Flucht in Bundesanleihen
Europas Politik versetzt Märkte in Schockstarre

Der Wahlsieg des Sozialisten Hollande in Frankreich, bevorstehende Neuwahlen in den Niederlanden und die Rezession in Spanien färben die Börsen weltweit rot. Aber es gab heute auch einen Fluchtpunkt für viele Anleger.
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DüsseldorfEuropa steckt wieder einmal in der Krise und wieder einmal ist es die Politik, die die Wirtschaft zum Spielball ihrer Entscheidungen macht. Allen voran sorgten die Präsidentschaftswahlen in Frankreich für reichlich Unsicherheit an den Märkten. Denn Amtsinhaber Nicolas Sarkozy musste sich in der ersten Runde der Wahlen seinem Konkurrenten François Hollande geschlagen geben. Eine Wiederwahl Sarkozys ist also fraglich und damit steht auch die Fortsetzung der mit Deutschland geführten Euro-Krisen-Politik auf dem Spiel. Hollande deutete schon im Wahlkampf an, den Europäischen Fiskalpakt nachverhandeln zu wollen.

Damit wurde an den Märkten die Sorge bekräftigt, dass sich die Richtung in der europäischen Krisenpolitik ändern könnte. „Wenn der Sozialist Francois Hollande auch in der zweiten Runde gewinnt, könnte das Misstrauen gegenüber dem Euro und den europäischen Märkte weiter wachsen“, sagte Roger Peeters, Marktanalyst beim Bankhaus Close Brothers Seydler.

Dazu kam, dass sich nicht nur in Frankreich eine politische Veränderung abzeichnet. Die niederländische Minderheitsregierung von Ministerpräsident Mark Rutte ist nach gescheiterten Haushaltsverhandlungen zurückgetreten. Neben Frankreich gehört auch Holland zu den wichtigsten Verbündeten Deutschlands im Hinblick auf den Europäischen Fiskalpakt. Analysten befürchten nun, dass mit dem Machtwechsel in Frankreich und dem Rücktritt der Regierung Rutte der europäische Sparwille zu erlahmen droht. Des Weiteren sorgte der mögliche Verlust der Bonitätsbestnote „AAA“ auf niederländische Staatsanleihen für zusätzliche Nervosität.

Der Euro bekam heute schon einmal einen Vorgeschmack auf das, was ihm drohen könnte, sollte der Fiskalpakt neu verhandelt werden. Am Montag sank die Gemeinschaftswährung unter die Marke von 1,32 Dollar. Auch die wichtigsten europäischen Indizes stürzten heute tief ins Minus. Der deutsche Aktienindex (Dax) rutschte 3,4 Prozent ins Minus, in Frankreich musste der Pariser CAC 40 Index ein Minus von rund drei Prozent hinnehmen und der niederländische AEX-Index fiel 2,6 Prozent ins Negative. Das europäische Branchenbarometer EuroStoxx50 rauschte drei Prozent in die Tiefe auf 2.242 Zähler – den tiefsten Stand seit dem 28. Dezember 2011.

„Die Märkte haben allen Grund dazu, zu korrigieren“, sagte Patrick Moonen, Leitender Stratege bei ING Investment Management in Den Haag. Das politische Umfeld in Europa habe sich über das Wochenende nicht verbessert, hinzu kämen einige makroökonomische Daten, die klar enttäuschten, fügte Moonen hinzu.

Wie groß der Argwohn der Anleger gegenüber Frankreich und den Niederlanden ist, zeigt auch ein Blick auf den Anleihemarkt. Die Ausfall-Versicherungen auf Verbindlichkeiten (CDS) dieser beiden Staaten stiegen heute auf den höchsten Stand seit Januar. Dagegen griffen die Investoren am Montag verstärkt zu den als sicher geltenden Bundesanleihen. Infolgedessen stieg der Bund-Future auf ein neues Rekordhoch von 140,97 Punkten und die Rendite zehnjähriger deutscher Staatspapiere sank auf 1,63 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit Bestehen des Euro-Raums.

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  • Sauce Hollandaise, während der Spargel sprießt! Wenn man sich das auf und ab der Börse so anschaut, dann wird man entweder gleich seekrank ob der Wellenbewegungen oder man taucht in ruhigere Gewässertiefen ab und überläßt das Wellenreiten den Callern und Puttern und genießt die Unterwasserfauna und -flora, sprich sucht sich die guten Invests aus der dritten Reihe in Ruhe.

  • "=> Wir haben endlich eine Richtung in die wir uns mehr oder weniger gemeinsam bewegen um die Krise zu bekämpfen.
    Ob die Richtung gut oder schlecht ist wird sich zeigen."

    die krise wird doch nicht bekämpft...
    die Staaten sparen in eine Rezession (gr,es,ir,..)

    "=> Durch Hollandes Wahl würden wir KEINE Richtung mehr haben, wegen der Nachverhandlungen, wir würden wieder auf der Stelle stehen und das ist DEFINITIV schlecht."

    er will doch nur, dass wirtschaftswachsum teil des vertrags wird,
    da dieser bisher nur die reduktion der schulden vorsieht.
    keine richtung mehr zu haben kann ich daraus nicht erkennen...
    ...auch würden wir uns nicht auf 1er stelle bewegen...

    "=>Kann es nicht "nur besser" werden.
    Schlechter geht immer und ich befürchte das der liebe Sozialist am Ende sich in die Reihe der linken Geldverschwender einreiht..."

    linke Geldverschwender = CDU/CSU+FDP
    2009 - 1,7 billion Euro schulden
    2012 - 2,034 Billionen "" "" - 30mrd neue Schulden
    Beispiele gefällig?
    *versprechen Herdprämie
    *versprechen Steuersenkungen + gehalten für Hotelbranche
    *230,000e subvention für roten Apfelsaft
    *6 mio für hollywood film "Wolkenatlas"
    *8 mio für VW bzgl. elektro, obwohl VW 2011 nen gewinn von 11mrd hatte

    Sir lassen sich von Blendern blenden...herzlichen Glückwunsch!

  • Wenigsten reagieren die Börsen noch realistisch in die-
    sem politischen EU-Chaos, wo die Rechte nicht mehr weiß
    was die Linke veranstaltet.

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