Fed-Entscheid Zinswende – was nun?

Die US-Notenbank hat erstmals seit neuneinhalb Jahren die Zinsen erhöht. Die Anleger reagierten zumindest kurzfristig gelassen. Doch wie geht es weiter – und was bedeutet das für die Märkte? Ein Überblick.
9 Kommentare

Zinswende: Genau richtig, oder viel zu spät?

FrankfurtAuf kaum etwas haben Investoren so lange gewartet wie auf die Zinserhöhung der US-Notenbank Fed. Thema wurde sie erstmals im Mai 2013. Dabei deutete die Fed zu dieser Zeit lediglich an, dass die lockere Geldpolitik nicht ewig andauern könne. Das war damals ein Schock für die Märkte. Die Aktienkurse weltweit brachen ein, die Schwellenländerwährungen gerieten unter Druck, und die Kurse von Anleihen stürzten ab, entsprechend stiegen ihre Renditen. Dabei war die Aussage des damals amtierenden obersten US-Notenbankers Ben Bernanke vergleichsweise banal – Bernanke bezog sich lediglich auf ein mögliches Auslaufen der massiven Anleihekäufe, von Zinserhöhungen war da noch keine Rede.

Inzwischen hat sich die Lage – zumindest auf den Märkten der Industrieländer – beruhigt. Die Fed kauft schon lange keine neuen Anleihen mehr, und Bernankes Nachfolgerin Janet Yellen hat nun am gestrigen Mittwoch den US-Leitzins tatsächlich erhöht, um 0,25 Prozentpunkte. Der US-Leitzins liegt liegt jetzt in einer Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent. Seit Dezember 2008 lag der Zins in einer Bandbreite zwischen null und 0,25 Prozent – was meist einfach als Nullzins bezeichnet wurde. Eine Zinserhöhung in den USA gab es zuletzt Ende Juni 2006.

Den Märkten in den USA und in Europa machte das nicht zu schaffen. Im Gegenteil: Die Aktien an der Wall Street stiegen, und auch in Europa legten die Börsen kräftig zu. Die Renditen der US-Anleihen stiegen nur ganz leicht. Im Euro-Raum gingen die Renditen sogar zurück.

Die positive Reaktion der Märkte liegt auch daran, dass die Zinswende alles andere als unerwartet kam. Noch am Donnerstag hatten fast 80 Prozent der Investoren eine Zinserhöhung um einen Viertel Prozentpunkt erwartet. Das lässt sich an den sogenannten Fed-Fund-Futures an den Terminmärkten ablesen. Fed-Chefin Janet Yellen hatte die Märkte seit Wochen auf die Zinserhöhung vorbereitet. „Es wäre ein katastrophaler Kommunikations-Reinfall gewesen, wenn die Fed die Zinsen nicht erhöht hätte“, meint Luke Bartholomew, Fondsmanager Aberdeen Asset Management. Ökonomen sehen da ähnlich: „Der Zinsschritt der Fed war überfällig“, sagen Ökonomen wie Clemens Fuest, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung.

Doch wie wirken Zinserhöhungen überhaupt? Leitzinsen sind die Kosten zu denen sich Banken bei Zentralbanken kurzfristig Geld leihen können. Erhöhen sich die Leitzinsen, werden die Kredite für Banken teurer. Denn in der Regel geben die Banken die höheren Zinskosten weiter: Unternehmen, und auch Privatleute müssen dann mehr für ihre Kredite zahlen. Das gilt nicht nur für Kredite von Banken, sondern auch für den Markt für kurzfristige Anleihen, wo Investoren Staaten und Unternehmen über festverzinsliche Wertpapiere Geld leihen.

Sparen wird sich wieder lohnen
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Fed-Entscheid - Zinswende – was nun?

9 Kommentare zu "Fed-Entscheid: Zinswende – was nun?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • .............was soll nun sein?.........das Abwarten auf den großen Knall?......ist doch zwischenzeitlich so viel Geld in Umlauf......daß selbst die eingefleischten Oguren sich taub stellen.....wissen sie, wie die profunden Kenner der Szene......daß das auf Dauer nicht gut gehen kann....und was zurückliegend durch Herrn Dragi entschieden wurde......ist doch die Bewirtschaftung des europäischen Ackers durch ihn nicht in der gewünschten deutschen Auffassung erfolgt......läuft Jens Weidmann deutsches Direktoriums-Mitglied von Anbeginn ungehört gegen die Wand......so ist es nur noch eine Frage der Zeit, daß der Tanker mit der europäischen Währung leck schlägt und die Ladung nicht mehr gelandet werden kann......und so ist es vonnöten, daß dringend zwingend als Nächstes ein deutscher Profi-Banker ans Steuer muß......ist Deutschland doch der Garant für die uneingeschränkte Linienführung des Geldes....bedeutet, daß die Politik sich im Gremium dafür durchsetzen muß..... für immer einen deutschen Banker ans Ruder zu lassen......
    War einmal die DM nach dem Dollar die Ersatzwährung in der Welt......weil sie so stabil....beliebt und vor allen Dingen vertrauenswürdig war......Ist doch Vertrauen, das wichtigste Merkmal innerhalb der menschlichen und fachlichen Kommunikation.....und das hatte bestand.....und so müssen wir nun still halten und abwarten was kommt.....in der Hoffnung, daß es halbwegs gut gehen möge......

