Finanzwerte stark nachgefragt
Dax spürt nur kleinen „Merkel-Effekt“

Der deutsche Aktienmarkt hat die mit Spannung erwartete Lösung der Kanzlerfrage am Montag vergleichsweise gelassen aufgenommen. Zwar dominierten auf den Kurszetteln eindeutig die Pluszeichen, eine überschwängliche Reaktion blieb aber aus. Versicherungs- und Finanzwerte waren besonders gesucht.

HB FRANKFURT. Der Dax stieg um 0,73 % auf 5045 Punkte. Der MDax der wichtigsten Nebenwerte kletterte um 0,83 % auf 7029 Punkte. Der TecDax notierte 0,84 % höher bei 605 Punkten. Händler und Analysten stimmten mehrheitlich überein, dass die Einigung auf eine Große Koalition mit einer Regierungschefin Angela Merkel (CDU) zwar generell positiv für die Börse, aber keinesfalls überraschend gewesen sei.

Aktienhändler Ascan Iredi von der Postbank machte nur einen kleinen "Merkel-Effekt" in den Aktienkursen vom Montag aus. Dem stimmte Aktienstratege Michael Köhler von der Landesbank Rheinland- Pfalz (LRP) zu: "Ich denke nicht, dass das noch jemanden überrascht hat", sagte er. Neben dem stimmungsfördernden Einfluss durch den beendeten Streit um den Kanzlerposten hätten auch die Gewinne an den New Yorker Börsen vom Freitag geholfen. Mehrere positive Analystenstudien zu wichtigen deutschen Werten hellten Börsianern zufolge die Stimmung am Markt zusätzlich auf.

Der Leiter der Wertpapierstrategie bei der Commerzbank, Hans-Jürgen Delp, nannte die jüngsten Meldungen aus Berlin "leicht positiv, aber ohne großen Einfluss" auf die Kurse. Die Nachrichten seien ein bisschen in den Kursen vom Montag zu sehen. Grundsätzlich positiv sei etwa, dass die Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD schnell über die Bühne gegangen seien. Auch dürften nun die Reformideen der Union in die künftige Regierungsarbeit einfließen.

BHF-Chefvolkswirt Uwe Angenendt erwartet von der Großen Koalition unter Merkel keinen großen Wachstumsimpuls für Deutschland. "Man darf den Einfluss der Politik auf die Konjunktur nicht überschätzen", betonte Angenendt. Wichtiger sei ein passendes außenwirtschaftliches Umfeld, etwa durch günstige Ölpreise.

Nach den "nicht gerade Vertrauen erweckenden Diskussionen" in den letzten drei Wochen sei die Entscheidung an sich schon positiv, hieß es zwar bei vielen Banken. Vor allem komme es den Finanzmärkten aber darauf an, dass der Reformprozess beschleunigt fortgesetzt werde. "In einer großen Koalition geht es nicht darum, wer oben steht, sondern wie die vielen Fragen inhaltlich geregelt werden", fasste Thomas Meier von der Fondsgesellschaft Union Investment die Marktreaktion zusammen.

Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus Steubing verwies darauf, dass einige Börsianer über die Besetzung der Ministerien enttäuscht sein könnten. "Wie es jetzt aussieht, wird die SPD alle Schlüsselministerien bis auf das Innenressort besetzen. Das ist nicht die Konstellation, auf die viele gehofft hatten." Der Präsident des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann sagte: "Das sieht auf den ersten Blick sehr sozialdemokratisch aus." Skepsis über das Reformtempo drückte am Nachmittag den Euro unter 1,21 Dollar.

Analysten erachten vor allem die Senkung der Lohnnebenkosten als entscheidend für die Reformbemühungen in Deutschland. "Merkel muss Zugeständnisse machen, die noch vor wenigen Wochen unvorstellbar waren. Von der ursprünglich geplanten Öffnung des Tarifrechts und der Senkung der Lohnnebenkosten für die Firmen müssen wir uns verabschieden", erklärte Volkswirt Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank (HVB). "In der neuen Regierung wird viel über Kuhhandel laufen", fügte er hinzu. Damit werde auch der politische Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) bleiben, die Zinsen auf dem historisch niedrigen Niveau von zwei Prozent zu belassen.

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