Dax-Ausblick Die Furcht vor dem September

Herbststurm statt Spätsommer: Der September gilt als schwierigster Börsenmonat. Dieses Mal haben Anleger auch Grund zur Unruhe. Vor allem der starke Euro gilt als Belastung. Richten soll es EZB-Präsident Mario Draghi.
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Von dem EZB-Präsidenten erwarten Anleger weitere Hinweise zur Geldpolitik. Quelle: Reuters
Mario Draghi

Von dem EZB-Präsidenten erwarten Anleger weitere Hinweise zur Geldpolitik.

(Foto: Reuters)

Der September wird wohl seinem Ruf als schwierigster Börsenmonat auch in diesem Jahr wieder gerecht. Gleich eine ganze Reihe von Herausforderungen könnte den Aktienmarkt belasten: So trübt vor allem der Blick in die USA die Stimmung. Nicht nur steht der schwelende Konflikt mit Nordkorea im Raum, nach der Sommerpause droht den Vereinigten Staaten sogar der Regierungsstillstand. All das hat in den vergangenen Wochen den Dollar geschwächt und den Euro wieder zum Gewinner gemacht. Doch genau das ist Anlegern hierzulande ein Dorn im Auge.

Mit Spannung warten sie daher schon auf die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag. Die zentrale Frage ist zwar: Wann steigt die Notenbank aus ihren Anleihekäufen aus? Aber Experten rechnen auch damit, dass EZB-Präsident Mario Draghi etwas zum starken Euro sagen wird.

Die größten Anleihe-Deals aller Zeiten
Platz 13: France Télécom - heute Orange
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Die Anleiheplatzierung über 16,4 Milliarden Euro von France Télécom liegt mehr als anderthalb Jahrzehnte zurück – der Bondverkauf vom 6. März 2001 ist aber bis dato der größte Deal am Anleihemarkt eines Unternehmens aus dem Euro-Raum. Seinerzeit war es sogar die weltweit größte Unternehmensanleihe. Grund für den Kapitalhunger der Franzosen war die Refinanzierung der teuren UMTS-Lizenzen und die Übernahme des Mobilfunkkonzerns Orange. Im Sommer 2013 hat sich France Télécom in Orange umbenannt. Wie alle Mega-Anleihen gab es dabei verschiedene Tranchen mit verschiedenen Laufzeiten. Dazu sammelten die Franzosen das Geld in verschiedenen Währungen – Dollar, Euro und Britischem Pfund – ein.

Quelle: Dealogic

Platz 12: Roche
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Das Schweizer Pharmaunternehmen Roche begab acht Jahre nach France Télécom einen Mega-Bond und sammelte am 18. Februar 2009 16,5 Milliarden Dollar mit einer Anleihe ein. Damit refinanzierte Roche einen Teil der Komplettübernahme der US-Tochter Genentech.

Quelle: Dealogic

Platz 11: Amazon
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16 Milliarden Dollar hat sich der Online-Händler am 15. August 2017 geliehen. Das Geld braucht der Konzern, um den Brückenkredit für die Übernahme von Whole Foods Markets zu refinanzieren. Amazon teilte den Bond in sieben verschiedene Laufzeiten von drei bis 40 Jahren auf. Die Zinskupons variierten zwischen 1,9 für die drei- und 4,25 für die 40jährige Tranche.

Quelle: Bloomberg

Platz 10: AbbVie
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Am 5. Mai 2015 lieht sich der US-Pharmakonzern AbbVie auf einen Schlag 16,7 Milliarden Dollar bei Anleiheinvestoren. Zuvor hatte der Pharmakonzern 21 Milliarden Dollar gezahlt, um den Spezialanbieter Pharmacyclics zu übernehmen.

Quelle: Dealogic

Platz 9, Teil 1: Microsoft
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Der US-Konzern hat am 30. Januar die größte Anleihe des Jahres 2017 begeben. Der Softwaregigant begab Bonds in sieben verschiedenen Dollar-Tranchen über zusammen 17 Milliarden US-Dollar. In der Liste der Top-Ten der größten Bond-Emissionen taucht Microsoft damit gleich zweimal auf. Anleihen über 17 Milliarden Dollar haben aber auch noch zwei weitere US-Unternehmen begeben.