  • Portfoliomanager und Vermögensverwalter. Meinen Sie Fallmanager ?

  • Rainer von Horn@
    Welcher EU-Vertrag wird nicht unterlaufen ? Schätze das gibt eine kurze Liste.
    Diese EU ist mafiös und gehört aufgelöst.

  • ..........................................................................................................................................

  • Vor dem Hintergrund, dass die BANCA D‘ITALIA und die BANQUE DE FRANCE über Anfa (Agreement on Net-financial Assets), wohinter nichts anderes als die Umgehung aller Maastricht-Kriterien steckt, Staatsdefizite verdeckt über die Notenbanken finanzieren., womit sämtliche Stabilitätskriterien unterlaufen werden, ist die Zinswende doch nichts weiter, als ein laues Lüftchen, welches in Europa ohnehin in den nächsten Jahren noch nicht stattfinden wird und in den USA nur vorgetäuscht wird.

  • Fazit meines Portfoliomanager und Vermögensverwalter, Produktivkapital/vermögen (Aktien) bleiben auch weiterhin die bevorzugte Asset-Klasse bei der Altersvorsorge und der Vermögensbildung/-erhalt. Variieren kann dabei lediglich die Aktienquote bzw. %-Gewichtung in einem gut diversifizierten und strukturierten Wertpapier- und Immobilien-Portfolio.

    Wer dies anders sieht, und weiterhin wie der finanzanalphabetische Michel, Milliarden sinnlos auf Sparkonten und TG bunkert, wird später an Altersarmut leiden und auf staatliche Almosen angewiesen sein bzw. auf Dauer reale Vermögensverluste erleiden und auch der nächsten Generation kein finanziell sorgenfreies Leben vererben.

  • Fazit meines Portfoliomanager und Vermögensverwalter, Produktivkapital/vermögen (Aktien) bleiben auch weiterhin die bevorzugte Asset-Klasse bei der Altersvorsorge und der Vermögensbildung/-erhalt. Variieren kann dabei lediglich die Aktienquote bzw. %-Gewichtung in einem gut diversifizierten und strukturierten Wertpapier- und Immobilien-Portfolio.

    Wer dies anders sieht, und weiterhin wie der finanzanalphabetische Michel, Milliarden sinnlos auf Sparkonten und TG bunkert, wird später an Altersarmut leiden und auf staatliche Almosen angewiesen sein bzw. auf Dauer reale Vermögensverluste erleiden und auch der nächsten Generation kein finanziell sorgenfreies vererben.

  • ...für den Normalbürger: Geld regiert die Welt.

  • Zentralplanerische Zentralbanken sind für die Boom- and-Bust-Konjunkturzyklen und die größten Wirtschaftskatastrophen des 20. und 21. Jahrhunderts ursächlich verantwortlich - allen voran die Fed:
    "Was die Fed in den letzten 30 Jahren betrieben hat, ist eine Weltkatastrophe." (Roland Baader)
    Wenn man die Zentralplaner nicht entmachtet und die Zentralbanken abschafft (-> Ron Paul: "End the Fed!"), wird die Katastrophe zwangsläufig eskalieren (und selbstverständlich wird das nicht geschehen).
    Zum Zins-Trick der Fed:
    Letzte Woche nach der EZB-Sitzung hatte ich Folgendes geschrieben:
    "Da sind die EUR-Shorties heute aber in einen wunderschönen Short Squeeze reingerannt. ;-)) Wenn die Zombie-Währung Euro gegen die (bei Deflation starke) WeltleiDwährung an einem Tag um über 3 Cent zulegt, dann ist das schon eine Hausnummer.
    Aufgrund des (neuen) Currency Carry Trades saugt ein stark gegen den USD steigender EUR auch noch massiv Kurzfrist-Liquidität aus dem System ab.
    Was kehrt das Ganze nochmal um? Eine (klitzekleine) Zinserhöhung der FED, wodurch diese ihre "Glaubwürdigkeit" (beim Markt, nicht bei mir) behält.
    Handlanger Mario Drucki tut nämlich auch garantiert nichts ohne Einverständnis seiner tatsächlichen Herren... "
    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/dax-gibt-nach-euro-steigt-draghi-verliert-seine-zauberkraefte/v_detail_tab_comments/12676036.html
    Ich hoffe, dass gestern Einige schlauer waren und sich richtig positioniert haben, um sich ihr Weihnachtsgeld abzuholen.
    Die - im Wortsinne - größten Kapitalverbrecher auf Erden muss man nämlich bluten lassen.
    Was die Fed gestern abgeliefert hat, ist nichts anderes als ein ganz übler Schwindel - und die englische Sprache hat dafür sogar noch eine viel, viel treffendere Bezeichnung: CONFIDENCE-TRICK. Tatsächlich wird das auch das Ende des Vertrauens in die Fed einleiten, und das bedeutet gleichzeitig das Ende des Vertrauens in die von ihr emittierte Monopoly-Währung:
    https://www.youtube.com/watch?v=3bNfFNGX9eg

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%