Finanzkrise
Untergangsstimmung an den Weltbörsen

Die Lehman-Pleite hat die Börsen weltweit kräftig durcheinander gewirbelt. Nachdem der Dow Jones am Montag mit dem größten Tagesverlust seit Juli 2002 geschlossen hatte, schmierten am Dienstag auch in Asien die Kurse dramatisch ab. Und ein Ende der Misere ist nicht in Sicht. Weil der weltgrößte Versicherer AIG am Abgrund balanciert, droht die nächste Hiobsbotschaft.

TOKIO/NEW YORK. An der Wall Street sackten die Kursen so deutlich ab wie zuletzt nach den Terroranschlägen vom 11.September 2001; 4,42 Prozent verlor der Dow Jones auf 10 917,51 Punkte. Auch in Japan und an den anderen Börsen in Asien und im Pazifikraum rutschten die Kurse ab. Neben dem japanischen Nikkei stürzten auch die Börsen in Australien, in Südkorea, Singapur und Hongkong ab. In Tokio fiel der 225 führende Werte umfassende Nikkei gleich zum Handelsauftakt erstmals seit März unter die psychologisch wichtige Marke von 12 000 Punkten. Der Leitindex brach zeitweise um mehr als fünf Prozent ein. Am Montag war die Börse wegen eines Feiertags geschlossen.

In Frankfurt fiel der deutsche Leitindex Daxzur Handelseröffnung deutlich unter die Marke von 6 000 Punkten. Kurz nach Handelsstart betrug das Minus 1,6 Prozent auf 5 965 Punkte, womit er nur knapp über dem am Vortag erreichten Zwei-Jahres-Tief von 5 942 Zähler notierte. Vor allem die Bankenwerte gerieten unter Druck. Die Aktien der Allianz fielen um fast fünf Prozent, der der Deutschen Bank um über drei Prozent und die der Commerzbank um über sechs Prozent. Der Stoxx-Banken-Index fiel um über zwei Prozent, der Stoxx-Versicherer-Index um 2,5 Prozent.

Der deutsche Bundesbankpräsident Axel Weber nannte Ängste vor noch größeren Turbulenzen in Deutschland unbegründet. "Eine Sorge um die Stabilität des deutschen Finanzsystems oder der deutschen Bankenwelt ist überhaupt nicht gerechtfertigt", sagte er am Montagabend in den ARD -"Tagesthemen". Er wolle ein "Signal der Entspannung" setzen. "Aufgeregtheit ist nicht angezeigt", sagte Weber.

Mit Spannung wird am Dienstag die weitere Entscheidung der US-Noten zur Zinspolitik erwartet. Die Fed könnte nach der jüngsten Zuspitzung der US-Finanzkrise nach Einschätzung einiger Ökonomen am Abend ihren Leitzins doch weiter senken. Der Zielsatz für Tagesgeld könnte laut einigen Experten von 2,00 Prozent auf 1,75 Prozent sinken. Diese Zinssenkung gilt jedoch keineswegs als sicher.

Nach der Insolvenz der traditionsreichen US-Investmentbank Lehman Brothers rückt am Dienstag zudem der angeschlagene Versicherungskonzern AIG (American International Group) in den Blickpunkt. Die AIG-Aktie brach am Montag um mehr als 60 Prozent auf 4,76 Dollar ein. Dies und die Herabstufung durch die drei wichtigsten Ratingagenturen der Welt verschärfte die Probleme bei der Kapitalsuche. Medienberichten zufolge benötigt der angeschlagene Riese rasch zwischen 40 und 75 Mrd. Dollar an Kapitalspritzen und Krediten. In Frankfurt sackten die Titel am Dienstag weiter um elf Prozent ab.

Auch die größte US-Sparkasse, Washington Mutual, kämpft mit schweren Problemen und gilt als Übernahmekandidat. Die Aktien der Sparkasse fielen am Montag um fast 27 Prozent auf nur noch zwei Dollar.

Gespannt erwarten die Anleger an diesem Dienstag die Quartalszahlen der führenden Investmentbank Goldman Sachs. Analysten rechnen zwar mit einem deutlichen Gewinneinbruch, aber mit keinen roten Zahlen. Dies könnte zur Entspannung der Lage beitragen.

Die japanische Zentralbank versuchte unterdessen am Dienstag, die Märkte zu stabilisieren. Am Montag hatten bereits die Notenbanken in Europa eingegriffen. Die Bank of Japan pumpte 1,5 Billionen Yen (10 Mrd. Euro) in den Geldmarkt. Notenbankgouverneur Masaaki Shirakawa erklärte, sein Institut werde sich weiterhin bemühen, die Märkte zu stabilisieren. Die Bank von Japan (BoJ) begann am selben Tag unter dem Eindruck der Krise in den USA ihr zweitägiges Zentralbankratstreffen. Ökonomen erwarten, dass die Notenbank ihren Zinssatz von 0,5 Prozent unverändert lässt.

Die sich extrem verschärfende Kreditkrise sei sehr bedrohlich für das globale Finanzsystem, kommentiert die LBBW die jüngsten Entwicklungen in den USA.

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