Quelle: Dealogic

Platz 9, Teil 2: Medtronic
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Der amerikanische Medizintechnikkonzern Medtronic hatte 2014 die irische Covidien für 43 Milliarden Dollar übernommen. Einen Teil davon refinanzierte Medtronic am 1. Dezember 2014 mit einer Mega-Anleiheplatzierung über insgesamt 17 Milliarden Dollar.

Quelle: Dealogic

Platz 9, Teil 3: Apple
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Auch Apple holte sich auf einen Schlag 17 Milliarden Dollar am Anleihemarkt, und zwar am 30. April 2014. Das war damals die größte Bond-Emission. Der iPhone und iPad Konzern brauchte das Geld aber nicht für eine Übernahme, sondern um die Dividende zu erhöhen und Aktien zurückzukaufen. Dabei diente die Bond-Emission als Steuersparmodell. Der Grund: Apple hatte Barreserven von 145 Milliarden Dollar, von denen 102 Milliarden Dollar außerhalb der USA kurzfristig geparkt waren. Bei einer Überweisung dieser Gelder in die USA wären Steuern fällig geworden.

Quelle: Dealogic

Ein klares Signal in Richtung Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm oder gar einen Beschluss dürfte es kaum geben, meint Commerzbank-Ökonom Michael Schubert: „Aber EZB-Präsident Mario Draghi wird vermutlich erstmals andeuten, dass die Notenbank 2018 weniger Anleihen kaufen wird als bisher.“ Aktuell erwirbt die EZB Anleihen im Volumen von 60 Milliarden Euro im Monat.

DZ Bank-Analyst Hartmut Preiß sieht die EZB jedoch auf einer schwierigen Gratwanderung: Auf der einen Seite sei eine Modifikation der Anleihekäufe unvermeidbar. Auf der anderen Seite liege die Inflationsrate in der Euro-Zone immer noch auf einem niedrigen Niveau. „Wir gehen davon aus, dass die EZB spätestens auf der Sitzung am 26. Oktober 2017 anstehende Änderungen des Kaufprogramms bekanntgeben wird.“

Am Donnerstag gar nichts zu machen, das ist wohl keine Option für Draghi, wie Schubert meint. Laut Protokoll der vergangenen Sitzung hatten Ratsmitglieder schon da vor einem zu langen Hinauszögern notwendiger Anpassungen gewarnt, da diese zu „einer ausgeprägten Volatilität an den Finanzmärkten“ führen könne, wenn die Kommunikation dann doch noch geändert würde.

Daher dürfte der Notenbankchef wohl auch etwas zum Euro sagen: „Wenn Draghi nächste Woche unbesorgt klingt, würde der Euro wahrscheinlich weiter aufwerten, und das würde das Risiko erhöhen, dass der Rat kostspielige geldpolitischen Gegenmaßnahmen beschließen müsste“, meint Marco Valli, Volkswirt von Unicredit.

Um die starke europäische Gemeinschaftswährung haben sich zuletzt auch Aktienstrategen verstärkt Gedanken gemacht. Der Wechselkurseffekt werde die Unternehmensergebnisse im dritten Quartal jedoch wohl insgesamt weniger belasten als die jüngste Aufwertung des Euro suggerieren mag, meint Commerzbank-Aktienexperte Markus Wallner. Zwar habe der Euro seit Jahresbeginn gegenüber dem Dollar deutlich aufgewertet. In der vergangenen Woche hat er zeitweise sogar die Marke von 1,20 Dollar überschritten.

Da der Euro aber zuvor abgewertet hatte, liege der Durchschnittskurs von Juli und August nur ungefähr fünf Prozent über dem Durchschnitt des dritten Quartals 2016. „Nichtsdestotrotz sollte der stärkere Euro die Ergebnisse einiger Dax-Unternehmen wie Fresenius, Infineon und Continental spürbar belasten“, betont Wallner. Bereits im August hat der starke Euro daher den deutschen Aktienmarkt gebremst. Der deutsche Leitindex verlor insgesamt 0,5 Prozent.

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