Dax-Ausblick

Mehr Bangen als Hoffen

Der schwelende Konflikt zwischen den USA und Nordkorea, dazu der starke Euro: Für den Dax war es eine Woche zum Vergessen. Es ist gut möglich, dass die neue Börsenwoche ähnlich turbulent wird.
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„Wo bleibt die Vernunft beim Goldpreis?“

„Wo bleibt die Vernunft beim Goldpreis?“

Frankfurt„Haben jetzt eigentliche alle den Verstand verloren?“ Das fragt sich Wolfgang Albrecht, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, angesichts des Säbelrasselns zwischen den USA und Nordkorea, das Börsianer in der vergangenen Woche auf Trab hielt und auch in den kommenden Tagen im Fokus der Anleger stehen dürfte.

US-Präsident Donald Trump hat dem kommunistischen Staat für den Fall weiterer Provokationen mit „Feuer und Zorn“ gedroht, wie es die Welt noch nie gesehen habe. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-Un konterte mit dem Verweis auf einen möglichen Präventivschlag auf den US-Militärstützpunkt der Pazifikinsel Guam. Damit heizte er „einen der gefährlichsten Konflikte der Welt an“ meint Albrecht. Trumps Verteidigungsminister James Mattis setzte noch einen drauf und drohte dem Regime Kim Jon-Uns und dem nordkoreanischen Volk mit Vernichtung.

Dabei überwiegt die Hoffnung, dass es beim verbalen Schlagabtausch bleibt. „Hunde, die bellen, beißen nicht“, überschreibt die BayernLB ihren Wochenausblick. Das spiegelt auch die Lage an den Märkten wieder. Für den Dax und andere europäische Börsen war es zwar eine Woche zum Vergessen. Aber dramatisch war der Absturz nicht. Der Dax verlor unter dem Strich 2,3 Prozent. Am Freitag fiel er dabei zwischenzeitlich erstmals seit dem Frühjahr unter die Marke von 12.000 Punkten. Später berappelte er sich aber wieder etwas und schloss bei 12.014 Punkten auf dem Niveau des Vortags. Der Euro Stoxx 50 als Standardwerteindex für die Euro-Zone büßte auf Wochensicht 2,9 Prozent ein. Abwärts ging es auch an den US-Börsen.

Gleichzeitig schichteten wieder etwas mehr Anleger Geld aus Aktien in die mit Blick auf die Rückzahlung sicheren Staatsanleihen, vor allem aus Deutschland und den USA um. Entsprechend fiel die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe erstmals seit Ende Juni wieder unter die Marke von 0,4 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Staatspapiere ging auf 2,20 Prozent zurück. Auch Gold war bei Anlegern wieder gefragter. Mit in der Spitze 2.187 Dollar kostete eine Feinunze (31,1 Gramm) so viel wie zuletzt vor zwei Monaten.

