Finanzmärkte
Bin Ladens Tod hält Märkte nur kurz in Atem

Kurzzeitig sah es danach aus, als ob die Nachricht vom Tod bin Ladens die Märkte beflügeln würde. Doch der "Erleichterungsfaktor" verpuffte schnell.
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New York/Frankfurt

Der Tod Osama bin Ladens hat weltweit nur kurzzeitig zu steigenden Aktienkursen und sinkenden Ölpreisen geführt - Euphorie brach nicht aus. "Alle fühlen sich ganz gut nach der Nachricht. Eine große Auswirkung auf die Wirtschaft wird sie aber nicht haben", sagte Jerry Harris vom Finanzmakler Sterne Agee in den USA. Zwar gab es am Montag zu Handelsbeginn an den Aktienmärkten in New York ein kurzes Strohfeuer, in Frankfurt sogar anfängliche Kursanstiege von einem Prozent. Im Verlauf schmolzen die Zugewinne aber ab. Der Dollar büßte seine Gewinne zum Euro gar komplett wieder ein. Die Tötung bin Ladens sei für die Entwicklung am Markt einfach zu unbedeutend, sagte Marcus Hettinger von der Credit Suisse. Die Preise für die als "Sicherer Hafen" geltenden US-Staatsanleihen sanken, weil geopolitische Risiken für die Anleger zunächst nur noch eine etwas untergeordnetere Rolle spielten.

US-Spezialkräfte haben bin Laden nach US-Angaben ein Jahrzehnt nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad erschossen. In die Erleichterung am Markt über den Tod des meist gesuchten Mannes der Welt mischten sich aber Sorgen vor neuen Anschlägen, die von den Taliban bereits angedroht wurden.

An den US-Aktienbörsen notierten die wichtigsten Indizes Dow-Jones und S&P-500 am Montagabend kaum verändert. Der Index der Technologiebörse Nasdaq lag gar im Minus. Zu Handelsbeginn hatte die Wall Street noch freundlicher tendiert. Dazu hatten auch Fusionsspekulationen beigetragen. So kündigte der israelische Pharmakonzern Teva an, seinen US-Rivalen Cephalon für knapp sieben Milliarden Dollar zu kaufen. In Tokio rückte der Nikkei-Index 1,6 Prozent vor. In Deutschland ging der Dax 0,2 Prozent fester mit 7527 Punkten aus dem Handel, nachdem er kurzzeitig sogar über 7600 Stellen gesprungen war. Der Aktienstratege Wolfgang Duwe von der der Bremer Landesbank sagte, er bezweifele, dass bin Ladens Tod an den deutschen Märkten längere Zeit Wirkung entfalte. "Politische Börsen haben in der Regel kurze Beine." Für steigende Kurse dürften aber weiterhin das im Markt reichlich vorhandene Geld und gute Unternehmensergebnisse sorgen. Auch dem Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen zufolge dürfte bin Ladens Tod an den Finanzmärkten weniger Spuren hinterlassen als die Revolution in der arabischen Welt. Zwar könne es kurzfristig etwas mehr Nervosität und Spannung geben. Entscheidender seien aber die politischen Umwälzungen in Nordafrika und Nahost. "Das ist noch längst nicht zu Ende. Das wird sich fortsetzen."

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