Dax-Ausblick Sommergrippe oder chronische Erkrankung?

Der Dax schwächelt. Nach einem guten ersten Halbjahr machen ihm nun ein starker Euro und die hausgemachten Probleme der Autobauer zu schaffen. Ist das ein vorübergehender Schwächeanfall oder droht eine echte Grippe?
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Der Dax kränkelt - nur eine Sommergrippe oder eine chronische Erkrankung? Quelle: dpa
Schnupfen

Der Dax kränkelt - nur eine Sommergrippe oder eine chronische Erkrankung?

(Foto: dpa)

DüsseldorfSommerlaune will auf dem Frankfurter Parkett nicht so recht aufkommen. In den vergangenen Wochen kränkelte der Dax und hat einen Teil seiner Gewinne aus dem ersten Halbjahr wieder abgegeben. Die Gründe sind schnell gefunden: Die Aktien der Autobauer, die immerhin 15 Prozent der Marktkapitalisierung im Dax ausmachen, sind infolge von Dieselskandal und Kartellverdacht unter Druck geraten. Und auch der starke Euro macht den exportorientierten Standardwerten zu schaffen. „Sommergrippe oder chronische Erkrankung?“, fragt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank, in seinem Wochenausblick. Eine Frage, die sich auch viele Anleger stellen.

Zumal nur deutsche und europäische Aktien schwächeln. US-Aktien hingegen sind weiterhin gefragt. Der Dow Jones hat erstmals die Marke von 22.000 Punkten geknackt. Auch der marktbreite S&P 500 markierte in den vergangenen Wochen neue Rekordstände. Dagegen setzten Euro Stoxx 50 und Dax ihre Korrektur fort. Ein „Schuldiger“ für die Schwäche der Euro-Aktien ist schnell gefunden: Der Wechselkurs! Seit der Euro-Dollar-Kurs aus seinem Seitwärtsband bei rund 1,15 US-Dollar ausgebrochen ist, hat sich die relative Schwäche deutscher Exportwerte verstärkt.

Diese Aktien trieben den Dow über die 22.000 Punkte

DJ Industrial Average

WKN
ISIN
Börse
IDJ

+19,01 +0,08%
+25.086,62
Chart von DJ Industrial Average
Dow Jones 30
1 von 18

Der Dow Jones Industrial hat am Mittwoch dieser Woche erstmals in seiner Geschichte die 22 000 Punkte überwunden. Mit dem neuerlichen Rekord - es war der sechste Handelstag in Folge mit einer Bestmarke - passierte das Börsenbarometer der Wall Street bereits die dritte Tausendermarke in diesem Jahr. Im bisherigen Jahresverlauf hatte er bis Mittwoch 2132 Punkte zugelegt, ein Plus von 10, / Prozent. Die Rally begann aber schon im November mit dem Wahlsieg von Donald Trump, als der Dow noch bei 18 000 Punkten stand. Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen

APPLE INC. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US0378331005
Börse
Xetra

-0,06 -0,04%
+139,80€
Chart von APPLE INC. REGISTERED SHARES O.N.
Apple
2 von 18

Entscheidend für den Sprung über die 22.000 Punkte Marke war die starke Zunahme der Apple-Aktie in den vergangenen Tagen. Insgesamt 35,3 Prozent hat der Technologietitel seit Jahresanfang zugelegt. Dadurch ist die Index-Gewichtung auf 4,9 Prozent gestiegen und ist insgesamt die zweithöchste im Dow Jones Industrial Average, wie der Index vollständig heißt. Als erster Aktienindex wurde er 1884 von zwei New Yorker Journalisten zusammengestellt, darunter der Herausgeber des Wall Street Journals Charles Dow. Auch jetzt noch entscheidet keine Börse, sondern der Herausgeber des Wall Street Journals, wer in den Index kommt und welche Aktien rausfliegen.

BOEING CO. REGISTERED SHARES DL 5

WKN
ISIN
US0970231058
Börse
Xetra

+1,50 +0,52%
+287,01€
Chart von BOEING CO. REGISTERED SHARES DL 5
Boeing
3 von 18

Boeing ist mit 7,4 Prozent Index-Gewichtung die stärkste Aktie in dem Dow Jones. Sie ist seit Jahresbeginn um 51,6 Prozent gestiegen. Genau solche Fälle sind der Grund, warum Charles Dow und sein Kollege Edward Jones den Aktienindex ursprünglich zusammenstellten: Sie wollten die Entwicklung des US-amerikanischen Aktienmarktes messen. Der Indexstand wird ausschließlich auf Grund der Aktienkurse ermittelt und nur um Erträge aus Bezugsrechten und Sonderzahlungen bereinigt. Aktien mit einem hohen Kurs fallen stärker in den Index ein als Aktien mit einem niedrigen Kurs. Bei Aktiensplits und Aktienzusammenlegungen wird der Dow-Jones-Index durch Korrekturfaktoren bereinigt.

