Fifa drückt Börse Blatter-Rückzug lässt Aktienkurse in Katar stürzen

Die Kurse an der katarischen Börse sind am Mittwoch eingebrochen. Die Investoren fürchten, dass der Rückzug von Fifa-Präsident Joseph Blatter den Verlust der für 2022 im Land geplanten Weltmeisterschaft bedeuten könnte.
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Blatters Rücktritt reicht nicht

DohaKatarische Aktien sind nach dem ankündigten Rücktritt von Fifa-Präsident Joseph Blatter am Mittwoch gefallen. Die Enstscheidung des Chefs des Weltfußball-Verbandes weckte Sorgen, dass der Golfstaat das Austragungsrecht an der Fußball-WM im Jahr 2022 verlieren könnte.

Der QE Index fiel um bis zu 3,2 Prozent, der höchste Verlust an einem Tag seit März, bevor er einen Teil der Verluste wieder wettmachte. Blatter hatte am Dienstagabend seinen Rücktritt angekündigt – eine Woche nachdem US-Ermittler und Schweizer Behörden Ermittlungen gegen Fifa-Offizielle eingeleitet hatten. Die Schweizer Behörden prüfen die Rechtmäßigkeit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften an Russland (2018) und Katar.

„Derzeit entwickelt sich der Markt in Korrelation zu Nachrichten von der Fifa“, sagte Tariq Qaqish, ein Fondsmanager von Al Mal Capital PSC in Dubai. „Es gibt zwar keine wirkliche Bestätigung, dass ein neuer Präsident den Verlust des Gastgeberrechts bedeuten könnte, aber die Unsicherheit schafft eine Menge Sorgen und drückt den Markt.“

Keine Lichtgestalt für die Fifa in Sicht
Joseph Blatter
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Nach dem Rücktritt des Fifa-Chefs sprießen die Gerüchte um seine Nachfolge: Viele Namen werden genannt, doch kaum ein gehandelter Kandidat erscheint realistisch auf dem Fußballthron. Außerdem bietet kaum einer der potenziellen Fußballkönige einen wirklichen Neuanfang. Die Kandidaten.

Zwei Kandidaten
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Ein Team? Fifa-Päsident Sepp Blatter (Mitte) mit Uefa-Chef Michel Platini (links) und Franz Beckenbauer 2007 bei einem Benefizspiel der Fifa: Die Liste der möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Blatter ist jedoch viel länger und vielfältiger.

Franz Beckenbauer
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Seine Popularität nutzte der „Kaiser“ bereits, um die WM 2006 nach Deutschland zu holen – auf ihn als Präsidenten könnte sich die Fußball-Welt sicher einigen. Als Exko-Mitglied war er allerdings bei der skandalumwitterten WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 im Dezember 2010 beteiligt. Ob er überhaupt antreten würde, ist fraglich.

Uefa-Chef Michel Platini
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Michel Platini steht seit 2007 an der Spitze der Uefa, des europäischen Fußballverbands. Doch eine weltweite Unterstützung für den zuletzt Blatter-kritischen Platini erscheint zumindest derzeit fraglich. Denn er ist vorbelastet: Schließlich war er an der Vergabe der WM nach Russland beteiligt. Außerdem ist sein Sohn für Katar aktiv. Und er war lange ein enger Vertrauter von Blatter, also Teil des alten Fifa-Systems. Dennoch stehen die Chancen für einen europäischen Kandidaten nicht schlecht...

Wolfgang Niersbach
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DFB-Chef Wolfgang Niersbach (64) spielt sich mit solchen Sätzen auch nicht gerade in den Vordergrund: „Das ist noch alles so frisch, ich gehe davon aus, dass diese neue Situation auch ganz neu bewertet werden muss“, sagte Niersbach nach dem Blatter-Rückzug. Dabei müsse man sich auch mit der Frage beschäftigen, ob Europa und die UEFA „einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken“. Er selbst ist damit ja wohl nicht gemeint. Wer dann?

Luis Figo
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Im Vorfeld der Wiederwahl Blatters am vergangenen Freitag hatte der ehemalige Weltfußballer Luis Figo (42) eine Kandidatur vorbereitet – diese dann aber, genau wie der Niederländer Michael van Praag, zurückgezogen. „Wir sollten verantwortlich und ruhig eine gemeinsame weltweite Lösung finden finden.“ Mit dieser unschlüssigen Haltung hat er öffentlich jedenfalls nicht gepunktet.

Prinz Ali bin Al Hussein
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Prinz Ali hatte die Wahl zum Fifa-Präsidenten am Freitag mit 73:133 Stimmen gegen Blatter verloren. Theoretisch steht er nach dem Rücktritt des Schweizers zwar für Neuwahlen bereit. Ex-DFB Chef Theo Zwanziger hält den jordanischen Prinzen Ali bin Al Hussein (39) aber für keinen geeigneten Nachfolger Blatters. „Das ist ein junger, relativ unerfahrener Mann, der in dem gleichen System, was vorher bestand, von den Konföderationen gesteuert worden wäre.“

Katar gibt umgerechnet etwa 180 Milliarden Euro aus für Infrastrukturprojekte in Vorbreitung auf das weltweit von den meisten Fernsehzuschauern verfolgte Ereignis. Die Wahl Katars hatte eine Kontroverse ausgelöst, da es dem Land an Fußball-Tradition mangelt und dort im Juni und Juli extrem hohe Temperaturen herrschen – also in den Monaten, in denen das Turnier eigentlich veranstaltet wird. Die Fifa hatte unter Blatter den Termin auf kühlere Monate verschoben, was viele Fußball-Verbände zur Reorganisation ihrer Terminpläne zwingt.

Um 11 Uhr Ortstzeit lag der Aktienmarkt in Katar 1,3 Prozent im Minus bei 12.029 Punkten. Ein Sprecher des katarischen WM-Organisationskomittee wollte keine Stellung nehmen zum Blatter-Rücktritt. Er sagte lediglich, dass dies eine andere Angelegenheit als die des Gastgeberrechts sei.

  • Bloomberg
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