Dax unter 10.000

Schmerzhafter Absturz

Der Dax ist im freien Fall, bis auf 9.760 Punkte sackte das Börsenbarometer am Morgen ab. Damit ist die Marke von 10.000 Punkten gerissen: Ist das nur eine psychologische Marke oder ein dramatisches Signal?
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Die 10.000 sind nicht das Maß aller Dinge

DüsseldorfDie Angst vor einem Schwächeanfall der chinesischen Wirtschaft hat den Dax unter die Marke von 10.000 Punkten gedrückt und weltweit die Börsen belastet. Der Kurseinbruch in China und auch der wieder erstarkte Euro kosteten inzwischen fast den kompletten Jahresgewinn im Dax. Nur noch ein Prozent sind von den ehemals recht stattlichen Gewinnen übrig geblieben. Allein im ersten Quartal hatte das deutsche Standardwertebarometer mehr als 20 Prozent zugelegt.

Und jetzt? Außer Spesen nichts gewesen, sogar die Marke von 10.000 Punkten ist gefallen. Experten sprechen oft von einer „psychologisch wichtigen Marke“. Das klingt wahnsinnig hochtrabend und suggeriert, hier ist Großes oder Dramatisches passiert. Doch das täuscht. „Die 10.000er-Marke ist da eher symbolisch als wirklich marktbeeinflussend“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. „Wir haben eine gewissen Vorliebe für runde Zahlen und daher findet es mehr Beachtung, wenn eine solche Ereigniszahl über- oder unterschritten wird.“ An den Märkten habe sie nur eine geringe technische Bedeutung.

Mit Blick auf die Bewertungen ist es aber völlig egal, ob der Dax bei 9.900, 10.000 oder 10.100 Punkten steht. Trotzdem wurde es natürlich gefeiert, als der Dax am 5. Juni 2014 das erste Mal in seiner Geschichte fünfstellig war. Um 14.33 Uhr kletterte er an diesem Tag auf 10.003 Punkte. Die Europäische Zentralbank hatte kurz zuvor verkündigt, den extrem niedrigen Leitzins von 0,25 auf 0,15 Prozent zu senken.

Psychologen erklären das Phänomen so: Menschen neigen dazu, sich an bestimmten Werten zu orientieren. Das können Allzeithochs oder runde Zahlen sein. Verankerungsheuristik nennt man das. Anleger werfen Anker. Nur leider fällt es ihnen sehr schwer, sie hinterher wieder einzuholen.

Deshalb haben diese Anker auch eine so große Bedeutung. An der Börse können das neben Indexständen vor allem die Kurse sein, zu denen wir eine Aktie gekauft haben. Dax 10.000 – das ist vor allem für Privatanleger ein ziemlich starker Anker.

Der Absturz ist übertrieben
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10 Kommentare zu "Dax unter 10.000 : Schmerzhafter Absturz"

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  • Herr Gerhard Golenz-Zeubner@
    Ich habe nur Aktien die mindestens 5% Brutto Dividende abwerfen und auf Kredit
    wurde ich nicht mal einen Kühlschrank kaufen. Die Akten verkaufe ich nicht und wenn die 50% verlieren schon gar nicht. Hätte ich eine für
    100 Euro gekauft und 5Euronen Dividende also 5% dann wären es bei einem Kurs v
    50 Euro und 5Euro Dividende eben 10% Dividende, was aber den Kurs wieder steigen lässt, ich kann dauerhaft kaum verlieren. Haben Sie aber die üblichen
    Schrott-Aktien, ohne Dividende, in der Hoffnung auf steigende Kurse gekauft,
    sollten Sie den Kühlschrank bevorzugen.

  • Kein Problem, da die Finanzdienstleister und deren Großkunden der deutschen Bundesregierung allerliebste Kinder sind, wird sie diese ganz sicher nicht im Regen stehen und absaufen lassen, sondern vielmehr mit einer weiteren Umverteilungsorgie Gewinne sichern helfen.

    Das Geld der Finanzdienstleister ist auch das ökologisch unbedenklichste, da die nur mit Zahlen jonglieren, stirbt dabei kein Baum und wird auch kein Fluss vergiftet, so denken jedenfalls die Politiker, wenn man deren Handeln betrachtet. Grundsätzlich findet Berlin bräuchten wir nur noch Finanzdienstleister! So regieren die uns zumindest.

