Dax-Vorschau
Haben die Märkte ihr Pulver verschossen?

Der Dax hat den Anlegern in den vergangenen Tagen kräftige Gewinne gebracht. Doch das Potenzial der Märkten scheint erschöpft – Analysten erwarten eher eine Korrektur nach unten als eine weitere Aufwärtsbewegung.

DüsseldorfDie Gewinne waren groß: Der Dax hat innerhalb von zehn Handelstagen rund 1000 Punkte zugelegt. „Nach der Kurserholung ist zwischenzeitlich wieder viel Optimismus eingepreist“, meint das Aktienanalyseteam der DZ Bank. Dieser Optimismus könnte jedoch trügerisch sein, fürchten die Experten. Sie liegen damit auf einer Linie mit den Helaba-Kollegen. Die vertreten die Auffassung, dass eine solche sehr steil verlaufende Bewegung grundsätzlich nicht nachhaltig sei und erwarten deswegen nachgebende Kurse. Charttechnisch betrachtet halten sie einen temporären Rutsch auf weniger als 10.300 Punkte möglich.

Ganz so schlimm kam es am Freitag noch nicht. Am Ende ging der Dax mit einem Minus von 0,6 Prozent auf 10.373 Punkten aus dem Handel. Es hätte besser laufen können. Aber das verhinderte die leidige Diskussion über Abgaswerte deutscher Fahrzeuge und daraus resultierender zusätzlicher Aufwendungen für die Automobilkonzerne. Das Thema wird die Börsen auch in der kommenden Woche beschäftigen. Am Freitag bescherte es VW zeitweise Verluste von mehr als drei Prozent und Daimler wurde bis zu sieben Prozent heruntergeprügelt.

Doch auch nach dem Rückschlag vom Freitag ist das Kursniveau nach Ansicht von Analysten immer noch recht hoch. Sie suchen nach Erklärungen, wodurch es hochgehalten wird. Ist es das billige Geld, für das die Europäische Zentralbank (EZB) sorgt, oder sind es die guten Konjunkturdaten? Die Diskussion darüber ist noch nicht zu Ende. Für das Analysehaus Feri sind „positive Veränderungen wichtiger Konjunkturindikatoren“ maßgeblich.

Drei Faktoren seien ausschlaggebend für den neuen Optimismus der Anleger, meint Feri: Die US-Notenbank Fed habe die Zinswende gestoppt, der Ölpreis habe sich oberhalb von 30 Dollar je Barrel (159 Liter) stabilisiert und aus China nehmen die Experten deutliche Signale wahr, harte Strukturreformen anzupacken.

Aber ein Hintertürchen lassen sich die Feri-Analysten bei ihrem Erklärungsansatz für steigende Kurse trotzdem offen: „Dennoch ist und bleibt die Geldpolitik für die Finanzmärkte das Zünglein an der Waage.“ Ihr Blick geht nach Japan, wo sich die Notenbanker nächste Woche treffen. Das Land lebt viel länger mit extrem niedrigen Zinsen wie Europa.

Dort könnte zuerst mit dem sogenannten „Helikoptergeld“ experimentiert werden, glauben die Feri-Experten. Gemeint sind damit direkte Geldzahlungen an die Bevölkerung. „Dass solche radikalen Maßnahmen nicht nur in Japan, sondern auch in Europa verstärkt diskutiert werden, zeigt, dass die Notenbanken mir ihrer expansiven Politik an ihre Grenzen gestoßen sind“, kommentiert Heinz-Werner Rapp, Chief Investment Officer der Feri-Gruppe, die Situation.

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Schwache Hoffnung auf die Fed

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