VISA INC. REG. SHARES CLASS A DL -,0001

WKN
ISIN
US92826C8394
Börse
Xetra

-0,05 -0,05%
+97,75€
Chart von VISA INC. REG. SHARES CLASS A DL -,0001
Visa
4 von 18

27,4 Prozent konnte Visa zulegen und liegt damit nun bei einer Gewichtung von 3,2 Prozent. Die Entwicklung des Papiers ebenfalls maßgeblich dazu bei, dass der Index in den vergangenen Monaten immer weiter anstieg. Ende Januar erreichte der Dow Jones erstmals 20.000, Anfang März erstmals mehr als 21.000 Punkte.

CATERPILLAR INC. REGISTERED SHARES DL 1

WKN
ISIN
US1491231015
Börse
Xetra

-2,50 -1,95%
+125,49€
Chart von CATERPILLAR INC. REGISTERED SHARES DL 1
Caterpillar
5 von 18

Die Aktie des weltweit größten Baumaschinenherstellers legte in den vergangenen sieben Monaten 20,3 Prozent zu. Sie macht nun 3,5 Prozent des Gesamtgewichts im Index, der die 30 größten US-amerikanischen Unternehmen vereint.

UNITEDHEALTH GROUP INC. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US91324P1021
Börse
Xetra

+5,76 +3,18%
+182,81€
Chart von UNITEDHEALTH GROUP INC. REGISTERED SHARES DL -,01
United Health
6 von 18

Mit einem Kursanstieg von 19,5 Prozent seit Jahresanfang reiht sich United Health in die Reihe der Top-Gewinner ein. Im Vergleich zum Jahresbeginn steigt das Papier um 0,5 Prozent auf eine Index-Gewichtung in Höhe von sechs Prozent. Zur Historie: Am 29. März 1999 lag der Index Dow Jones erstmals über 10.000, zwei Monate später wurde die 11.000-Punkte-Marke geknackt.

Walmart

WKN
ISIN
Börse

Chart von Walmart
Walmart
7 von 18

Eine positive Kursänderung von 17,3 Prozent seit Jahresbeginn ändern an der Gewichtung der Walmart-Aktie nicht viel: Lediglich um 0,1 Prozent ist sie auf 2,5 Prozent angestiegen.

Der Kurs der Gemeinschaftswährung ist seit Jahresbeginn um etwa 13 Prozent auf aktuell knapp 1,19 Dollar gestiegen. Damit werden Waren heimischer Firmen auf dem Weltmarkt teurer, also weniger wettbewerbsfähig.  „Allerdings sollte diese Entwicklung nicht fortgeschrieben werden“, ist Markus Reinwand von der Helaba überzeugt. „Zudem werden Euro-Titel gegenüber US-Werten inzwischen wieder mit einem Bewertungsabschlag gehandelt.“ Vergleiche man die jüngste Zwischenberichtssaison der Unternehmen, wirkt diese Differenzierung überzogen.

Für Halver steht außerdem fest: „Euro-Stärke ist eine Dollar-Schwäche.“ Solange der desolate Zustand der US-Politik anhalte, umso schwächer zeige sich der US-Dollar gegenüber dem Euro. „Übertriebene Angst vor der geldpolitischen Wende als Aktienmarktrisiko, die auch die Euro-Zone zuletzt belastet hat, ist grundsätzlich unangebracht“, sagt der Kapitalmarktexperte. „Sicherlich ist ein starker Euro ein gewisses Handicap für die deutsche und europäische Exportwirtschaft mit Auswirkung auf deren Aktien zugunsten Amerikas.“

Die Experten der Landesbank Baden-Württemberg merken in ihrem Wochenausblick an, dass der Dax nach den Kursrückgängen nur noch leicht überwertet sei. Zudem hätten die deutschen Konzerne bisher überwiegend positive Quartalszahlen präsentiert. „In Summe dürften die Impulse der Berichtssaison noch nicht ausreichen, um den Markt aus seinem Sommerloch zu holen“, geben sie allerdings zu bedenken. „Der Aufwärtstrend ist jedoch nach wie vor intakt.“ Zusammen mit dem tiefen Zinsniveau, der fehlenden Euphorie sowie dem aufwärts gerichteten Gewinntrend spricht dies mittelfristig wieder für steigende Kurse.

 

Lieber das Pulver trocken halten?
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