Dax Ausblick: Die Zeit der Bullen ist vorbei

Dax Ausblick
Die Zeit der Bullen ist vorbei

Die Rally der vergangenen Monate scheint erst einmal vorbei. Eine Korrektur sei überfällig, warnen Marktteilnehmer. Jetzt warten Anleger gespannt auf Konjunkturdaten aus den USA.
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Pünktlich zur Fastenzeit scheint es auch am Aktienmarkt vorbei zu sein mit der Völlerei. Seit Wochenmitte hat der Dax kaum noch zugelegt, nachdem er seit Jahresbeginn um 1000 Punkte nach oben geschnellt war. In den vergangenen fünf Tagen hat der Leitindex gerade noch ein Plus von 0,1 Prozent geschafft - eine Woche zuvor war er noch um zwei Prozent gestiegen. Den Freitagshandel beendete der Deutsche Leitindex insgesamt 0,81 Prozent höher bei 6.864 Punkten.

Eine Korrektur sei inzwischen „mehr als überfällig“, kommentiert die Landesbank Berlin. Auch Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB prognostiziert sinkende Kurse. Nachdem der Hype um das zweite Rettungspaket für Griechenland vorbei sei, rückten wieder die Unsicherheitsfaktoren in den Fokus. „Noch ist völlig unklar, wie viele der privaten Gläubiger sich am vereinbarten Anleihetausch beteiligen“, sagt Basse. „Und von daher bleibt es völlig ungewiss, ob Griechenland die Umschuldung womöglich erzwingt.“ Die gesetzlichen Grundlagen für einen solchen Schritt hatte das Parlament in Athen am Donnerstag geschaffen.

Großes Thema am Markt wird wohl die für Mittwoch erwartete gigantische Geldspritze der EZB werden. Zum zweiten Mal können sich Banken der Eurozone zum Niedrigzins von einem Prozent für drei Jahre mit Geld eindecken. Experten sind gespannt, wie viel die Banken abrufen werden - die große Frage ist, ob die 489 Milliarden Euro vom ersten Tender im Dezember übertroffen werden.

Die EZB will mit dieser Aktion die Banken ermutigen, wieder am Staatsanleihenmarkt zuzugreifen und Kredite zu vergeben. „Große Impulse für die Börse erwarte ich allerdings nicht“, sagt Basse. „Um ausreichend Liquidität machen sich Anleger wenig Sorgen, dieser Tender dürfte schon komplett eingepreist sein.“

Potenzial für positive Überraschungen sehen Experten dagegen in den US-Konjunkturdaten. Vor allem der am Donnerstag anstehende ISM-Einkaufsmanagerindex wird mit Spannung erwartet. Aber auch von den Statistiken zu den Auftragseingängen für langlebige Güter und den Verbraucherausgaben erhoffen sich Aktienstrategen neue Hinweise auf eine nachhaltige Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft. „Die US-Wirtschaft arbeitet sich weiter langsam aus dem tiefen Tal heraus“, sagt Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz voraus. „Die Rezession im Euroraum scheint die US-Wirtschaft dabei wenig zu bremsen.“

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  • An welcher Stelle sehen Sie die Verbindung zwischen Schulden und Finanzmärkten?
    Kredite und Gier trieben den Bullenmarkt für Aktien. An den Schulen wurde dagegen gelehrt: Die Hausse ist eine natürliche Folge der erfolgreichen Unternehmensführung. Deshalb wird es eine böse Überraschung geben, wenn die Kurse auf die Niveaus zum Start der Hausse zurückfallen, was in ähnlichen Situationen immer geschehen ist. Für den Dow-Jones-Index bedeutet das: auf 1000 Punkte. Beim Dax sind das etwa 500 Zähler. Kurz: Weniger als ein Zehntel der heutigen Werte.
    "Die Globalisierung wird teilweise rückgängig gemacht", meint Malik.

    Das erscheint aus heutiger Sicht unmöglich…
    Die Krise als solche erschien der Mehrheit als unmöglich. Ich erwarte eine Fortsetzung des Finanzmarktkollapses. Falls nicht revolutionär neue Methoden eingesetzt werden, wird die Folge wahrscheinlich die größte deflationäre Depression der Geschichte sein. Das bedeutet einen massiven Rückgang der Wirtschaftsleistung und daher auch der Steuereinnahmen. Es folgt eine Kette von Bankenpleiten und Staatsbankrotten. Sicher ist, dass Unternehmer in so einem Umfeld nicht mehr investieren werden. Den Tiefpunkt erwarte ich 2015 oder 2016. Dann wird die Wirtschaftsleistung 30 bis 50 Prozent niedriger sein als heute. Ich erwarte gleichzeitig einen tiefgreifenden Wertewandel, unter anderem wird der neoliberale Egoismus von einem neuen Gemeinsinn abgelöst.

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/boerse-inside/fredmund-malik-im-interview-es-droht-eine-teuflische-abwaertsspirale/6255962.html

  • Wenn Krieg im Anmarsch ist, lohnen sich vielleicht Aktien im Rüstungssektor? Oder ist das zu kurz gedacht?

  • Also, ich mache mir langsam Sorgen. Erstens sucht der Iran verzweifelt nach einem ausländischen Aggressor, um innenpolitisch das Volk wieder zu einen. Und es scheint, dass die dämlichen Israelis tatsächlich darauf anspringen. Und zweitens habe ich nach einem Aufenthalt in Shanghai im Dezember wirklich Sorgen wegen der gigantischen Immobilienblase in China, glaube aber, dass die erst nächstes Jahr platzt. Daher halte ich derzeit noch meine China-Fonds.

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