Dax Ausblick: Im Fegefeuer der Zentralbanken

Dax Ausblick
Im Fegefeuer der Zentralbanken

Die Notenbanken werden auch in der neuen Woche den Takt vorgeben. Geldprofis befürchten aber, dass sie ihr Pulver schon verschossen hätten. Womit Anleger rechnen müssen.

DüsseldorfNach der spektakulären Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) spielen die Börsenprofis die Szenarien durch: Da wäre zunächst das so genannte „All in“. Der Begriff stammt eigentlich aus dem Poker und bedeutet: Der Spieler setzt alles was er hat auf sein aktuelles Blatt. „Die EZB hat mit der Verkündung ihrer Maßnahmen massiv überrascht und im Prinzip alles auf den Markt geworfen was sie kann“, erklärt Jan Holthusen, Leiter Zins- und Anleihenresearch bei der DZ Bank.

Am Kartentisch ist ein „All in“ natürlich mit beträchtlichen Risiken verbunden. Zumindest, wenn der Spieler sich nicht sicher ist, das er ein wirklich gutes Blatt hat. Und wenn die anderen Spieler einen möglichen Bluff durchschauen und gegenhalten. „Die EZB geht technische und politische Risiken ein“, erklärt Holthusen.

Die technischen Risiken lägen in einer ausreichenden Verfügbarkeit von Staatsanleihen auf dem Markt. Politische Risiken sind der direkte Eingriff der Notenbanker in das Wirtschaftsgeschehen, etwa mit dem Kauf von Unternehmensanleihen. „Die EZB nimmt in Kauf, Marktblasen zu erzeugen, wenn die Liquidität in der blutleeren konjunkturellen Entwicklung nicht in die Realwirtschaft findet“, folgert Holthusen.

Ein anderes Szenario, das derzeit unter Geldmanagern die Runde macht, trägt den Namen „End Game“. Dieser Begriff erinnert an ein gleichnamiges Drama von Samuel Beckett. Der Meister des absurden Theaters möchte damit wohl die Aussichtslosigkeit menschlichen Hoffens und Strebens darstellen. Auf die EZB gemünzt bedeutet das „End Game“: Die Notenbanken handeln zwar, haben ihr Pulver aber längst verschossen.

Welche Optionen haben die Zentralbanken noch, falls die Weltwirtschaft nicht anspringt? Das fragt sich etwa Heinz-Werner Rapp, Vorstand beim Analysehaus Feri. „Zentralbanken könnten im Kampf gegen deflationäre Kräfte noch extremere Maßnahmen einsetzen, etwa ein konkretes Inflationsziel ankündigen und durch unlimitierte Geldschöpfung tatsächlich realisieren“, sagt Rapp. Oder als Ultima Ratio sogar eine großvolumige Finanzierung von Staatsschulden starten.

Die Folgen solchen vielleicht sinnlosen Handelns könnten aber prekäre Auswirkungen haben. „Es wäre mit Sicherheit gefährlich für die Nullzins-geprägten Rentenmärkte und viele Währungen, letztlich also ein Todesstoß für das bisherige Finanz- und Währungssystem“, resümiert Rapp.

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Banges Warten auf die Fed

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