  • Gut, Spaß beiseite, Hr. Spiegel!
    Wer glauben Sie, könnte diese Tendenz aufhalten?
    Sehen Sie jemanden, der auf kurze oder mittlere Sicht diese Tendenz zumindest zum Halten bringen kann?
    Ich leider nicht!
    Deshalb habe ich mir gestattet, wie Sie sicherlich auch, mir kurz darüber Gedanken zu machen, wie es weiter geht und was ich mit meinem Portfolio anstelle.
    Sie klingen eigentlich eher zuversichtlich und deshalb gehe ich davon aus, dass Sie ihr Portfolio solide und nicht auf Kredit erworben haben.
    Wenn Sie genug Zeit haben, Ihre Papiere langfristig zu halten, dann werden Sie sicher unter dem Strich wieder in der Gewinnzone landen.
    Nur, wie lange wird dass brauchen?

  • Da haben sie unbedingt Recht!
    Und,- die Hoffnung stirbt zuletzt.
    Und, würden wir die Kanzlerin, den Finanzminister fragen, würde sie uns sagen, alles wird gut!

    Und, würden Sie den Broker Ihrer Wahl fragen, würde er sagen: Kaufen! Immerhin bezahlen sie ihn ja dafür.

    Und, die Kurse fallen fröhlich weiter, weltweit um 14:50 Uhr zwischen 3 - 4%, Nikkei um 6,3%.

  • Ein Riesenverlust - Und doch werden gerade Hunderte Milliarden mit Wetten auf sinkende Kurse verdient. Hier verliert "nur" der konservative Anleger...

  • Ein Verlust von knapp 2000 Punkten, allein im Dax(!), ist ist faktisch ein Milliarden-, wenn nicht Billionenverlust von Kapital,Herr Gerhard Golenz-Zeubne@
    das ist gar nichts, solange Sie nicht verkaufen.

  • 2000 Punkte juckt doch keinen!? Ist doch völlig wurscht, oder!?
    So etwas kann nur ein Händler behaupten, er verdient an jeder Transaktion! O
    Wie war das noch vor zwei Wochen? "Leute, stöhnt nicht über die niedrigen Zinsen eurer Bank, kauft Aktien, da seid ihr auf der sicheren Seite!" *lach* Guter Witz, oder!?
    Na ja, wer sein Geld auf Anraten Dritter investiert, bezahlt zu erst mal dessen Lebensunterhalt, und ganz sicher Lehrgeld, gelle!?
    Warum wohl kümmer sich die ganz großen Haie selbst darum, was mit ihrem Geld passiert?
    Ein Verlust von knapp 2000 Punkten, allein im Dax(!), ist ist faktisch ein Milliarden-, wenn nicht Billionenverlust von Kapital. Weltweit gesehen? Au weiah!!
    Da beisst die Maus keinen Faden ab.
    Mit frischem Kapital in vergleichbarem Umfang ist gerade Ende August keinesfalls zu rechnen.
    Diejenigen samt ihrer Banken, die ihre Papiere auf Pump gekauft haben, knirschen jetzt schon so laut mit den Zähnen, das jeder der ein wenig genauer lauscht, es hören kann.
    Bleibt der Dax auf diesem Niveau oder fällt gar weiter, werden die Glücksritter mit ihren kreditfinanzierten Papieren wohl bald verkaufen müssen. Natürlich, die großen Fische wissen, dass man kaufen muss, wenn Blut fließt. Aber wann und in welchem Umfang? Ist es nicht noch zu früh?
    Kommt eine Rezession, fallen die Papiere weiter. Ist es nicht besser noch zu warten und besser weitgefächert liquide zu bleiben?
    2008 - 2010 war China einer der Retter des Euro und vielleicht der ganzen Weltwirtschaft. China muss sich jetzt jedoch zu allererst um den eigenen Blutdruck kümmern.
    Wer ist noch in der Lage die Dinge aufzuhalten, die sich bereits seit längerem am Horizont als schwarze Gewitterwolken ankündigen?
    Die Zentralbanken? Vergessen Sie`s!
    Die bis zur Halskrause verschuldeten Staaten? Womit denn?
    Waren Sie in letzter Zeit mal mit ein paar Investmentleuten ein Bier trinken?
    Gruselige Aussichten, gelle!?
    Hmmh, aber vielleicht haut uns diesmal Griechenland mit seinen soliden Finanzen raus

  • "Heute haben wir einen Hochfrequenzhandel, die Nachrichten werden nicht gelesen und bewertet, sondern von Computerprogrammen nach Stichworten gesucht, die dementsprechend Kauf- oder Verkauforders auslösen. Man kann über das System trefflich diskutieren, nur mit Psychologie hat das nichts zu tun. "

    Das ist aber eine sehr einfache Sicht auf den bunten Strauß an Möglichkeiten des Algohandelns. Nebenbei: Sind Sie sicher, dass bei dem Keyword-Spotting kein psychologisches Modell zugrunde liegt?

