Finanzmärkte Bond-Aktien-Konflikt hat gerade begonnen

Das Tauziehen zwischen Aktien und Anleihen steht im Mittelpunkt der Finanzmärkte. Der US-Inflationsbericht könnte der Schlüssel für die nächste Phase sein.
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An den Finanzmärkten wird gespannt der US-Inflationsbericht in dieser Woche erwartet. Quelle: dpa
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An den Finanzmärkten wird gespannt der US-Inflationsbericht in dieser Woche erwartet.

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Scheinbar jedes Mal, als sich die 10-jährige Rendite der US-Staatsanleihen in der vergangenen Woche einem Vier-Jahres-Hoch näherte, gerieten Aktienanleger in Panik. Für sie tauchte dann das Gespenst einer höheren Inflation und aggressiverer Zinserhöhung der Federal Reserve auf.

Ob sich Treasuries nun in einem Bärenmarkt befinden oder nicht, der Anstieg der Renditen Anfang 2018 hat dazu geführt, dass Anleger den Wert von Aktien und Unternehmensanleihen neu bewerten. Gewinne waren leicht zu erzielen als die 10-jährige Rendite in der engsten Spanne seit einem halben Jahrhundert gehandelt wurde, die Inflation gedämpft blieb und die Volatilität an den Finanzmärkten Rekordtiefs erreichte. Gewinne sind schwieriger, wenn niedrige Zinsen – Dreh- und Angelpunkt der Erholung nach der Krise – anfangen zu verschwinden.

„Was jetzt passiert, ist nur die Preisfindung zwischen Anleihen und Aktien – wie weit kann der Rentenmarkt die Renditen hochtreiben, bevor der Aktienmarkt Risse bekommt“, sagt Stephen Bartolini, Portfoliomanager bei T. Rowe Price. „Die große Gefahr in den Risikomärkten ist, dass wir eine hohe VPI-Zahl bekommen und die Sorge bestätigt wird, dass die Inflation zurückkehrt und sich die Federal Reserve schneller bewegen muss.“

Die Konzentration auf die Inflation ist nichts Neues, wurde aber noch wichtiger nach Zahlen vom 2. Februar, denen zufolge die durchschnittlichen Stundenlöhne in den USA im Januar mit dem schnellsten Tempo seit 2009 gestiegen waren. Das trug zum Einbruch an den Aktienmärkten bei.

Das Lohnwachstum wurde als das fehlende Glied in einer wirtschaftlichen Erholung gesehen, die die Arbeitslosenquote auf das niedrigste Niveau seit 2000 fallen ließ. Da die Inflation sich zu beschleunigen scheint, preisen die Händler für dieses Jahr mehr als zwei Zinserhöhungen durch die Fed ein. An einem Punkt in diesem Monat, vor dem Abschmelzen der Aktienmärkte, waren die Händler praktisch synchron mit der Projektion von drei Zinserhöhungen durch die Geldpolitiker für das Jahr 2018.

Fügt man zu der Mischung noch umfangreichere Treasuries-Emissionen hinzu, könnten höhere Renditen auf der Hand liegen – vielleicht zum Kummer des Aktienmarktes.

Allerdings gibt es auch Bond-Bullen, die das ziemlich skeptisch sehen.

„Der Treasury-Markt preist die bärischsten Szenarien ein, die für 2018 auf der Agenda standen, und immer noch bleiben die 10-jährigen Renditen hartnäckig unter drei Prozent“, schrieben die Strategen von BMO Capital Markets um Ian Lyngen und Aaron Kohli in einer Einschätzung vom 9. Februar. Sie sehen ein höheres Risiko, dass die Renditen in den nächsten Monaten wieder sinken denn steigen.

Allem Händeringen zum Trotz sind die marktbasierten Erwartungen für den Anstieg der Verbraucherpreise in den nächsten zehn Jahren gefallen. Und der US-Verbraucherpreisindex (VPI) dürfte sich im vergangenen Monat auf Jahresbasis abgeschwächt haben.

Das Risiko sind natürlich starke VPI-Zahlen. Das könnte die 10-jährige Rendite von derzeit 2,82 Prozent in Richtung drei Prozent treiben, meinen die BMO-Analysten. Zumindest einige Spekulanten erwarten ein solches Ergebnis: Block-Trades in Puts auf 10-jährige Treasury-Futures wiesen am Freitag auf Nachfrage nach Schutz vor Renditen hin, die bis zum 23. März auf dieses Niveau steigen.

Jim Platz, der den inflationsbereinigten Anleihenfonds von American Century Investments mit 3,1 Milliarden US-Dollar Anlagevolumen mitbetreut, warnt davor, auf einen Inflationsbericht über zu reagieren. Drei-Monats-Durchschnittswerte seien aussagekräftiger, sagt er. Er geht davon aus, dass der Verbraucherpreisindex bis April auf 2,4 Prozent steigen wird, nach der Prognose von 1,9 Prozent für Januar.

Eine längerfristige Sichtweise ist wahrscheinlich vernünftig. Aber wie die Märkte letzte Woche bewiesen haben, könnte das jetzt zu viel verlangt sein.

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