Italia umzugestalten.

    Die Liraisierung des Euro in seinem Lauf halten weder Merkel noch Weidmann auf.

    Einzig vielleicht ein starkes Ergebnis der Alternative für Deutschland bei der kommenden Bundestagswahl...

    schreibt ein Börsenbrief

  • Angela Merkel - EZB in einem Dilemma

    Pervers, pervers - je schlechter die Daten von der realwirtschaftlichen Front, umso wilder klettern in diesen extremen Tagen des Umbruchs die Aktienkurse. Erst jüngst wurde ja bekannt, dass in Spanien die Arbeitslosenquote auf sage und schreibe mehr als 27 Prozent hochgeschnellt ist; und auch in Frankreich erreicht die Arbeitslosigkeit ein bedenklich hohes Niveau. 3,225 Millionen Menschen in Frankreich sind offiziell arbeitslos registriert, sechs Millionen in Spanien.



    Und je schlechter die einzelnen Nachrichten von der Konjunkturfront sind, desto wilder treiben die Bullen die Aktienkurse nach oben. Allein in dieser Woche konnte so der deutsche Leitindex um mehr als 300 Punkte nach oben gepeitscht werden. Da spielt es keine Rolle, dass der ifo-Geschäftsklimaindex wie auch die jüngsten Markit-Daten schlechter als erwartet ausfielen.
    Stumpf und tumb wird in den Marktberichten schlicht darauf verwiesen, dass mit jeder schlechten Nachricht aus der Realwirtschaft die Hoffnung auf noch billigeres Geld von der EZB steigt. Anders formuliert, einzig und allein die Aussicht auf den ultimativen Null-Zins durch die sog. Währungshüter in der EZB treibt die Akteure zu noch riskanteren Anlageentscheidungen. Ein Schelm, wer nun denkt, dass die Verantwortlichen in Frankfurt genau dies erreichen wollen.


    Der große Zinstag der EZB ist der kommende Donnerstag. Und mittlerweile ist es schon so weit gekommen, dass selbst die Bundeskanzlerin gestern anlässlich ihrer Rede beim Sparkassentag in Dresden über die kommende Zinsentscheidung des EZB-Rats philosophierte. Ja, so weit ist es schon gekommen, dass von Seiten der obersten Politik vor einer extrem wichtigen Zinsentscheidung Kommentare abgegeben werden.
    Also, für Frau Merkel hat die kommende EZB-Ratssitzung jedenfalls hohe Brisanz.


    Die Zentralbank befinde sich der Bundeskanzlerin zufolge in einer ganz schwierigen Situation". Wortwörtlich sagte
    sagte Frau Merkel:

  • Die Notenbanken sind nur noch Getriebene. Die Geldmengausweitung bei M0, die einzige, die die Zentralbanken direkt unter ihrer Kontrolle haben ist zwar drastisch aber dennoch macht M0 nur ca. 10% der Geldmenge aus.

    Über 90% der Geldmenge werden von den Geschäftsbanken aus dem Nichts erschaffen. Die Notenbanken haben einen großen Teil der historischen Schuld damit auf sich geladen, dass sie die Zinsen viel zu lange viel zu niedrig gesteuert haben und das Instrument der Mindestreserve de facto nicht wirksam benutzt. Die jedem historischen Vergleich spottende Geldmengenausweitung seit Bretton Wood liegt somit in der Verantwortung der Zentralbanken.

    Jetzt finden sich die Notenbanken in einer Situation wieder, in der das Finanzsystem AUFGRUND der extremen Geldmengenausweitung (in Verbinund mit Globalisierung, Deregulierung, "Produktinnovationen") so labil geworden ist, dass ein echter, steuernden Eingriff nicht mehr möglich ist, ohne das Risiko in Kauf zu nehmen, das System damit über den Abgrund zu stoßen. Die Aufkaufprogramme von Anleihen und Wertpapieren stellen einfach nur noch (drastische) Verteilungsungerechtigkeit dar, letztlich nur noch ein Seitenaspekt, genauso wie Inflation.

