Dax-Ausblick
Die Fed wird zum Unruhestifter

In der abgelaufenen Woche sorgte EZB-Präsident Mario Draghi für ein kleines Kursfeuerwerk. Doch Experten bezweifeln, dass es so schwungvoll weiter geht. In der neuen Woche könnte die Fed die Märkte wieder verunsichern.

DüsseldorfWas für eine Börsenwoche! Bis auf 10.800 Punkte kletterte der Dax. Mehr als sechs Prozent hat der deutsche Leitindex damit in der vergangenen Woche zugelegt. EZB-Präsident Mario Draghi löste mit nur einem Satz ein kleines Kursfeuerwerk aus. „Der EZB-Rat ist gewillt und in der Lage zu handeln, indem er alle Instrumente nutzt”, hatte er gesagt und der Dax hob ab. Für manchen Marktteilnehmer war das bereits der Startschuss für die Jahresendrally.

Super Draghi, wie der EZB-Chef scherzhaft genannt wird, hatte am Donnerstag angekündigt, bei der Ratssitzung der Zentralbank im Dezember werde geprüft, ob die Geldpolitik die Konjunktur ausreichend ankurbelt. Aus Sicht vieler Experten sind weitere expansive Maßnahmen damit so gut wie sicher. Seit März pumpen die EZB und die nationalen Notenbanken Monat für Monat rund 60 Milliarden Euro in das Finanzsystem. Bis September 2016 ist so ein Gesamtumfang von 1,14 Billionen Euro vorgesehen.

Das billige Geld, mit dem die Notenbanken rund um den Globus die Märkte seit Jahren fluten, floss vor allem in Aktien. Kein Wunder, dass die Freude der Börsianer über eine mögliche Ausweitung der Geldschwemme im Euro-Raum groß war. Doch sie könnte in der neuen Handelswoche schnell verpuffen. „Vor dem US-Zinsentscheid am Mittwoch dürften die Investoren lieber auf Nummer sicher gehen und Kasse machen“, befürchtet NordLB-Analyst Tobias Basse. „Die Unsicherheit über das Vorgehen der Fed ist einfach zu groß.“

Klar ist: Fed-Chefin Janet Yellen schlägt einen ganz anderen Weg ein als Draghi. Sie will die Geldpolitik in den USA deutlich straffen. Eine Zinswende in diesem Monat halten viele Experten nach zuletzt eher enttäuschenden Konjunkturdaten allerdings für unwahrscheinlich.

Ebenfalls ungewiss ist, ob die Fed die letzte Möglichkeit in diesem Jahr nutzt und die Zinsen Mitte Dezember erhöht. „Die Kommunikation der US-Notenbank verläuft in den letzten Wochen zusehends unkoordiniert und widersprüchlich“, urteilt Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner. Viele Börsianer sehnen sich eine Entscheidung der Fed inzwischen dringend herbei: Die Ungewissheit über den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung sorge schließlich schon seit Wochen für Unruhe am Markt, sagte ein Händler. Und Ungewissheit mögen Börsianer bekanntlich gar nicht.

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