Dax-Ausblick
Der Schatten der Schuldenkrise wird länger

Die Schuldenkrise in Europa und den USA setzt den Anlegern zu. Negative Nachrichten könnten die anstehenden Konjunkturdaten überschatten. Impulse werden auch von der durchstartenden Bilanzsaison erwartet.
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Frankfurt, DüsseldorfInvestoren im deutschen Aktienmarkt brauchen starke Nerven. Solange keine Lösung für die Schuldenkrise gefunden wird, dürfte der Dax seine Berg- und Talfahrt fortsetzen. Die Staatsverschuldung in den USA und Europa - hier vor allem Griechenland - könnte für negative Überraschungen sorgen, sagt Tobias Basse von der NordLB. Positive Nachrichten zur Konjunktur in Amerika könnten durch die Schuldenkrise überschattet und zur Randnotiz werden.

„Die nervöse Schaukelbörse dürfte sich zunächst fortsetzen“, heißt es auch bei Experten der LBB. Andreas Hürkamp von der Commerzbank rechnet mit Schwankungen des Dax zwischen 7.000 und 7.500 Punkten. „Einen neuen Aufwärtstrend am deutschen Aktienmarkt wird es wohl nur geben, wenn für die Schuldenkrise in der Eurozone eine überzeugende, nachhaltige Lösung gefunden wird“.

Auch die Experten vom Bankhaus Lampe verweisen auf das Fehlen eines Gesamtkonzeptes zur Bekämpfung der Schuldenkrise. So habe das sich hinziehende Krisenmanagement der EU für Verunsicherung an den Märkten gesorgt. Zwar erzielten die verschuldeten Staaten bei der Konsolidierung ihrer Haushalte Fortschritte. Angesichts einer stagnierenden oder schrumpfenden Wirtschaftsleitung reichten diese aber nicht aus, um die Zweifel an der Schulden-Tragfähigkeit der Länder auszuräumen. Die Experten rechnen damit, dass Investoren nun auch Spanien und Frankreich unter die Lupe nehmen - und fordern die Politik auf, bei der Bekämpfung der Schuldenkrise mit Tabus wie der ablehnenden Haltung gegenüber Eurobonds zu brechen.

Ängste um die Staatsfinanzen Italiens hatten im Wochenverlauf zu panikartigen Marktbewegungen geführt. Nachdem Ministerpräsident Berlusconi öffentlich den Sparkurs seines Finanzministers Tremonti in Frage gestellt hatte, schnellten die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen in die Höhe. Die Sorge, Italien könne in den Sog der Euro-Schuldenkrise geraten und somit die bestehenden Rettungsprogramme der EU überfordern, ließ den Dax in der Spitze um mehr als 500 Punkte fallen.

Dass sich die Märkte im Wochenverlauf stabilisierten und der Dax die psychologisch bedeutende 7.000-Punkte-Marke halten konnte, ist den schnellen Bekundungen der italienischen Politik zu verdanken, das anvisierte Sparpaket – sogar in größerem Umfang – zu verabschieden. Am Freitagnachmittag nickte das Abgeordnetenhaus mit 316 zu 284 Stimmen die milliardenschweren Maßnahmen ab. Doch das Thema Italien dürfte die Investoren weiter beschäftigen. Wenn die drittgrößte Volkswirtschaft der EU ihren Konsolidierungskurs einhält, wird das Land die Krise ohne fremde Hilfe meistern, sind die Analysten der Landesbank Berlin überzeugt.

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Konjunkturdaten aus Deutschland und USA erwartet

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