Dax-Ausblick: Die große Angst vor dem „Boom-Bust“

Dax-Ausblick
Die große Angst vor dem „Boom-Bust“

Die Börsen im Krisenmodus – in der vergangenen Woche ging es mit dem Dax schon wieder kräftig abwärts. Die Angst vor einer globalen Rezession ist groß. Zu groß vielleicht? Und welche Gefahr geht von den Banken aus?

DüsseldorfAn den Märkten regiert die nackte Angst. Nichts wie raus aus Aktien und rein in vermeintlich sichere Häfen, lautet die Devise an der Börse. Und daran dürfte sich auch in der kommenden Woche nicht allzu viel ändern. „Risikovermeidung scheint momentan oberstes Anlegergebot zu sein“, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank. „Der Dax bewegt sich seit seinem Zwischenhoch Ende November in einem Bärenmarkt.“

Fast 20 Prozent hat der deutsche Leitindex allein seit Jahresbeginn verloren. Allein in der vergangenen Woche ging es wieder 4,5 Prozent abwärts. Gold hingegen scheint für viele Investoren auf einmal wieder ein sicherer Hafen zu sein. Seit Anfang Januar ist der Preis für das gelbe Edelmetall um gut 17 Prozent auf mehr als 1230 US-Dollar gestiegen. Das Sicherheitsbedürfnis der Anleger so stark ausgeprägt, dass sie sogar negative Renditen für Bundesanleihen bis zur Laufzeit von acht Jahren in Kauf nehmen. Der Bund Future hat erneut Allzeithochs erklommen. „Die Verunsicherung zeigt sich auch darin, dass der von der Liquiditätspolitik der EZB eingeleitete Gleichlauf steigender Aktien- und Anleihekurse seit 2009 beendet ist“, so Halver.

An den Finanzmärkten geht die Rezessionsangst um: Anleger werten den rasanten Ölpreis -Verfall, die Abkühlung der chinesischen Konjunktur und die schwächelnde US-Wirtschaft als Vorboten einer neuen Krise. Dies schürt Experten zufolge Spekulationen auf wachsende Kreditausfälle und ein Schieflage des Bankensektors. Der europäische Banken-Index brach allein in der vergangenen Woche um mehr als sieben Prozent ein.

Die Deutsche Bank büßte fast zehn Prozent ein, obwohl es Freitag fast zehn Prozent aufwärts ging. Bankchef John Cryan hat angekündigt Anleihen zurückzukaufen, um die Investoren zu beruhigen. Das ist auch bitter nötig. Seit Jahresbeginn hat die Aktie der Bank gut 40 Prozent nachgegeben. Die Angst vor einer neuen Bankenkrise ist allgegenwärtig. „Nicht wenige Marktteilnehmer ziehen Parallelen zur Situation im Jahr 2008 - mit vergleichbaren Auswirkungen auf die Aktienmärkte“, sagt Carsten Klude vom Bankhaus MM Warburg. Aus seiner Sicht hat der Dax seine Talsohle noch nicht durchschritten.

Aktienstratege Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank warnt, dass selbst auf den ersten Blick positive Konjunkturdaten – und davon gibt es in der kommenden Woche einige – den Börsen nicht unbedingt Auftrieb geben werden. „Investoren suchen derzeit verstärkt nach dem Haar in der Suppe.“ Um dieser Abwärtsspirale zu entkommen, ist dem Commerzbank-Analysten Michael Leister zufolge ein Eingreifen der Zentralbanken notwendig. „EZB-Präsident Mario Draghi könnte im Rahmen seiner Anhörung vor dem EU-Parlament am Montag ein solches Signal abgeben“, sagt er. Allerdings sei mit einer konkreten Maßnahme vorerst nicht zu rechnen.

Die Lage ist extrem angespannt und vieles wird überinterpretiert. Fehlerhafte Annahmen führen zu starken Bewegungen an den Finanzmärkten, warnt Lukas Daalder, Chief Investment Officer von Robeco Investment Solutions. Dies könnte sich auf die Realwirtschaft übertragen. Wenn nicht bald wieder der gesunde Menschenverstand einkehre, seien Finanzmärkte in Gefahr „sich selbsterfüllende Auswirkungen“ zu schaffen, die letztlich zu weiteren Kursverlusten führen könnten. „Die schlechteste Januar-Performance an den Aktienmärkten seit vielen Jahren basierte auf fehlerhaften Annahmen über China, Öl und den Hochzins-Anleihemarkt. Dies könnte zu einer ‚Boom-Bust‘-Angst führen, die die Dinge noch schlimmer macht“, fürchtet Daalder. Entwicklungen an den Finanzmärkten könnten sich quasi verselbstständigen und auf die Realwirtschaft übertragen. „Wir reden nicht über die Vermögensverluste durch die Aktienmarktkorrektur – die stehen erst an zweiter Stelle. Das größere Risiko ist ein Kreditereignis, das (vorübergehend) die Kreditmärkte lahmlegen könnte“, so der Robeco-Anlagestratege. Als Auslöser hierfür kämen ein Ölpreiseinbruch oder eine starke und unerwartete Bewegung an den Finanzmärkten infrage.

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Die Märkte sind extrem überverkauft

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