Das wurde im ersten Halbjahr 2017 aus 100.000 Euro
Platz 25: Zucker
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Wie gewonnen, so zerronnen. Im vergangenen Jahr gehörte Zucker mit einem Plus von 28 Prozent zu den lukrativsten Anlageformen, im ersten Halbjahr 2017 machten Investoren aber deutliche Verluste. Der Preis für eine Tonne Rohrzucker brach in New York um mehr als 35 Prozent ein. Zucker wird – wie alle Rohstoffe - in Dollar gehandelt wird. Der zum Euro gefallene Dollar vergrößerte die Verluste für hiesige Investoren noch. Wer Anfang des Jahres einen Terminkontrakt für 100.000 Euro auf Zucker kaufte, hat so jetzt – ohne Transaktionskosten - nur noch 59.740 Euro auf dem Konto. Hauptgrund für den Verfall sind globale Produktionsüberschüsse und wachsende Lagerbestände.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 24: Öl
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Hohe Lagerbestände sind auch ein Grund dafür, dass der Ölpreis in diesem Jahr wieder auf Talfahrt gegangen ist. Dazu kommt die steigende Förderung in den USA, nicht nur von traditionellem, sondern auch von aus Schiefergestein gewonnenem Öl. Seit Januar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseeölsorte Brent um 16 Prozent, aus 100.000 in Ölkontrakten angelegten Euro wurden sogar nur 77.520 Euro – ein Minus von 22,48 Prozent. Die seit November vergangenen Jahres geltende Förderbremse der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec) und zehn weiterer Nationen zieht damit nicht. Die USA machen bei den Beschränkungen nicht mit.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 23: Aktien Katar
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Das reichste Land der Welt wird von seinen Nachbarn isoliert. Saudi-Arabien und seine Verbündeten Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain, Ägypten und Jemen warfen Katar Anfang Juni vor, Extremisten zu unterstützen und haben ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Wüstenstaat abgebrochen. Darauf reagierte auch die Börse. Die Verluste des QE-Index in Doha summieren sich so seit Jahresanfang auf 13,5 Prozent, dazu wertete die Landeswährung Katar-Riyal zu Dollar und Euro ab. Von 100.000 in den QE-Index investierten Euro sind so nur noch 79.500 Euro übrig.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 22: Aktien Russland
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Die Erholung der russischen Börse aus dem vergangenen Jahr ist schon wieder zu Ende. 100.000 in den Leitindex Micex investierte Euro schrumpften seit Januar auf 81.200 Euro – ein Verlust, der durch die Abwertung des Rubels noch verstärkt wurde. Hauptgründe für den neuen Einbruch der Börse sind der wieder fallende Ölpreis. Dazu belasten nach wie vor die wegen der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen die russische Wirtschaft.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 21: US-Dollar
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Vor allem am Devisenmarkt zeigt sich, dass die Euphorie um US-Präsident Trump verflogen ist. Die Hoffnungen schwinden, dass er seine angekündigten Steuersenkungs- und Investitionsprogramme zügig durchgesetzt bekommt. Auch die Politaffären rund um FBI und Russland lassen den Dollar schwächeln. Und das nicht nur zum Euro, sondern zu den meisten wichtigen Währungen. Der Euro dagegen legte zu vielen Währungen zu. Die Folge: Aus 100.000 zu Jahresbeginn in den Dollar investierten Euro sind in den ersten sechs Monaten des Jahres nur noch 81.200 Euro geworden, ein Minus von über sieben Prozent.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 20: Aktien Brasilien
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Mit vielen Vorschusslorbeeren war Brasiliens Präsident Michel Temer Ende 2015 ins Amt gestartet. Doch im März kam heraus, dass auch Temer in den seit Jahren schwelenden landesweiten Bestechungsskandal rund um die Konzerne Petrobras (Öl- und Gas), Odebrecht (Bau- und Chemie) sowie JBS (Fleisch) verwickelt ist. Das ernüchterte die Investoren. In Real gerechnet legte der Ibovespa-Index zwar knapp drei Prozent zu, aber der Real wertete deutlich ab. Von 100.000 in den Ibovespa investierten Euro verloren Anleger somit in diesem Jahr 5.595 Euro auf 94.050 Euro.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 19: US-Staatsanleihen
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Für Dollar-Anleger haben sich US-Staatsanleihen besser entwickelt als erwartet. Obwohl die US-Notenbank Fed den Leitzins in diesem Jahr bereits zweimal auf ein Band von jetzt 1,00 bis 1,25 Prozent erhöht hat, stiegen die Kurse von US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit. Das liegt vor allem an den gesunkenen Inflationserwartungen. Quer über alle Laufzeiten erzielten Anleger im ersten Halbjahr mit US-Staatsanleihen so einen Gesamtertrag aus Zinseinnahmen und Kursveränderungen von immerhin gut zwei Prozent. Der Verlust des Dollars zum Euro zehrte diesen Gewinn aber für Euro-Anleger mehr als auf. Aus 100.000 in US-Staatsanleihen investierten Euro bleiben so nur 94.970 Euro übrig.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

An den Märkten gilt: erhöhte Vorsicht. In einen ernsthaften Krisenmodus sind die Börsen aber noch nicht umgeschwenkt. So brachte die letzte größere Korrekturbewegung im Zuge der Sorgen um die chinesische Konjunktur dem Dax im Jahr 2016 Abschläge von mehr als zehn Prozent. Zudem gehen die derzeitigen Abschläge vom Jahreshoch bei Deutschlands Leitindex laut Analysten immer noch hauptsächlich auf „heimische“ Faktoren wie den festen Euro und den Kartellverdacht gegen die großen deutschen Automobilbauer zurück. Sein Jahres- und gleichzeitig Allzeithoch hatte der Dax am 19. Juni bei 12.931 Punkten erreicht. Inzwischen liegt er gut sieben Prozent darunter. An der Wall Street dagegen ging die Rekordjagd in diesem Jahr noch bis zum vergangenen Dienstag weiter. Die großen Indizes liegen nur leicht unter ihren Allzeithochs.

Zeit für Gewinnmitnahmen
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1 Kommentare zu "Dax-Ausblick: Mehr Bangen als Hoffen"

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  • ......alles nur Trallallallalla.....wie ich anderer Stelle.....in diesem Blatt schon schrieb....
    Wieso und warum?
    ...nun....es stellen sich immer wieder die menschlichen Unzulänglichkeiten ein....nur einige davon...
    ..Profil-Neurotik..
    ...jetzt will.... und tu ich auch mal....mit Zündhölzern spielen.....steh jetzt überall drinn....in die Zeitungen von die Welt....runderum um de Kugel...
    ..Dummheit....
    ....es fehlen diesen Protagonisten und Verantwortlichen....ihrer Staaten.... viele viele Wochen + Monate....Nachhilfe-Unterricht....in fast allem....
    was menschlicher Umgang bedeutet....Verantwortung ihrer untergebenen Bevölkerung zeigen ....Konsequenzen sich auszumalen...wenn sie das tun...woran sie denken.....
    politisch verantwortliches Handeln...
    ....die Einheit + und die Gesamtheit der Menschen zu sehen....und sich darin als der jeweilige Staat....einzubetten.....
    ...friedliches Miteinander zu leben.....und so auch zu handeln....
    ....Kontakte zu den Völkern zu halten....diese zu pflegen....und auch durchzuführen....
    man könnte.....unendlich weiter.....mit Schaufel und Gabel.....schürfen....und fördern.....aber dazu reicht hier nicht der Platz.....
    ....es ist einfach entsetzlich....mit welchen "falschen Fufzigern" wir im Moment zu tun haben...aber es ist eben so....und eine Umerziehung dieser Personen ist nicht möglich.....da auch unbelehrbar....und eben....dümmlich....

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