Dax-Ausblick
„Entspannung erst unter 12.000 Punkten“

Spekulationen über eine Straffung der Geldpolitik im Euroraum dürften auch in der kommenden Woche für hohe Nervosität an den Börsen sorgen. Auf kurze Sicht sollten Anleger daher nicht zu optimistisch werden.
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FrankfurtEs sind vor allem anhaltende Spekulationen über die künftige Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die Anleger auch in der nächsten Woche in Atem halten dürften. Seit der Ende Juni gehaltenen Rede Mario Draghis im portugiesischen Sintra herrscht Aufruhr an den Börsen. Marktbeobachter rätseln immer noch, ob sich aus den Äußerungen des EZB-Präsidenten ein nahes Ende der bisherigen Liquiditätsflut ableiten lässt – einem maßgeblichen Treiber der langjährigen Aktienhausse. Die Stimmung ist gekippt. Investoren halten sich mit Käufen zurück. Die wichtigsten Leitindizes in Europa befinden sich im Rückwärtsgang.

Das deutsche Börsenbarometer Dax, das vor kurzem noch unmittelbar vor dem Sprung über die nächste Tausendermarke stand, hat zeitweise bis zu vier Prozent eingebüßt – und stoppte seine Talfahrt vorerst bei deutlich unter 12.400 Punkten. Die Idee eines Politikwechsels halte zwar einem Realitätscheck nicht stand, allerdings könne sie noch tagelang durch den Markt spuken, warnt Commerzbank-Stratege Lutz Karpowitz.

Investoren werden sich daher Experten zufolge auch in den kommenden Tagen vor allem weiter mit der Geldpolitik beschäftigen. Nicht nur in Europa, sondern auch in den USA, wo ebenfalls Unsicherheit über das künftige Tempo des dort eingeschlagenen Straffungskurses besteht. Bei der Europäischen Zentralbank steht bereits die nächste Zinssitzung am 20. Juli im Fokus der Investoren. Jede noch so kleine Äußerung von Währungshütern dürfte daher im Vorfeld auf Hinweise über ein mögliches Zurückfahren der monatlichen Wirtschaftsstimuli in Milliardenhöhe abgeklopft werden.

In den USA dagegen tritt Notenbankchefin Janet Yellen am Dienstag und Mittwoch vor den Kongress. Anleger erhoffen sich neue Erkenntnisse darüber, ob die US-Zentralbank Fed an ihrer bisher kommunizierten Strategie zum Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik festhält - oder ob die zuletzt schwachen Inflationszahlen für ein langsameres Vorgehen sprechen. Analysten erwarten mehrheitlich, dass sie ihre Bereitschaft zu einer weiteren Straffung bekräftigt. Begründen dürfte Yellen ihre Haltung nach Einschätzung des Commerzbank-Strategen Bernd Weidensteiner vor allem mit dem brummenden Jobmotor. Argumentieren könnte sie zudem erneut mit den Risiken von Übertreibungen an den Finanzmärkten, falls die Fed ihre Liquiditätsflut nicht weiter eindämmt.

Zudem stehen wichtige US-Konjunkturdaten an, von denen sich die Anleger ebenfalls Hinweise auf Zeitpunkt und Tempo der geplanten Zinserhöhungen erhoffen. So legt die Fed am Mittwoch ihren Konjunkturbericht (Beige Book) vor. Am Freitag konzentrieren sich Investoren auf die Einzelhandelsumsätzen für Juni und die neusten Verbraucherpreisdaten.

Auf Seite der Inflationstreiber in den USA stehen nach Einschätzung der BayernLB einer insgesamt robusten Lohnentwicklung rückläufige Importpreise gegenüber. Entsprechend dürfte die monatliche Kernteuerung nur leicht zum Vormonat zugelegt und sich die Jahresrate auf 1,7 Prozent gehalten haben. Solche Zahlen erschwerten der Fed die Entscheidung für einen weiteren Straffungsschritt und ließen eine erneute Zinsanhebung bereits im Juli noch unwahrscheinlicher als bisher erscheinen.

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