Europa-Börsen
„Markt scheint fällig für eine Korrektur“

Die europäischen Börsen haben am Freitag nach ihrem kurzen Höhenflug am Vortag sehr schwach geschlossen. Der Eurostoxx 50 rutschte um 2,88 Prozent auf 2 743,50 Zähler ab - Gewinner gab es im europäischen Leitindex keine. Auch an den US-Börsen bröckelten die Kurse trotz im Rahmen ausgefallener Daten immer weiter.

dpa-afx PARIS/LONDON. Die europäischen Börsen haben am Freitag nach ihrem kurzen Höhenflug am Vortag sehr schwach geschlossen. "Der Markt scheint einfach fällig zu sein für eine Korrektur", sagte ein Händler. Auch an den US-Börsen bröckelten die Kurse trotz im Rahmen ausgefallener Daten immer weiter. Neue Tiefstände seit Anfang Oktober hätten dann Absicherungsgeschäfte und Anschlussverkäufe vor dem Wochenende ausgelöst. "Die Gewinne gestern waren wohl eher ein kurzes Strohfeuer in Reaktion auf die starken BIP-Daten", so der Börsianer.

Der Eurostoxx 50 rutschte um 2,88 Prozent auf 2 743,50 Zähler ab - Gewinner gab es im europäischen Leitindex keine. Im Wochenvergleich stand ein Minus von fast fünf Prozent zu Buche. Der Pariser CAC-40-Index beendete den Freitag mit Verlusten von 2,86 Prozent auf 3 607,69 Zähler. In London fiel der Ftse 100 um 1,81 Prozent auf 5 044,55 Punkte.

Unter den schwächsten Werten in Europa und am Ende des CAC-40 waren Alcatel-Lucent nach Zahlen mit minus 10,61 Prozent auf 2,57 Euro zu finden. Der angeschlagene Netzwerkausrüster rutscht immer tiefer in die roten Zahlen. Unternehmenschef Ben Verwaayen sprach von einem "weiter schwierigen" Marktumfeld, will aber in diesem Jahr operativ wieder in die schwarzen Zahlen kommen. Ein Analyst zeigte sich skeptisch. "Selbst wenn Alcatel die Kosten weiter senken wird, um in die Gewinnzone zurück zu kehren, dürfte es schwierig werden, gutes Wachstum und mehr als einen niedrigen einstelligen operativen Gewinn zu erreichen", so seine Einschätzung.

Auch Finanzwerte, insbesondere einige Versicherer, kamen erneut heftig unter Druck. Händler verwiesen neben der allgemeinen Sektorschwäche auf Pläne der EU, ähnlich wie für Banken auch einen Stresstest für Versicherer durchzuführen. Aegon verloren am Eurostoxx-Ende 6,06 Prozent auf 4,879 Euro, Generali gaben um 4,24 Prozent auf 17,16 Euro nach, auch die deutsche Allianz kam unter Druck.

Aktien von Renault konnten ihre frühen Gewinne nicht verteidigen und gaben 1,67 Prozent auf 30,60 Euro ab. Die Absatzkrise auf dem Automarkt hatte dem französischen Autobauer auch im dritten Quartal einen zweistelligen Umsatzrückgang beschert. Allerdings habe sich das Minus weiter verringert und der positive Trend im operativen Geschäft aus dem Vorquartal bestätigt. Laut Morgan Stanley lagen die Zahlen im Rahmen der Erwartungen, die Aktie sei allerdings hoch bewertet. Anders sah dies Kepler-Analyst Pierre Boucheny. "Die Gewinndynamik sieht gut aus", so sein Fazit. Aktien von PSA Peugeot Citroen wurden kaum mit nach unten gezogen und verloren 0,27 Prozent auf 22,255 Euro.

Auch der Metallsektor gehörte zum Wochenausklang zu den großen Verlierern. Händler machten sinkende Metallpreise für die Schwäche von 5,08 Prozent auf 22,98 Euro bei Arcelormittal verantwortlich. In London bildeten Kazakhmys , Lonmin und die Branchenkollegen mit Verlusten von bis zu acht Prozent das Indexende. Ölwerte gaben ebenfalls europaweit nach. Ein Gewinneinbruch von Chevron Corp. sowie leicht fallende Ölpreise lasteten auf der Stimmung. Total verloren 3,25 Prozent auf 40,635 Euro, auch Eni gaben nach. In London fielen Royal Dutch Shell um mehr als zwei Prozent - der Mineralölkonzern führt Gespräche über den Verkauf seiner Raffinerien in Heide-Hemmingstedt und Hamburg-Harburg nur noch mit der indischen Essar-Gruppe.

Unter den weiteren Unternehmen, die Zahlen vorlegten, verloren Sanofi-Aventis trotz eines leicht angehobenen Ausblicks marktkonforme 2,23 Prozent auf 49,745 Euro. Für Konkurrent Shire Pharmaceuticals ging es hingegen nach besser als erwartet ausgefallenen Ergebnissen um deutliche 4,69 Prozent auf 1 072,00 Britische Pence hoch.

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