Dax-Ausblick
Was kann die Anleger noch schrecken?

Die griechische Regierung irrt durch die Finanzpolitik und die Investoren zucken mit den Schultern. Warum auch die nächste Woche für Anleger Chancen bietet. Und welche Risiken die Kurse in die Tiefe reißen können.
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FrankfurtDie europäische Rundreise des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras und Finanzminister Yanis Varoufakis zeigte vor allem eines: Ein verhandelbares Konzept scheint die neue Regierung aus Hellas bislang nicht zu haben. Griechenland soll nach eigenem Wunsch irgendwie entlastet und unabhängiger von den Reformauflagen werden. Über das „irgendwie“ zerbrechen sich Geldanleger jedoch die Köpfe.

Die griechische Regierung steht unter Druck, denn das zweite Hilfsprogramm läuft Ende des Monats aus. Ohne Anschlussvereinbarung droht eine Staatspleite. „Allerspätestens im Juli ginge der Regierung das Geld aus, und es drohen die Zahlungsunfähigkeit und in der Folge sogar ein Euro-Austritt“, heißt es in einer Analyse der DZ Bank.

Ob ein Kompromiss im Schuldenstreit möglich ist, könnten die anstehenden Treffen der Euro-Finanzminister am Mittwoch und der informelle EU-Gipfel am Donnerstag zeigen. „So schwerwiegend ein 'Grexit' für alle Beteiligten auch sein mag, das Risiko hat nach dem Wahlausgang und dem eingeschlagenen Kurs von Alexis Tsipras deutlich zugenommen“, erklären die Analysten weiter.

Marktbeobachter rechnen schon mal die Auswirkungen eines möglichen Ausstiegs Griechenlands aus dem Euro durch: „Der Euro-Raum käme zunächst nicht schadlos davon“, erklären die Analysten der Commerzbank. „Der Markt würde lernen, dass die Mitgliedschaft eines Landes in der Währungsunion nicht unumkehrbar ist, was für höhere Risikoaufschläge von Ländern mit starken eurokritischen Parteien sprechen könnte.“

Die Analysten setzen allerdings auf die Europäische Zentralbank, die einmal mehr Feuerwehrmann spielen könnte und noch mehr Staatsanleihen überschuldeter Euro-Länder kaufen bislang geplant. „Die Vergemeinschaftung der Staatsschulden erhielte einen weiteren Schub“, erklären die Analysten. Eine Bankenkrise wie bei der Pleite der US-Investmentbank Lehman sei aber nicht zu befürchten. Und: „Ein Austritt Griechenlands hat schon lange nicht mehr das Potenzial den Bestand der Währungsunion zu gefährden.“

Anleger müssten allerdings mit kräftigen Ausschlägen an den Börsen rechnen. Der Euro würde aus Sicht der Commerzbank höchstwahrscheinlich abwerten, die Bundrenditen könnten auf neue Tiefstände fallen und die Risikoaufschläge für Anleihen der Peripherieländer dürften wieder steigen.

Auch ohne Einigung im Griechenland-Poker könnte es Auswirkungen auf den deutschen Aktienmarkt geben. Anleger könnten die Unsicherheit über die finanzielle Zukunft Griechenlands zum Anlass nehmen, Gewinne mitzunehmen. „Seit der Ankündigung weiterer Geldspritzen der EZB hat der Dax schließlich einen großen Schluck aus der Pulle genommen“, sagt Wolfgang Duwe, Stratege bei der Bremer Landesbank. In der Spitze kletterte der deutsche Leitindex seit Ende Januar um 6,7 Prozent auf ein Rekordhoch von 10.984 Punkten.

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