Dax-AusblickRein in deutsche Standardwerte?

Der Dax hat in der vergangenen Woche einen Rückschlag erlitten. Analysten sehen das aktuelle Niveau als Einstiegschance. Andere hingegen schwören auf US-Aktien. Bei den Bilanzen und Konjunkturdaten bleibt es spannend.

In der neuen Woche dürfte sich der Aktienmarkt vom Kursrutsch erholen dürfen. Analysten glauben langfristig an eine Fortsetzung der Rally. Sie rechnen damit, dass viele Anleger die niedrigeren Kurse nutzen, um ihre Einkaufstour wiederaufzunehmen.

Neue Unsicherheiten rund um die Euro-Schuldenkrise hatten den Dax in der alten Woche um rund drei Prozent gedrückt. Korruptionsvorwürfe gegen Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy und die Furcht vor einem Comeback des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi bei den Wahlen Ende Februar lasteten auf der Stimmung.

„Auch wenn die näher rückenden Wahlen in Italien für Unsicherheit sorgen könnten, sollte die aktuelle Korrektur als Kaufgelegenheit dienen“, zeigten sich indes die Analysten der Landesbank Berlin optimistisch. Aktienstratege Markus Wallner von der Commerzbank riet dazu, vor allem diejenigen konjunkturabhängigen Werte zu bevorzugen, deren Gewinnwachstum überproportional gegenüber zum Gesamtmarkt steigen könnte.

Wallner: „Dies gilt vor allem für Unternehmen, deren Hauptabsatzmärkte sich außerhalb Europas insbesondere in den USA und den asiatischen Schwellenländern befinden, da das Wirtschaftswachstum in Europa weiter hinter dem globalen Wachstum hinterherhinken wird.

Als Beispiele führte Wallner Adidas, BMW, HeidelbergCement und Hochtief an. Die europäischen Sektoren Banken, Telekom und Versorger sollten aus diesem Grund untergewichtet bleiben.

Auf fallenden Dax setzen?

Cyrille Urfer, der bei der Schweizer Bank Gonet über die Portfolio-Struktur wacht, traute den europäischen Börsen angesichts der ermutigenden chinesischen Konjunkturdaten weitere Kursgewinne zu. Aktienhändler Joe Neighbour von Central Markets riet dagegen, auf einen fallenden Dax und einen Anstieg des US-Index S&P 500 zu setzen. „Die Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung der USA sind unübersehbar, während die grundlegenden Probleme der Euro-Zone noch nicht gelöst sind.“

Diskussion um den Euro-Wechselkurs

Wie es in der Euro-Schuldenkrise weitergeht, dürfte am Montag und Dienstag Thema an den Finanzmärkten sein, wenn sich die Finanzminister der Euro-Länder in Brüssel treffen. Auf der Tagesordnung dürfte auch die Diskussion um den Wechselkurs des Euro stehen, die zuletzt insbesondere zwischen Frankreich und Deutschland geführt wurde.

Analyst Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) geht davon aus, dass Aktien nach dem überdurchschnittlich guten Jahresstart zunächst etwas die Puste ausgehen könnte. Der Dax hatte im Januar in der Spitze um mehr als drei Prozent angezogen und Ende des Monats bei 7871,79 Punkten den höchsten Stand des laufenden Jahres erreicht. Bis zum Rekordhoch aus dem Jahr 2007 bei 8151,57 Punkten fehlten nur noch gut drei Prozent.

Nach seiner jüngsten Rally aber zeige der Dax auf kurze Sicht Überhitzungserscheinungen, so der Helaba-Experte weiter. Insgesamt bleibe er positiv gestimmt: „Eine Konsolidierung ist nun durchaus gesund und der geldpolitische Rückenwind spricht mittelfristig für weiter steigende Kurse.“

Hintergrund ist die Aussage des Chefs der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, alles Notwendige tun zu wollen, um den Euro zu erhalten. Seit dieser Ankündigung Ende Juli hat der deutsche Leitindex sechs Monate in Folge zugelegt.

Ob zumindest die Wirtschaft des Währungsraumes wieder Tritt fasst, könnten die Daten zur Industrieproduktion am Mittwoch zeigen. Aus den USA stehen in der kommenden Woche nur wenige Konjunkturdaten an. Lediglich am Freitag könnte mehr Bewegung in den Markt kommen, wenn Zahlen zur Industrieproduktion in der weltgrößten Volkswirtschaft sowie der Empire-State-Index und das von der Universität Michigan ermittelte Verbrauchervertrauen präsentiert werden.

Das große Bild in den USA bleibt ebenfalls spannend. Zumal die Diskussionen um den US-Haushalt wieder zunehmen dürften. „Das politische Grundrauschen dürfte wieder zunehmen“, schrieb Robert Halver von der Baader Bank in seinem Wochenkommentar.

Auf Unternehmensseite stehen in der neuen Woche nur wenige Bilanzen aus der ersten Börsenliga an. Im Fokus der Anleger dürfte unter anderem die Bilanzpressekonferenz der Commerzbank am Freitag stehen. Das Geldhaus hatte zuletzt seine Aktie mit der Verkündung eines 700 Millionen Euro schweren Verlusts im vierten Quartal auf Talfahrt geschickt. Mit einem Minus von acht Prozent hat die Commerzbank in der alten Woche so viel verloren wie kein anderer Dax-Wert.

Zudem legen noch andere Großbanken aus dem Ausland ihre Zahlen vor: Barclays präsentiert sein Ergebnis am Dienstag, Societe Generale am Mittwoch und BNP Paribas am Donnerstag.

Daneben dürften die Zahlen von ThyssenKrupp am Dienstag die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der zuletzt von Skandalen und Verlusten erschütterte Stahlkonzern kündigte am Freitag an, Tausende Stellen zu streichen.

Aus der zweiten deutschen Börsenliga veröffentlichen unter anderem Bilfinger (Montag), Tui (Mittwoch) sowie Aurubis, Gerresheimer und Puma (jeweils am Donnerstag) ihre Bilanzen.

Die Wirtschaftswoche hat die 30 Dax-Werte im vergangenen Oktober gecheckt. Die Ergebnisse im Überblick.

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Verzögerung der Kursdaten: Deutsche Börse 15 Min., Nasdaq und NYSE 20 Min. Keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.