Europäische Börsen
Eurostoxx 50 auf 5-Monats-Tief

dpa-afx PARIS/LONDON. Die europäischen Börsen sind am Donnerstag sehr schwach aus dem Handel gegangen. Der Eurostoxx 50 fiel auf den niedrigsten Stand seit fünf Monaten - auf Punkte-Basis war es der größte Tagesverlust seit gut dreieinhalb Jahren. Börsianer verwiesen die schwache Wall Street, die wie die Börsen weltweit einmal mehr unter der Angst litt, die US-Hypothekenkrise könnte weitere Opfer fordern. "Das war ein ziemlich furchtbarer Tag", kommentierte Tom Hougaard, leitender Marktstratege bei City Index, die Marktentwicklung. "Man hat das Gefühl, die Anleger haben kapituliert und verkaufen."

Der europäische Leitindex Eurostoxx 50 verlor 2,89 Prozent auf 4 062,33 Zähler. Der auch Schweizer und britische Werte umfassende Stoxx 50 fiel um 3,25 Prozent auf 3 546,67 Zähler. Der Euronext 100 gab um 3,38 Prozent auf 934,05 Punkte nach. In Paris schloss der CAC 40 3,26 Prozent niedriger bei 5 265,47 Zählern. Der Ftse 100 verlor 4,10 Prozent auf 5 858,90 Punkte - hier belasteten besonders die äußerst schwachen Minenwerte.

ABN Amro büßten 5,96 Prozent auf 31,85 Euro ein und waren damit Schlusslicht im Eurostoxx 50. Die EU-Kommission hat für die Untersuchung der Offerte, die das Konsortium um die Royal Bank of Scotland (RBS) im Bieterstreit um die niederländische Bank vorgelegt hat, eine Frist bis zum 19. September festgesetzt.

Aktien des Gase-Herstellers L„Air Liquide verzeichneten Abschläge von 5,17 Prozent auf 88,47 Euro. Gas- und Chemieunternehmen seien abhängiger von der Gesamtwirtschaft als etwa Einzelhändler, sagte ein Börsianer. Falls sich hier die Aussichten eintrübten, könnte das ein Belastungsfaktor werden. Zudem hatten das Chemieunternehmen Lanxess und der Spezialchemiekonzern Ciba bei der Bilanzvorlage mit unerwartet hohen Verlusten enttäuscht.

In Amsterdam verloren die Titel von Akzo Nobel 7,79 Prozent auf 52,56 Euro. Hier nannten Händler neben der Sektorschwäche Gerüchte um Probleme, denen der niederländische Chemiekonzern mit seinem Gebot für den britischen Konkurrenten Imperial Chemical Industries (ICI) gegenüberstehe. Demnach könnte der deutsche Konsumgüterhersteller Henkel , der Akzo Nobel die amerikanischen ICI-Tochtergesellschaften Adhesives (Klebstoffe) und Electronic Materials abnimmt, Schwierigkeiten bei der Finanzierung seines Parts an der Übernahme bekommen. Ein Amsterdamer Händler nannte die Spekulationen indes haltlos und verwies auf Äußerungen von Henkel, denen zufolge es keine Probleme bei der Finanzierung gibt.

In London gehörten die schwer gewichteten Minenwerte angesichts rückläufiger Metallpreise zu den größten Verlierern. So büßten Antofagasta am "Footsie"-Ende 10,98 Prozent auf 608,00 Pence ein. Lonmin verloren 9,41 Prozent auf 2 792,00 Pence, und für Anglo American ging es um 9,36 Prozent auf 2 470,00 Pence nach unten. Der deutlich gesunkene Ölpreis setzte die Notierungen im Sektor unter Druck. Repsol-Titel gaben um 4,48 Prozent auf 26,02 Euro nach, und Total fielen um 4,24 Prozent auf 51,44 Euro.

Dagegen verloren British Land nach der Bilanzvorlage lediglich 0,66 Prozent auf 1 206,00 Pence. Merrill Lynch bestätigte das Papier nach den Quartalszahlen mit "Buy". Die Analysten sagten, die Aktie erscheine im Vergleich zu den Branchenkollegen aus dem Segment der mittelgroßen und kleineren Unternehmen attraktiv bewertet und profitiere von der Fokussierung des Unternehmens auf die Errichtung von Büros in London.

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