Dax-Ausblick
„Einige unangenehme Überraschungen“

Die Euphorie, die zu Jahresanfang die Märkte bestimmte, hat sich verflüchtigt. Jetzt werden die Pessimisten lauter. Sie halten steigende Kurse für „sehr unrealistisch“. Zu den bekannten Problemen kommt eine neue Sorge.
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DüsseldorfSo nah und doch so fern: Dax-Anleger haben seit Wochen die Marke von 10.000 Punkten vor Augen. Aber gereicht hat es für eine fünfstellige Punktzahl bislang noch nicht. Im Moment spricht viel dafür, dass sich daran in der kommenden Woche nichts ändern wird, und wenig für weitere Kursgewinne.

Die gute Laune, die noch zu Beginn des Jahres an den Börsen herrschte, hat sich verflüchtigt. Von seinem Rekord von Mitte Januar bei 9794 Zählern ist der Dax mehr als 100 Punkte entfernt. Die vergangene Woche beendete er mit rund 9.650 Zählern. Zu den bekannten Problemen – die Krise in mehreren Schwellenländern und die schwache Erholung der Industriestaaten – kommt eine neue Sorge hinzu: Die Gewinne der Unternehmen fallen geringer aus als gedacht. Analysten mussten zuletzt ihre Erwartungen reihenweise korrigieren. Im vergangenen Quartal senkten sie für 105 der 160 Unternehmen in Dax, MDax, TecDax und SDax ihre Gewinnschätzungen.

„Wir vertreten die Meinung, dass nach der mehrjährigen Aufwärtsbewegung die Zeit für eine größere Konsolidierungsphase reif geworden ist“, schreiben die Experten der DZ Bank. „Den Dax-Anstieg der vergangenen Monate mit unverändertem Tempo fortzuschreiben, ließe sich nur rechtfertigen, sollten auch die zukünftigen Unternehmensgewinne in ähnlichem Ausmaß ansteigen. Dies ist vom heutigen Standpunkt aus eine sehr unrealistische Annahme.“

Nach dem Abschluss der Berichtssaison zum vierten Quartal kommen erst einmal für mehrere Wochen keine neuen Nachrichten von den Unternehmen – und damit keine neuen Impulse für den Dax. Erst ab Mitte April kommen dann die Zahlen, die Aufschluss über den Jahresauftakt geben werden. Spätestens dann ist klar, wie sich die Währungsturbulenzen in den Schwellenländern in den Unternehmensbilanzen niederschlagen. Die DZ Bank rechnet damit, dass es „einige unangenehme Überraschungen“ geben wird.

Auch die Commerzbank geht davon aus, dass die Rally beim Dax ins Stocken gerät. „Wir gehen davon aus, dass fallende Dax-Gewinnerwartungen und Sorgen um die Emerging Markets die Aktienmärkte zunächst weiter bremsen werden“, schreibt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Vieles spreche dafür, dass sich die Aktienmärkte in diesem Jahr ähnlich entwickeln wie in den Jahren 2004 und 2011, nämlich von Januar bis zum Herbst seitwärts. Dem Dax könnten im Börsenjahr 2014 durchaus auch „ein oder zwei Korrekturen von mehr als zehn Prozent“ drohen, so Hürkamp.

In den USA stellen sich die Anleger ebenfalls auf härtere Zeiten ein. Einer der prominentesten Spekulanten setzt eine große Summe auf fallende Kurse: George Soros hat rund 1,3 Milliarden Dollar in einen Short ETF gesteckt, mit dem er von sinkenden Kursen profitieren würde. Das geht aus Pflichtmitteilungen an die Börsenaufsicht zum vierten Quartal 2013 hervor, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurden. Mittlerweile kann sich die Summe schon wieder geändert haben. Ein starkes Signal ist die Spekulation in jedem Fall.

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