Dax-Ausblick Nach der Bilanzflut

In Deutschland steht die neue Handelswoche ganz im Zeichen der Quartalssaison. Viele Unternehmen berichten über das erste Halbjahr. Die Ergebnisse dürften gemischt ausfallen – mittelfristig nehmen die Risiken sogar zu.
Riesenwelle: Zahlreiche Quartalszahlen stehen im Terminkalender. Quelle: dpa
Riesenwellen an Portugals Küste

Riesenwelle: Zahlreiche Quartalszahlen stehen im Terminkalender.

(Foto: dpa)

FrankfurtAuf den ersten Blick scheint die Welt für Anleger wieder in Ordnung zu sein: Der erste Brexit-Schock ist abgehakt und der Dax steht aktuell sogar höher als vor der Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen. Für einige Analysten ist das aber kein Grund für Optimismus. Denn mittelfristig nehmen ihrer Ansicht nach die Risiken zu.

Die schwächere Konjunktur – die US-Wachstumszahlen am Freitag fielen etwa sehr schwach aus – und die praktisch stagnierenden Gewinnerwartungen werden den deutschen Aktienmarkt bremsen, heißt es etwa bei der Commerzbank.

Denn eine der wenigen Wachstumsquellen für die Dax-Unternehmen war in den vergangenen Jahren das starke Wachstum der deutschen Exporte. Dieses schwäche sich nun aber ab, da der Euro seit Mitte 2015 wieder leicht aufgewertet hat. „Angesichts nun wohl eher rückläufiger nominaler Exporte Richtung USA, Großbritannien und China dürften die Dax-Gewinne in den kommenden Quartalen nur relativ moderat zulegen“, sagt Aktienexperte Andreas Hürkamp.

DZ-Bank-Analyst Christian Kahler sieht die Folgen des Brexits mittelfristig als unmittelbares Risiko für Gewinnschätzungen und Kurse an: „Im Zuge eines sehr schwachen Konjunkturwachstums weltweit, speziell aber auch in der EU, sollten im kommenden Jahr die Unternehmensgewinne bei europäischen Unternehmen kaum wachsen.“ Der momentan vorherrschende Optimismus an den Aktienmärkten wäre daher übertrieben, die Kurse entsprechend rückschlaggefährdet, meint er.

Lufthansa ist Leerverkäufers Liebling

DAX ®

WKN
ISIN
DE0008469008
Börse
Xetra

+28,33 +0,23%
Chart von DAX ®
Dax
1 von 13

Von fallenden Kursen profitieren
Wer an den Wertverfall einer Aktie glaubt, kann mit Leerverkäufen am Kursverfall verdienen. Dazu leihen sich Fonds Aktien, verkaufen diese und hoffen später zu einem günstigeren Kurs Papiere derselben Firma zurückzukaufen. Dann geben sie die dem Verleiher die Aktien zurück. Die Differenz zwischen Kurs bei der Leihe und Kurs beim Kauf für die Rückgabe ist der Gewinn.

Einige Fonds haben sich auf Leerverkäufe spezialisiert wie die Londoner Gesellschaft Marshall Wace. Positionen von mehr als 0,5 Prozent an Leerverkäufen eines Wert müssen im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Derzeit haben es die „Shorties“, wie Leerverkäufer auch genannt werden, vor allem auf folgende deutsche Papiere abgesehen.

Software AG

WKN
ISIN
Börse

Chart von Software AG
Software AG
2 von 13

Bei der Software AG setzen derzeit drei Gesellschaften mit einem Volumen von mindestens 0,5 Prozent der ausgegebenen Aktien auf fallende Kurse: Allianz Global Investors, Blackrock und Marshall Wace.

Unterschreitet eine Netto-Leerverkaufsposition 0,5 Prozent, müssen das die Unternehmen vermelden - doch unter der Schwelle ist der Öffentlichkeit nicht ersichtlich, wie stark die „Shorties“ engagiert sind.

