Dax-Ausblick
Dax leidet unter dem langsamen Fed-Rückzug

Die Fed-Gelder werden nicht ewig fließen. Daran müssen sich die Anleger gewöhnen. Für die kommende Woche erwarten die Analysten aber keinen erneuten Ausverkauf. Eine gute US-Konjunktur könnte stützend wirken.
  • 34

FrankfurtNachdem US-Notenbankchef Ben Bernanke das Ende der ultralockeren Geldpolitik eingeläutet hat, setzen sich die Anleger selbst auf Entzug. „Das billige Geld als Doping der Finanzmärkte wird künftig reduziert - das Thema wird die Börsen weiter beherrschen“, sagt Marktstratege Tobias Basse von der NordLB. „Da kommende Woche lediglich Wirtschaftsdaten aus der zweiten Reihe anstehen, werden die Märkte vorerst weiter die Fed-Sitzung verdauen“, erklärt auch Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Einen erneuten Ausverkauf erwarten Experten in den nächsten Tagen zwar nicht, allerdings könnte es durchaus zu größeren Kursschwankungen kommen.

Bernanke hatte am Mittwochabend angekündigt, die Zentralbank Fed könnte ihren geldpolitischen Kurs noch in diesem Jahr verlassen und ihre monatlichen milliardenschweren Anleihekäufe bis Mitte kommenden Jahres beenden. Obwohl die Drosselung damit langsam und über einige Monate hinweg passieren würde, reagierten die Investoren prompt und warfen Aktien, Anleihen und Rohstoffe aus den Depots.

Vor allem in den Schwellenländern gingen die Kurse in die Knie, da diese zuletzt besonders von der Liquiditätsflut der Notenbanken profitiert hatten. Der Dax verlor auf Wochensicht bis zum Freitagmittag 2,2 Prozent. An der Wall Street schlug beim Dow-Jones-Index bis Donnerstag ein Wochenverlust von rund zwei Prozent zu Buche.

Die BRIC-Staaten kämpfen allerdings nicht nur mit dem möglichen Liquiditätsstopp der Notenbanken, sondern auch mit der schwächelnden chinesischen Konjunktur. Der vorläufig veröffentlichte HSBC-Einkaufsmanagerindex für China rutschte auf einen Wert von 48,3 Punkten. Erst ab einem Wert von 50 kann ein Wachstum ausgemacht werden. Außerdem mehren sich die Indizien, dass sich die Banken in China immer seltener Geld untereinander leihen. Der mangelnde Geldverleih unter den Geldhäusern könnte dramatische Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben. Denn wenn Banken anderen Banken kein Geld leihen, dann werden sie erst Recht keines an Unternehmen verleihen – und wenn, dann nur zu immens hohen Verzinsungen.

Wie hoch Zinsen im Reich der Mitte sind, zeigt unter anderem der Overnight-Shibor, der als einer der Referenzzinssätze des Interbankenmarkts täglich von verschiedenen Großbanken festgesetzt wird. Dieser stieg seit Anfang des Monats von 4,5 auf 13,4 Prozent. Der Reposatz für siebentägige Geschäfte, der die Verfügbarkeit der Interbankenliquidität misst, stieg auf rund elf Prozent an. Gerüchten zufolge soll die chinesische Notenbank deswegen rund acht Milliarden Euro in das Finanzsystem des Landes gepumpt haben.

Von offizieller Seite heißt es allerdings, dass sowohl die Regierung als auch die Bank of China keine weiteren Konjunkturprogramme oder Kapitalspritzen erwäge. Laut Ministerpräsident Li Keqiang entwickle sich die Wirtschaft stabil, was eine Krisenintervention wie in den Jahren 2008/2009 nicht nötig mache.

Kommentare zu " Dax-Ausblick: Dax leidet unter dem langsamen Fed-Rückzug"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ..........es kann sein, daß der Abstieg des Dax in Etappen eine neue Form des Crash auf Raten ist. Die Zukunft wird es zeigen. Aber ich glaube, daß diese Form gewählt wurde oder wird, um Verwerfungen, sprich der Ausstieg in großem Stil vermieden wird. Bedeutet, daß das investierte Kapital bleibt wo es angelegt war. Psychologisch raffiniert eingefädelt, um eine Ruhe vorzutäuschen, die keine ist. Was ist gegen das Einseifen ohne das es merkt zu tun? Nun, sich selber mit der Matterie vertraut machen und keinem Glauben schenken. Selbst ist die Frau, selbst ist der Mann. Ja, so ist es.........

  • Nun ja der Vergleich mit 2000 ist relativ einfach zu bewerten: schauen Sie sich die KGVs von 2000 an und vergleichen sie mit den heutigen. Danach ist die Sache schon klar, ganz ohne Kristallkugel. Wenn man das noch etwas genauer machen möchte kann man noch KBV hinzuziehen und die KGVs der Aktien mit denen von Anleihen vergleichen. Der Vergleich 2000 zu 2013 ist dort sogar sehr interessant, gerade der letzte Punkte mit KGV Aktien/Anleihen, die Ergebnisse sind erstaunlich.
    Für Lottozahlen gibt es keine Fundamentalanalyse. Enorme Exzesse bei Aktienbewertungen kann man dafür relativ gut erkennen.

  • Aha - und das erkennen Sie dann immer gleich oder gucken Sie vorher in die Glaskugel?

    Wie lauten denn die Lottozahlen vom nächsten Samstag?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%