Eurostoxx 50
EZB-Aussagen belasten Europas Börsen

Die europäischen Aktienindizes haben am Donnerstag nach negativ aufgenommenen Kommentaren von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und einer schwächelnden Wall Street mit deutlichen Verlusten geschlossen.

dpa-afx PARIS/LONDON. Die europäischen Aktienindizes haben am Donnerstag nach negativ aufgenommenen Kommentaren von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und einer schwächelnden Wall Street mit deutlichen Verlusten geschlossen. Die EZB hat nach Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die Tür für eine Zinssenkung wieder fest verschlossen. Zudem hob die Zentralbank ihre Inflationsprojektionen und senkte zugleich ihre Wachstumsprognosen für 2008 und 2009.

Der europäische Leitindex Eurostoxx 50 büßte zum Handelsschluss 1,81 Prozent auf 3 617,68 Punkte ein. Der Stoxx 50 , der auch schweizerische und britische Werte umfasst, sank um 1,62 Prozent auf 3 090,00 Zähler. Der Euronext 100 gab um 1,38 Prozent auf 834,65 Punkte nach. In Paris fiel der CAC 40 um 1,65 Prozent auf 4 678,05 Punkte. Der Londoner Ftse 100 schloss 1,49 Prozent tiefer bei 5 766,40 Zählern.

Carrefour-Aktien stemmten sich nach Zahlen gegen den Trend und kletterten mit plus 4,09 Prozent auf 48,34 Euro an die Spitze im Eurostoxx. Europas größter Einzelhändler steigerte seinen Gewinn 2007 vor allem Dank des Wachstums im Ausland und bestätigte die Prognose. Hinzu kamen mögliche Veränderungen bei der Aktionärsstruktur. Nachdem die Eigentümerfamilie Halley am Vortag angekündigt hatte, dass sie ihren Aktionärspakt aufkündigen wird, dürften sich auch die Machtverhältnisse im Konzern ändern. Mit der Aufhebung der Vereinbarung können die Familienmitglieder unabhängig voneinander ihre Anteile abstoßen. Stichtag hierfür ist die Hauptversammlung am 15. April.

Unterdessen fielen die Titel von Aegon um 5,71 Prozent auf 9,25 Euro und waren damit der schwächste Wert im europäischen Leitindex. Der niederländische Finanzkonzern verdiente 2007 wegen fehlender steuerlicher Sondereffekte und des starken Euro weniger als 2006.

Bilanzvorlagen bewegten europaweit die entsprechenden Werte. So sprangen Akzo Nobel in Amsterdam um 9,07 Prozent auf 52,19 Euro an. Der niederländische Chemiekonzern verbuchte im vergangenen Jahr wegen des Verkaufs von Organon Bioscience einen kräftigen Gewinnsprung. Zudem zeigten sich Analysten positiv überrascht vom unerwartet frühen Beginn des Aktienrückkaufprogramms. Philips verloren indes 2,13 Prozent auf 25,68 Euro. Der niederländische Elektrokonzern besorgte sich am Kapitalmarkt frisches Geld und platzierte dazu vorrangig besicherte Anleihen im Wert von 3,1 Mrd. Dollar (2,0 Mrd Euro).

In Mailand verloren Telecom Italia vor Zahlen 3,70 Prozent auf 1,5 890 Euro. Das Unternehmen hat nach Einschätzung von Analysten in 2007 wegen der nachlassenden Wachstumsdynamik in Brasilien und der starken Konkurrenz im Inland weniger verdient. Der Umsatz dürfte dagegen leicht zugelegt haben. Die Zahlen werden noch an diesem Abend erwartet.

Aktien von International Power setzten sich in London nach Zahlen mit plus 6,65 Prozent auf 385,00 Pence an die "Footsie"-Spitze. Analysten bezeichneten die Zahlen als solide, der Ausblick sei optimistisch. Die Analsten von Cazenove bestätigten die Titel in einer ersten Reaktion mit "Outperform".

Unterdessen rutschten British Airways am Indexende um 7,55 Prozent auf 245,00 Pence ab. Händler verwiesen auf die Aussagen zur operativen Marge als Begründung. Die britische Fluggesellschaft rechnet für 2008/09 mit einer Marge von sieben Prozent - vor einem Monat seien noch zehn Prozent angepeilt worden.

In der Schweiz büßten Titel der UBS 4,65 Prozent auf 30,74 Franken ein. Ursprünglich kursieren am Markt Spekulationen, wonach die Großbank ihre Engagements im Alt-A-Bereich oder Teile davon mit einem Abschlag von bis zu 30 Prozent zum ursprünglichen Nominalwert an die amerikanische Pimco verkauft habe. Eine teilweise als Dementi aufgefasste Aussage einer nicht bekannten Pimco-Quelle sorgte im Nachmittagshandel nur für eine kurze Erholung. Diese Quelle hatte gegenüber dem US-Sender Cnbc - angesprochen auf den möglichen Kauf der UBS-Alt-A-Engagments über gut 25 Mrd. - gesagt, dies sei eine Übertreibung. Die Analysten von Jpmorgan hielten einer aktuellen Studie zufolge einen Verkauf für wahrscheinlich, rechnen dementsprechend mit einem weiteren Abschreibungsbedarf von 3,5 Mrd. Franken und kürzten daher das Kursziel von 56 auf 55 Franken.

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