Europa: Pfandbriefmarkt löst sich aus Schockstarre

Europa
Pfandbriefmarkt löst sich aus Schockstarre

In den europäischen Markt für Pfandbriefe und Covered Bonds kommt wieder Bewegung. 2012 gab es bislang Neuemissionen von rund 21 Milliarden Dollar. Banken aus den Euro-Schuldenstaaten waren allerdings noch nicht dabei.
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London/FrankfurtDer Markt für deutsche Pfandbriefe und andere besicherte Anleihen (Covered Bonds) in Europa sendet wieder Lebenszeichen. Nach Daten von Thomson Reuters gab es seit Jahresbeginn 14 Neuemissionen im Volumen von 21 Milliarden Dollar. Das liegt zwar ein Drittel unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums, doch eine Belebung ist es alle Mal. Zum Jahresende 2011 hin war die Verunsicherung durch die Schuldenkrise so groß, dass sich Banken kaum mehr an Platzierungen wagten. Die Investoren blieben ohnehin in Deckung. „Der Markt kommt jetzt zurück“, stellt Fitch-Expertin Marjan van der Weijden fest.

Die Erholung ist dringend nötig, denn Europas Banken müssen in diesem Jahr insgesamt 725 Milliarden Euro refinanzieren. Covered Bonds sind ein wichtiger Baustein im Finanzierungsmix, da sie für die Geldhäuser - die immer schwerer aus eigener Kraft an frische Mittel kommen - günstiger sind als unbesicherte Anleihen. Das liegt am vergleichsweise geringen Ausfallrisiko für die Anleger: Bei den Bonds handelt es sich um verzinsliche Schuldverschreibungen, die mit Immobilienhypotheken, Schiffs- und Flugzeugfinanzierungen oder Darlehen an die öffentliche Hand besichert sind. Die dahinter steckenden Forderungen bleiben in der Bilanz des Emittenten, die Darlehen im sogenannten Deckungsstock werden deshalb regelmäßig auf Ausfallrisiken überprüft.

Zu den Instituten, die in den ersten Tagen des neuen Jahres an den Markt kamen, zählen etwa UBS, Barclays, Credit Agricole und Societe Generale. Als erstes deutsches Haus wagte sich die Aareal Bank zu Wochenbeginn mit einem Hypotheken-Pfandbrief über 500 Millionen Euro aus der Deckung. Banker gehen davon aus, dass andere jetzt schnell nachziehen. Zwar ist die Emissionstätigkeit zu Jahresbeginn traditionell besonders hoch: Von den Covered Bonds über 334 Milliarden Dollar, die Europas Banken 2011 insgesamt platzierten, entfielen mehr als drei Viertel auf die erste Jahreshälfte. Doch der Druck steige nun auch deshalb, weil schlichtweg nicht absehbar sei, wie schnell eine Lösung für die europäische Schuldenkrise gefunden werde, betonen die Experten. Damit dürften die Schwankungen an den Märkten groß bleiben - Gift für das Investorenvertrauen.

Trotz der Marktbelebung - die Analysten der Commerzbank legen den Finger in die Wunde. Die Refinanzierung über Covered Bonds habe sich für die Banken insgesamt verteuert, schreiben sie in ihrer jüngsten Studie. Und die Banken in den Problemstaaten am Rande der Euro-Zone seien noch außen vor: „Für Peripherie-Anleihen hat der Markt erwartungsgemäß noch nicht wieder eröffnet.“ Aber gerade, um den Banken dieser Schuldenstaaten unter die Arme zu greifen, hatte die Europäische Zentralbank (EZB) im November ihr Ankaufprogramm für Covered Bonds wieder aufgelegt. Bis Ende Oktober 2012 will sie 40 Milliarden Euro in die Hand nehmen, um auf diese Weise die Refinanzierungsnot der Institute zu lindern. Bislang hat sie gerade einmal Papiere im Volumen von etwas über drei Milliarden Euro aufgekauft und liegt damit hinter Plan.

Branchenkenner verwiesen zuletzt auf zwei Probleme: Einerseits will die EZB am Primärmarkt nur ein Investor unter vielen sein, um keine zu dominante Rolle einzunehmen. Das setzt voraus, dass auch andere Anleger im großen Stil bei neuen Pfandbriefen und Covered Bonds zugreifen. Zum anderen lagen die Preisvorstellungen auf dem Sekundärmarkt zumindest zum Jahresende 2011 noch zu weit auseinander. Ob sich das jetzt mit der Aufbruchstimmung im neuen Jahr ändert, bleibt abzuwarten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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