Dax-Ausblick
Die Börsenampel steht auf grün - noch

Die weltweiten Krisen haben den Dax vergangene Woche nicht bremsen können. Rückschläge sind weiter nicht ausgeschlossen. Nun richten sich alle Augen auf die EZB: Eine Serie von Zinserhöhungen könnte Anleger verunsichern.
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Frankfurt/DüsseldorfIn der abgelaufenen Woche haben weder Japans verzweifelter Kampf gegen den atomaren Super-GAU, noch die anhaltenden Kämpfe im Ölstaat Libyen oder die Sorgen um das hoch verschuldete Portugal die Anleger von Zukäufen abgehalten: Der Dax legte mehr als zwei Prozent zu und kletterte am Freitagnachmittag auf 7.179 Punkte. Damit hat der Leitindex wieder das Niveau erreicht, auf dem er vor der Erdbebenkatastrophe in Japan Mitte März notiert hatte. Selbst der Aktienmarkt in Japan scheint langsam aber sicher zur Tagesordnung überzugehen: Japanische Titel haben sich zuletzt erholt, sie notieren lediglich noch sieben Prozent unterhalb des Vorkrisenwertes.

„Die zahlreichen Krisen hängen zwar wie ein Damoklesschwert über dem Markt, aber noch scheinen die meisten davon auszugehen, dass die weltweite Konjunktur robust genug ist, das alles auszugleichen“, zeigt sich ein Börsianer überzeugt. Auch Commerzbank-Analyst Markus Wallner geht davon aus, dass die Gewinne der Dax-Unternehmen angesichts der soliden Auftragslage im ersten Quartal weiter zulegen. Er rechnet mit einem Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erst im zweiten Quartal könnte sich die Japan-Krise – ausgelöst durch Unterbrechungen der Lieferketten – dann kurzfristig in den Gewinnen niederschlagen. Im Schlussquartal hatten sich die Gewinne der Dax-Konzerne mit rund 22 Milliarden Euro laut Wallner weiter den Rekordniveaus vor der Krise angenähert.

Also alles "business as usual"? Die Analysten der Helaba sind skeptisch. Sie sind überzeugt, dass die Konjunkturstimmung ihren Höhepunkt erreicht hat, und die Unternehmensgewinne im laufenden Jahr bestenfalls stagnieren werden. Angesichts der aller Wahrscheinlichkeit nach bevorstehenden Zinswende durch die EZB könnten Aktien empfindlich reagieren - und die Zwischenerholung des Aktienmarktes an seine Grenzen stoßen.

Weitere Hiobsbotschaften könnten die Anleger in Form der EU-Schuldenkrise ereilen. Zwar konnte der zu Ende gehende Gipfel zur Euro-Stabilisierung die Erwartungen der Marktteilnehmer im Großen und Ganzen erfüllen. Die Zweifel an der Zahlungsfähigkeit klammer Euro-Staaten hat der Diskussions-Marathon jedoch nicht aus dem Weg geräumt. Stattdessen mussten sowohl Griechenland als auch Portugal weitere Herabstufungen ihrer Bonitätsnoten hinnehmen. Vor allem auf das durch die Regierungskrise gebeutelte Portugal wächst der Druck: Nach Bekanntwerden des drohenden Abstieges aus der ersten Liga der Rating-Tabelle sowie des nach oben korrigierten Haushaltsdefizits wird immer wahrscheinlicher, dass sich das Land unter den Euro-Rettungsschirm wird flüchten müssen.

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