  • Sorry Frau Schwarzer,

    aber schon wieder möchte ich einen Artikel von Ihnen prinzipiell kritisieren und in Frage stellen. Die "Marken" sind doch heute im 20-Punkte-Abstand gesetzt, die runden Zahlen, die technischen Analyse-Marken, und, und, und.

    Das Thema Psychologie möchte ich auch relativieren. Psychologie und Massenpsychologie spielen in einem Markt eine Rolle, in dem Menschen die Kurse beieinflussen. Heute haben wir einen Hochfrequenzhandel, die Nachrichten werden nicht gelesen und bewertet, sondern von Computerprogrammen nach Stichworten gesucht, die dementsprechend Kauf- oder Verkauforders auslösen. Man kann über das System trefflich diskutieren, nur mit Psychologie hat das nichts zu tun. Platinen sind nicht nervös.

    Aber auch früher, ist noch nie jemand mit Chart-Technik reich geworden. Und die, die wirklich reich geworden sind... naja fragen Sie mal Warren nach seiner Meinung zu Chart-Technik!

    Ob Kurse teuer oder billig sind, liegt halt an der wirtschaftlichen Gesamt- und Risikolage. Und das stellt sich die Frage, wie es um China jenseits der Partei-Propaganda wirklich bestellt ist und welche systemischen Risiken sich daraus für die Weltwirtschaft ergeben! Und richtig gut sieht das nicht gerade aus, die Notenbanken haben uns 2009 Zeit gekauft... irgendwann ist die halt aufgebraucht!

  • Ich rufe die Ereignisse des Jahres 2000 in Erinnerung. Damals ist der Traum vom raschen Reichtum an der Börse geplatzt.
    10. März 2000 stand der Nemax (Neuer-Markt-Index) 50 bei: 9632 Punkten
    Dann am 1. Dezember 2000 stand der Nemax 50 bei: 3228 Punkten
    Verlust = 6404 Punkte! Betroffene Unternehmen am „Neuen Markt“ waren: T-Online Wertverlust (Wvl.) = 60,4 Milliarden Mark, Broadvision (Wvl.) = 31,5 Mrd. Mark, EM.TV (Wvl.) = 22,3 Mrd. Mark, Intershop (Wvl.) = 16,1 Mrd. Mark, Mobilcom (Wvl.) = 13,0 Mrd. Mark, Carrier 1 (Wvl) = 12.0 Mrd. Mark, Fantastic (Wvl.) = 11.6 Mrd. Mark, Consors (Wvl.) = 8,8 Mrd. Mark, Brokat (Wvl.) = 8,0 Mrd. Mark, Pixelpark (Wvl.) = 5,7 Mrd. Mark. Damals leitete der Kurseinbruch den Anfang vom Ende des Traums ewig steigender Aktien ein. Alleine T-Online hatte damals 62% an Marktwert eingebüßt, und umgerechnet 60 Milliarden Mark Verlust zu verzeichnen, mit im untergegangenen Boot sassen viele Kleinanleger, welche man vorher in doppelseitigen Medienanzeigen in Aktien getrieben hatte, die dann nach dem Absturz der sogenannten „Volksaktie“ vor dem fianaziellen Ruin standen. Alles schon wieder vergessen?! Bei EM.TV (ehem. TV-Rechte-Händler aus München) wurde im großen Stil durch Buchungsmanipulationen betrogen. Warum sollte dies heute bei den Bilanzbewertungen anderer börsennotierter Unternehmen anders laufen?
    Wer z. Bsp. im März 2000 eine Million Mark in EM.TV Aktien anlegte, war am 1. Dezember 2000 um 900.000 Mark ärmer. Genau so ist es heute wieder, viele Unternehmen sind komplett überbewertet, auch wenn die Bilanzen auf den ersten Blick gut ausschauen. Das ganze Kapitalsystem inklusive der Börsen ist auf Lug und Betrug aufgebaut, ein Schneeballsystem, genau wie der Strukturvertrieb von Versicherungen, die oben kassieren und die breite Masse verliert. Wie bei einer Pyramide, an der Spitze konzentriert sich das Kapital.

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