    Man wird den Teufel Geldmenge nicht mehr in die Flasche zurückkriegen, die zeitlichen Abstände, in denen sich die Geldmenge verdoppelt werden immer kleiner, die Geldmenge wächst inzwischen exponentiell. Es wird in einem finanznukleraren Armageddon enden, die Frage ist nicht mehr ob, sondern nur noch wann

  • Die Lösung bestünde darin, dass die Geldmengenausweitung an einen Index-Korb gekoppelt wird, der das realwirtschaftliche Wachstum abbildet bzw. zu einem Teil antizpiert. Den Geschäftsbanken wird im Gegenzug nur noch ermöglicht, Geld zu verleihen, das sie zu 100% bei den Zentralbanken besichern. Die Notenbank wird nach streng festgelegten Regeln zum alleinigen money issuer of 1st instance. Das würde dazu führen, dass Staaten den Geldschöpfungsgewinn über die Zentralbank zurückbekommen, sowohl den originären als auch den fortlaufenden Zinsgewinn was wiederum ermöglichen würde, die Steuern drastisch zu senken; die Menschen müssten nicht mehr die Zinsen der Geldschaffung erarbeiten (den die Geschäftsbanken bisher einstreichen) sondern nur noch die des GeldWEITERverleihs, ein drastischer Unterschied - ein Wirtschaftsboom wäre die Folge und das Problem des immer labiler werdenden Finanzsystems entschärft. Keine neue Idee übrigens...

  • " Das parkett gehört den notenbanken "...

    ... und der deutsche micheldem parkett.

    die privaten Gläubiger stehlen sich immer mehr aus der verantwortun und lasten den nordstaaten immer mehr haftungsrisiken auf.
    ich finde das feige

  • "Das Parkett gehört den Notenbanken" - und das schon seit Jahr und Tag. Grundsätzlich aufgrund der für die armselige "Marktwirtschaft" alias "Kapitalismus" alias "Kapitalverwertung" schon seit 30 Jahren viel zu hohen Produktivität, verlaufstechnisch den guten alten "Eigeninteressen" alias "Nach mir die Sintflut" geschuldet.
    "Grundsätzlich" bedeutet inhaltlich: "Eine Entwicklung der Produktivkräfte, welche die absolute Anzahl der Arbeiter verminderte, d.h., in der Tat die ganze Nation befähigte, in einem geringerem Zeitteil ihre Gesamtproduktion zu vollziehen, würde Revolution herbeiführen, weil sie die Mehrheit der Bevölkerung außer Kurs setzen würde." Im Zeitalter des globalisierten Kapitals braucht mensch dann nur noch den Anachronismus "Nation" durch "Menschheit" zu ersetzen - und schon haben wir den sich seit dreißig Jahren immer mehr zuspitzenden Amoklauf der tollen "Konkurrenz" (mittlerweile 5,5 Mrd. "Überflüssige"). Phyrrus lässt grüßen!
    Verlaufstechnisch will das Kommando weiter kommandieren - bloß jetzt ohne Kommandierte - und da die tolle "Kapitalverwertung" alias "Gewinne machen" eben nur noch simuliert werden kann, muss die Vorwegnahme halluzinierter zukünftiger "Gewinne" über ASTRONOMISCHE "Kreditlinien" "geluftschlosst" werden, d.h. eine ewig laufende, alle Universen sprengende "WECHSELREITEREI". Die sich selbstredend dabei immer weiter zuspitzende "Konzentration" und "Zentralisation" des Kapitals äußert sich auf der Zirkulationsebene dann halt so: "Man spreche noch von Zentralisation! Das Kreditsystem, das seinen Mittelpunkt hat in den angeblichen Nationalbanken und den großen Geldverleihern und Wucherern um sie herum, ist eine enorme Zentralisation und gibt dieser Parasitenklasse eine fabelhafte Macht, nicht nur die industriellen Kapitalisten zu dezimieren, sondern auf die gefährlichste Weise in die wirkliche Produktion einzugreifen - und diese Bande weiß nichts von der Produktion und hat nichts mit ihr zu tun."

    Auf zum Gattungsharakiri

  • Nimm ihnen alles und sie haben NICHTS mehr zu verlieren!
    Für die Mehrheit der jungen Menschen in Europa ist DAS bereits seit mehreren Jahren nun bittere Realität ohne Hoffnung auf die Zukunft.

    Der Rest hat noch etwas zu verlieren und wird es verlieren!

    Die Kultur geschändet, die Menschlichkeit geopfert, die Freiheit verloren - Das Erwachen in der "EU" kommt unaufhaltsam.


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Für die Spareinlagen und die Versicherer dürfte eine weitere Zinssenkung erhebliche, negative und langfristige Folgen haben. Es findet eine schleichende Geldentwertung statt, die vor allem alle Vorsorgesysteme angesichts der Inflationsrate erheblich treffen wird. Die Verarmung des Durchschnittsbürgers nimmt seinen Lauf. Und die Probleme werden in nächsten Monaten in den Euro-Ländern nicht ab- sondern zunehmen. Somit wird die Frage des Verbleibs Deutschlands im Euro zur Existenzfrage breiter Bevölkerungsschichten und nachfolgender Generationen.

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