Dax-Ausblick
Die Rally versandet

Erdbeben in Japan, Proteste in Arabien, Schuldenkrise im Euro-Raum - auf den Aktienmarkt prasseln zahlreiche Belastungsfaktoren ein, der Dax gibt kräftig nach. Nun rücken Konjunkturindikatoren in den Fokus der Anleger.
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Frankfurt/DüsseldorfDer deutsche Leitindex hat in der vergangenen Woche seine Korrekturphase fortgesetzt. Allein am Freitag verlor der Index 1,16 Prozent, im Wochenverlauf waren es nahezu drei Prozent. Mit 6.981 Punkten notiert der Dax erstmals seit dem 12. Januar wieder unter der psychologisch wichtigen Marke von 7.000 Punkten.

Und auch in der neuen Woche dürften die Nervosität und damit die Kursschwankungen hoch bleiben, prognostizieren die Analysten der Landesbank Berlin. Ein Aktienhändler ergänzt: „All das lässt die Anleger nicht gerade zuversichtlich in die Zukunft schauen.“ Aktienstratege Andreas Hürkamp von der Commerzbank ist davon überzeugt, dass die Konsolidierung am Aktienmarkt bis Mitte April anhalten könnte. Doch laut Hürkamp habe der Dax „das Schlimmste bereits überstanden.“ Er gehe davon aus, dass Anleger spätestens bei einem Niveau von 6.800 Punkten wieder einsteigen.

Im außerbörslichen Handel beim Broker Lang & Schwarz fiel der Leitindex am Sonntagnachmittag um 1,6 Prozent oder 112 Punkte auf 6.869 Zähler.

Neben den anhaltenden Protesten in Arabien und der an Brisanz gewinnenden Schuldenkrise im Euro-Raum hat am Freitag vor allem das verheerende Beben in Japan die Aktienmärkte rund um den Globus belastet. Die genauen Ausmaße der Katastrophe, die sich um 14.45 Uhr Ortszeit ereignete, sind nach wie vor unklar. Am Freitagnachmittag war von mehreren Hundert Toten die Rede, doch die Zahlen steigen minütlich. Zudem ist die Lage im beschädigten Atommeiler Fukushima Daiichi weiter brisant, die japanische Regierung hat zum ersten Mal in der Geschichte des Landes den atomaren Notstand ausgerufen. Noch ist nicht absehbar, welche Folgen das Beben für Japan - und die Finanzmärkte haben wird.

In Europa gerieten vor allem die Aktien der Rückversicherer Münchener Rück, Hannover Rück und Swiss Re unter Druck. Am Dienstag kommt die Bank of Japan zu einer regulären Sitzung zusammen, nachdem sie bereits angekündigt hatte, alles Notwendige zur Stabilisierung des Zahlungsverkehrs zu tun. „Japan wird auch in der kommenden Woche ein Thema am Markt bleiben“, sagte Marktstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. „Die Bank of Japan kann aber nicht viel machen, denn selbst wenn sie Geld in den Markt pumpt, wirkt das erst mittel- bis langfristig.“ Die Regierung sei im Grunde in der Pflicht, ein Wiederaufbau-Programm zu starten.

Neben dem Beben in Japan dürfte die Lage in Nordafrika und am Persischen Golf für Beunruhigung sorgen. Im Ölförderland Libyen lieferten sich Anhänger und Gegner von Machthaber Muammar Gaddafi auch am Freitag weiter heftige Gefechte. Proteste gab es auch in Städten der wichtigen Erdölexporteure Saudi-Arabien und Kuwait. Die Sorge um einen dramatischen Anstieg des Ölpreises und mögliche Lieferengpässe hatte unter anderem die Titel von Fluggesellschaften wie Lufthansa und von Autobauern belastet.

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