Finanztitel leiden
Northern Rock belastet Europas Börsen

Die europäischen Börsen sind mit Kursverlusten ins Wochenende gegangen. Ein stabiler als erwartet verlaufender US-Handel reichte am Freitag nur zu einer deutlichen Erholung von den Tiefstständen, der Sprung in die Pluszone gelang nicht.

dpa-afx PARIS/LONDON. Verantwortlich für die im Vergleich zum Vortag eingetrübte Börsenstimmung seien vor allem negative Nachrichten aus dem Finanzsektor gewesen, sagten Marktteilnehmer. Neben einer Studie der Societe Generale habe vor allem der britische Hypothekenfinanzierer Northern Rock belastend im Fokus gestanden.

Der Londoner Ftse 100 gehörte mit einem Abschlag von 1,17 Prozent auf 6 289,30 Zähler so zu den schwächsten Indizes in Europa. Im Tief ging es gar bis auf knapp 6 209 Zähler nach unten. Der europäische Leitindex Eurostoxx 50 verlor 0,65 Prozent auf 4 221,34 Zähler, erholte sich damit indes ebenfalls deutlich vom Tagestief bei 4 191,50 Punkten. Im Wochenvergleich verblieb ein Anstieg von 1,4 Prozent. Der auch Schweizer und britische Werte umfassende Stoxx 50 rutschte um 1,11 Prozent auf 3 723,39 Zähler. Der Euronext 100 gab um 0,38 Prozent auf 989,65 Punkte nach. In Paris ging es für den CAC 40 um 0,49 Prozent auf 5 538,92 Punkte nach unten.

An der Börse in London stürzten die Aktien von Northern Rock um 31,46 Prozent auf 438,00 Pence ab. Börsianer zeigten sich geschockt, dass das wegen der Kreditkrise in Finanzproblemen steckende Finanzinstitut Liquidität aus einem Notfallfonds von der Bank of England (BoE) benötigt. Der Umfang der Hilfsleistungen werde aber nicht höher als die zur Verfügung stehenden Sicherheiten sein, betonte Northern-Rock-Chef Adam Applegarth. Darüber hinaus bewerteten die Börsianer die neuerliche Gewinnwarnung negativ: Der Vorsteuergewinn soll nach 588 Mill. Pfund im Vorjahr im laufenden Jahr nur noch zwischen 500 und 540 Mill. britischen Pfund betragen. Analysten sehen Northern Rock zwar nicht vor einem Zusammenbruch, senkten aber ihre Bewertungen und Kursziele.

In der Folge gerieten auch andere Finanztitel unter Druck. So rutschten Aktien von Bradford & Bingley um 7,70 Prozent auf 329,75 Pence ab. Alliance & Leicester sanken um 6,88 Prozent auf 873,00 Pence und Papiere von Barclays verbilligten sich um 3,09 Prozent auf 596,00 Pence.

Darüber hinaus drückten negative Analystenkommentare von Societe Generale bei den Finanzwerten auf die Stimmung. So senkte die Bank die Bewertung der Titel von Natixis und der Credit Suisse Group von "Hold" auf "Sell". Aktien der französischen Bank Natixis gaben 3,98 Prozent auf 14,71 Euro ab, und für die Anteilscheine des Schweizer Bankkonzerns ging es um 1,67 Prozent auf 76,45 Schweizer Franken nach unten. Grund für die geänderten Bewertungen sei eine vorsichtigere Einschätzung des Investmentbankgeschäfts der beiden Finanzinstitute, schrieben die Analysten Alan Webborn und Fabrice Theveneau.

Auch im Eurostoxx 50 dominierten Kursverluste der Bank das Bild. Besonders betroffen waren Allied Irish Banks (AIB) , Societe Generale und Unicredit - letztere mit einem Minus von 2,24 Prozent auf 5,8 150 Euro als Indexschlusslicht. Stabil hielten sich dagegen vor allem Versorgertitel. Suez kletterten mit plus 1,41 Prozent auf 38,84 Euro an die Spitze des Leitindex für den Euroraum.

Papiere von British Airways verloren in London 2,74 Prozent auf 382,25 Pence. Nachdem Morgan Stanley bereits am vergangenen Mittwoch das Kursziel für die Fluggesellschaft reduziert hatte, zog am heutigen Freitag die UBS nach. Das Bankhaus senkte das Ziel von 650 auf 620 Pence und bestätigte die Einschätzung "Buy". Die Bankenkrise könne sich negativ auf die künftigen Buchungszahlen auswirken, schrieb Analyst Tim Marshall in einer aktuellen Studie.

Anteilscheine von Cadbury Schweppes gaben um 1,28 Prozent auf 580,00 Pence nach. Der Süßwaren- und Getränke-Hersteller hat einem Bericht der "Financial Times" zufolge ein zweites, 6,4 bis 6,9 Mrd. Pfund schweres Angebot eines Konsortiums der privaten Beteiligungsgesellschaften Blackstone , KKR und Lion Capital für seine Getränkesparte zurückgewiesen.

Aktien von Ericsson hielten sich mit minus 0,68 Prozent auf 26,24 Schwedische Kronen vergleichsweise stabil. Die Europäische Kommission hat die Übernahme des deutschen Software-Hauses LHS durch den Netzausrüster genehmigt.

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