Dow Jones
„Die Rally ist noch nicht zu Ende“

Trotz ungünstiger Rahmenbedingungen hat der Börsenindex Dow Jones hat am Dienstag im Handelsverlauf in New York erstmals die Schallmauer von 14 000 Punkten durchbrochen. Das ist erst der Anfang, meinen Analysten. Doch es lauern auch Gefahren.

NEW YORK. Angetrieben wurden die Börsianer von guten Firmenergebnissen und einer Kaufempfehlung der Investmentbank Goldman Sachs für die Finanzkonzern American Express. „Die Rally ist noch nicht zu Ende. Wir stehen erst am Anfang der Ergebnissaison“, sagte James Maguire, Chef des Börsenbrokers LaBranche, auf dem Parkett der New York Stock Exchange.

Der Höhenflug auf dem Aktienmarkt ist insbesondere deshalb überraschend, weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht gerade günstig erscheinen. So ist der Ölpreis in diesem Jahr bereits über 20 Prozent gestiegen und hat mit etwa 75 Dollar den höchsten Stand seit elf Monaten erreicht. Hohe Energiekosten drücken normalerweise die Stimmung an der Börse. Inflationsängste halten sich jedoch in Grenzen. Die Großhandelspreise sind im Juni überraschend zurückgegangen. Teurer werden allerdings die Importe, da der Dollar gegenüber dem Euro auf ein Rekordtief gesunken ist. Zwar lässt ein schwacher Greenback die Gewinne der multinationalen US-Konzerne sprudeln. Zugleich wächst jedoch für ausländische Investoren das Währungsrisiko. Kehren sie den USA den Rücken, fehlt auf den Aktien- und Anleihemärkten die Nachfrage.

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Danach sieht es im Moment allerdings nicht aus. So haben ausländische Investoren im Mai 126 Mrd. Dollar auf den amerikanischen Wertpapiermärkten angelegt. Das ist nicht nur ein neuer Rekord, sondern auch ein gewaltiger Sprung von mehr als 40 Mrd. Dollar gegenüber dem Vormonat. „Die Daten weisen darauf hin, dass internationale Investoren ziemlich zuversichtlich sind“, sagte Mike Englund von der Finanzberatung Action Economics zu Bloomberg. Der Dow-Jones-Index, der aus den Aktienkursen 30 großer Unternehmen errechnet wird, ist seit Jahresbeginn um rund zwölf Prozent gestiegen. Allein in der vergangenen Woche legte der Dow um fast 300 Punkte zu. Es ist erst drei Monate her, dass der Index an dem Meilenstein von 13.000 Punkten vorbeizog. Auch der weitaus breiter aufgestellte Index S&P 500 und die Technologiebörse Nasdaq verzeichnen kräftige Zugewinne.

Analysten führen die Rally auf die immer noch hohe Zahl von Fusionen und Übernahmen sowie auf die guten Gewinnaussichten der US-Unternehmen zurück. Zwar haben die Experten nur ein mäßiges Ertragsplus von 4,4 Prozent für die im S&P 500 notierten Unternehmen vorausgesagt. Die ersten Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass die Gewinne im zweiten Quartal stärker gestiegen sind. So hat der Gewinnsprung der Investmentbank Merrill Lynch von 31 Prozent die Sorgen vieler Händler über die schwelende Krise auf dem US-Hypothekenmarkt (Subprime) etwas zerstreut.

Die Gefahr ist jedoch noch nicht gebannt. „Die Derivate (auf dem Hypothekenmarkt) sind der größte Bär für die Börsianer“, sagte Maguire.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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