Dax-Ausblick
Hohe Erwartungen, große Enttäuschung?

Schafft der Dax die 10.000 Punkte? Gut möglich, aber auch ziemlich egal. Die künftige Kursentwicklung hängt nicht von runden Zahlen ab – sondern von dem, was am kommenden Donnerstag passieren wird.
  • 0

DüsseldorfDer Dax steht kurz vor der 10.000-Punkte-Marke. Noch nie notierte der Aktienindex so hoch. Aber keine Sorge, nun folgt keine Abhandlung über die Magie der runden Zahl. Die Marke ist schön für die Statistik, mehr aber auch nicht. Was kommt wohl nach der 10.000? Die 10.001, sagen Spötter.

Wirklich entscheidend für die Finanzmärkte wird das sein, was am kommenden Donnerstag passiert. Zugegeben, auch das ist keine besonders originelle Prognose. Denn schon im Vorfeld ist jede Menge über die anstehende Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) geschrieben worden.

Dafür haben die Zentralbanker um EZB-Chef Mario Draghi selbst gesorgt. Sie haben in letzter Zeit kaum einen Tag ausgelassen, um zu erklären, warum es bald noch mehr billiges Geld von der Notenbank geben wird. Die Inflationsrate ist der EZB zu niedrig, die Kreditvergabe durch Banken zu gering und damit das Wachstum in Europa zu schwach. Der Euro wiederum ist den Währungshütern zu stark.

Es besteht kein Zweifel mehr, dass die Notenbank etwas dagegen unternehmen wird. „Die EZB wird alles tun, was möglich ist“, bekräftigte Draghi in der vergangenen Woche bei einer Konferenz im portugiesischen Sintra. Zuvor hatten bereits andere führende Notenbanker klar gemacht, dass die EZB am kommenden Donnerstag ein ganzes Bündel von Maßnahmen verkünden wird.

Auch wenn alle schon damit rechnen, dass etwas passiert, bleibt die Spannung groß. Denn wichtige Fragen bleiben offen: Welche Maßnahmen wird die EZB beschließen? Und was bedeutet das für Anleger?

Die EZB zielt mit ihren Maßnahmen zwar nicht direkt auf die Börsen, beeinflusst diese jedoch indirekt umso stärker. Wenn die Zentralbank noch mehr Geld locker macht, wäre weiterhin genug Liquidität vorhanden, um die Rally an den Finanzmärkten am Leben zu halten. In dem Fall wäre für den Dax bei 10.000 Punkten noch nicht Schluss.

„Ein Dax bei 10.000 Punkten ist fundamental durchaus gerechtfertigt“, sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. „Denn der Dax profitiert als ein Gewinner der selektiven Vermögenspreisinflation weiterhin von der expansiven Geldpolitik.“ Allerdings könnten nach der EZB-Sitzung wieder die Risiken in den Vordergrund rücken: das schwächere Wachstum in Russland und China, die fallenden Unternehmensgewinne und die Reduzierung der Anleihekäufe durch die Fed. Daher sollten Investoren in den kommenden Wochen teilweise Gewinne mitnehmen, rät Hürkamp.

Seite 1:

Hohe Erwartungen, große Enttäuschung?

Seite 2:

Draghi spielt mit der Fantasie

Kommentare zu " Dax-Ausblick: Hohe Erwartungen, große Enttäuschung?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%