Kumulierte Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,12 Prozent

(Stand aller Angaben: 28. Juli 2016)

SUESS MICROTEC SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A1K0235
Börse
Xetra

-0,06 -0,40%
+14,94€
Chart von SUESS MICROTEC SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Süss MicroTec
3 von 13

Gegenwärtig halten Citadel Investors, JP Morgan Asset Management, Oxford Asset Management und World Quant Leerverkaufspositionen von jeweils 0,5 Prozent oder etwas mehr an dem Spezialmaschinen-Bauer Süss MicroTec.

Kumulierte Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,33 Prozent

FRAPORT AG FFM.AIRPORT.SER.AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005773303
Börse
Xetra

-0,08 -0,09%
+84,90€
Chart von FRAPORT AG FFM.AIRPORT.SER.AG INHABER-AKTIEN O.N.
Fraport AG Frankfurt Airport Services Worldwide
4 von 13

Auch beim Betreiber des Frankfurter Flughafens, Fraport, gibt es vier Fonds mit größeren Short-Positionen. Größter Skeptiker ist Route One Investment Company mit einer Position im Volumen von 0,79 Prozent der Fraport-Aktien.

Kumulierte Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,39 Prozent

BB BIOTECH AG NAMENS-AKTIEN SF 0,20

WKN
ISIN
CH0038389992
Börse
Xetra

-0,35 -0,58%
+60,25€
Chart von BB BIOTECH AG NAMENS-AKTIEN SF 0,20
BB Biotech
5 von 13

Elliott Capital Advisors ist der Dauerskeptiker beim Biotechnologie-Unternehmen BB Biotech. Bei der letzten Mitteilung vom 27. Juli betrug die Short-Position des US-Hedgefonds 2,53 Prozent.

Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,53 Prozent

BILFINGER

WKN
ISIN
DE0005909006
Börse
Xetra

-0,30 -0,82%
+36,44€
Chart von BILFINGER
Bilfinger
6 von 13

Der Baudienstleister Bilfinger kämpft seit Jahren mit sich selbst. Hier hält der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock über eine Tochter ein stattliches Short-Paket im Volumen von 1,41 Prozent der Aktien.

Kumulierte Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,65 Prozent

ELRINGKLINGER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007856023
Börse
Xetra

+0,15 +0,90%
+16,82€
Chart von ELRINGKLINGER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
ElringKlinger
7 von 13

Der Autozulieferer ElringKlinger hat zuletzt mit Gewinnwarnungen für Aufsehen gesorgt, die Aktie fiel auf ein Fünf-Jahres-Tief. Eigentlich kein Wunder, dass dadurch Spekulanten angelockt werden. Mit dabei ist etwa der britische Hedgefonds Marshall Wace mit einer Position im Umfang von 0,62 Prozent.

Kumulierte Leerverkaufspositionen laut Bundesanzeiger: 2,72 Prozent

In den Ergebnissen nach dem ersten Halbjahr dürften sich die Risiken bislang nur eingeschränkt widerspiegeln. Dennoch warten die Anleger gespannt auf die Ergebnisse und Hinweise auf die weitere Entwicklung: Vor allem am Dienstag erwartet sie eine wahre Bilanzflut – unter anderem legen BMW, FMC, Fresenius, Infineon, Vonovia und Metro ihre Zahlenwerke vor.

Auch Commerzbank und Deutsche Lufthansa, die bereits Eckdaten bekannt gegeben hatten, berichtet an diesem Tag ausführlicher. Am Mittwoch folgen Axel Springer, Continental und Deutsche Post, am Donnerstag Beiersdorf, Merck, Pro Sieben Sat 1, Siemens und das komplette Zahlenwerk von Adidas. Die Allianz bildet dann das Schlusslicht am Freitag.

Die bisherigen Ergebnisse bieten Licht und Schatten
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Dax-Ausblick - Nach der Bilanzflut

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%