Emerging Markets
Krise trifft Schwellenländer mit voller Wucht

Die Börsen in Brasilien, Dubai, China und Indien brechen ein. Ausländische Investoren ergreifen die Flucht. Die einst gefeierten Börsen der Schwellenländer sind voll in den Sog der Finanzkrise geraten.

DUBAI/SAO PAULO. Die Finanzkrise hat die Börsen in den Schwellenländern fest im Griff. Die Aktienkurse in Brasilien, Dubai, China und Indien sind zuletzt dramatisch eingebrochen. Besonders traf es die brasilianische Börse. Seit Jahresbeginn hat der Leitindex Bovespa 37 Prozent an Wert verloren, alleine in der letzten Woche ging es um mehr als 20 Prozent nach unten.

Dennoch glaubt niemand, dass das Land 2009 in eine Rezession abrutschen könnte. Das private Banken-Institut Serasa und auch der Industrieverband CNI rechnen mit einem Wachstum von 3,5 Prozent. "Es gibt bisher keinen Anlass, die Prognosen zu berichtigen", sagt Francisco Valim, Präsident von Serasa. Brasilien spüre die Krise eher indirekt. So sind die Exportfinanzierungen knapper geworden. Die Zentralbank rechnet damit, dass die ausländischen Handelsfinanzierungen stark schrumpfen werden: von 36 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr auf nur noch fünf Mrd. Dollar 2009. Die staatliche Entwicklungsbank BNDES wird gegensteuern und ihre Exportfinanzierungen aufstocken. Auch untereinander leihen sich die Banken kaum noch Geld: Besonders klamm sind mittelgroße Banken, die größtenteils erst seit vergangenem Jahr an der Börse notiert sind. Die Zentralbank hat bereits zum zweiten Mal die Mindestreserveauflagen für die Banken gelockert.

Während die meisten Konjunktur-Prognosen für den Mittleren Osten im laufenden Jahr Wachstumsraten von über fünf Prozent voraussagen, sind die Börsen voll in den Strudel der globalen Finanzkrise geraten. Insbesondere nach dem Crash der US-Bank Lehman Brothers rutschen die Aktienkurse dramatisch ab. Die Börse in Dubai verzeichnete allein gestern ein Minus von über acht Prozent, die Handelsplätze in Riad und Abu Dhabi sackten ebenfalls deutlich ab. Seit Jahresanfang liegen die Verluste zwischen 30 und 50 Prozent.

"Die weltweite Finanzkrise hat die Immobilienwerte nach unten gezogen, zudem sind ausländische Investoren aus dem Aktienmarkt ausgestiegen. Das hat in der Summe zu einem immensen Verkaufsdruck geführt", sagt Ingmar Burgardt von der BHF-Bank in Abu Dhabi. Auch die regionalen Banken spüren die Auswirkungen der Finanzkrise. "Durch den Abzug von ausländischem Kapital steigen die Refinanzierungskosten für die Institute, das Geld für Infrastruktur- und Kraftwerks-Projekte wird teurer", erklärt Eckart Woertz vom Gulf Research Center. Die Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate hatte kürzlich 14 Mrd. Dollar in den Geldmarkt gepumpt, um lokalen Finanzhäusern unter die Arme zu greifen.

Auch in Asien sind die Aktienkurse seit Jahresbeginn kräftig abgerutscht. Während der indische Leitindex Sensex über 40 Prozent absackte, verlor der chinesische Shanghai Composite sogar mehr als die Hälfte an Wert. China senkte gestern die Leitzinsen, um die Märkte zu beruhigen.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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