Flucht in sichere Häfen Goldpreis und Top-Anleihen ziehen an

Nordkorea zündelt mit seinem jüngsten Nukleartest weiter. Die Folge: Investoren halten sich bei Risikoanlagen wie Aktien zurück. Sie flüchten in Top-Anleihen und vor allem in Edelmetalle. Doch Experten geben Entwarnung.
1 Kommentar

Kim Jong-Un spielt mit Atomwaffen – und plötzlich steht Gold wieder hoch im Kurs

Kim Jong-Un spielt mit Atomwaffen – und plötzlich steht Gold wieder hoch im Kurs

FrankfurtEs ist ein Krieg der Worte. Und den hat Nordkorea am Wochenende mit dem Test einer Wasserstoffbombe weiter eskalieren lassen. US-Präsident Donald Trump und sein Verteidigungsminister Jim Mattis haben rote Linien eingezogen.

Trump hatte in Richtung des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un getwittert: „Die verstehen nur eine Sache!“ Mattis legte nach: „Jede Bedrohung der Vereinigten Staaten oder seiner Territorien, inklusive Guam, oder unserer Alliierten, wird mit einer massiven militärischen Reaktion beantwortet.“ Wer geglaubt hatte, der Krieg der Worte der vergangenen Woche könne nicht weiter eskalieren, der sah sich getäuscht.

Die Anleger sind bisher allerdings nicht in Panik verfallen. Sie zogen sich in moderatem Umfang aus Risikoinvestments zurück. Bisher ist auch alles gutgegangen. „Aber man kann diskutieren, ob so eine Reaktion des Marktes gerechtfertigt ist oder nicht“, urteilt Simon Derrick, Chefstratege bei BNY Mellon, im Lichte der jüngsten Entwicklung.

An der Welt-Leitbörse Wall Street liegen die Kurse weiter nahe ihren Rekordhochs. Die Schwäche der europäischen Börsen hat viel mit dem starken Euro zu tun. Doch eine wachsende Nachfrage nach „sicheren Häfen“ gibt es durchaus.

Gestiegen sind beispielsweise die Kurse von Top-Staatsanleihen, sogar die der schweizerischen Titel, die bereits negativ rentieren. Deutlicher ist das Sicherheitsbedürfnis mancher Anleger allerdings an den Preisen der klassischen Krisenvorsorge abzulesen: bei den Edelmetallen.

Gold hat nach mehreren Anläufen auf die Marke von 1.300 Dollar je Feinunze in diesem Jahr diese Schwelle jetzt überwunden. Das Edelmetall ist inzwischen so teuer wie zuletzt vor knapp einem Jahr. „Ziel für die kommenden Wochen sind 1.355 bis 1.375 Dollar“, meint Eugen Keller, Marktstratege beim Bankhaus Metzler.

Die größten Anlegerfehler
Privatanleger machen vermeidbare Fehler
1 von 13

Eine Studie der Wirtschaftsprofessoren Andreas Hackethal und Steffen Meyer für das Magazin „Finanztest“ hat knapp 40.000 Wertpapierdepots von Direktbankkunden im Zeitraum von 2005 bis 2015 ausgewertet.

Das Ergebnis zeigt, dass die Anleger weit hinter den Wertzuwächsen des Gesamtmarktes liegen. Während eine Rendite von jährlich 8,7 Prozent realistisch gewesen wäre, kommen die Anleger nur auf einen Wertzuwachs von 3,1 Prozent. Mangelnde Finanzkenntnisse müssen nicht die Ursache sein. Zu Einbußen führen meist kurzfristiges Denken, Gier und Aktionismus. Die vier gängigsten Fehler sind leicht zu beheben. Wir stellen sie vor – und entsprechende Gegenstrategien.

Das Bild zeigt die Börse von Abu Dhabi. Hier handeln Privatanleger mit größeren Beträgen als in Deutschland.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
2 von 13

Befund Sie ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Geldanlage – dennoch vernachlässigen sie viele Anleger: die Risikostreuung. Wie die Studie zeigt, streuen Anleger ihre Wertpapiere zu wenig; die Aktienkonzentration ist höher als noch vor zehn Jahren. Eines der untersuchten Depots beinhaltet heute im Schnitt zwölf Aktien.

In Santiago de Chile bedient ein Mitarbeiter der chilenischen Zentralbank eine Sicherheitstür.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
3 von 13

Folgen Zwischen der Streuung und dem Chance-Risiko-Verhältnis besteht laut den Autoren ein klarer Zusammenhang. Selbst die relativ breit aufgefächerten Depots reichen nicht entfernt an das Verhältnis des Weltaktienindexes MSCI World heran.

In manchen Depots befindet sich nur eine einzige Aktie. Wenn diese auch noch ein spekulativer Titel ist, unterliegt das Depot enormen Kursschwankungen.

Am 24. Oktober 1929, dem „Schwarzen Donnerstag“ kommen Menschen vor der New York Stock Exchange zusammen.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
4 von 13

Gegenmittel Es ist leicht, ein breit gestreutes Depot aufzubauen: durch börsengehandelte Indexfonds (ETF). Sie beteiligen Anleger, je nach Art, an 1600 bis 2500 internationalen Aktien. Für Staatsanleihen gibt es ebenfalls ETFs.

Bestehende Depots umzubauen, ist nicht nicht ganz einfach. Anleger sollten sich von Verlustpositionen trennen. Ein Papier erst zu verkaufen, wenn es seinen einstigen Kaufpreis erreicht hat, ist irrational. Es sollten triftige Gründe für eine zu erwartende Wertsteigerung vorliegen.

Ein chinesischer Investor analysiert im August 2015 eine Kurstafel.

Fehler 2: Aktien-Picken
5 von 13

Befund Der Fehler erinnert an das Muster von Sportwetten: Unerfreuliche Ergebnisse werden ausgeblendet, Erfolgserlebnisse übermäßig hochgehalten. Anleger sollten aber ausschließlich die langfristige Entwicklung des Gesamtdepots im Blick haben.

Oft suchen sie ihr Heil in einer Kombination aus Einzelaktien: Im Falle eines Missgriffs ist es eine beliebte Methode, die Position aufzustocken, um den durchschnittlichen Einstandspreis zu senken und von der erwarteten Erholung zu profitieren. Das kann jedoch auch weiteres Unheil anrichten: Das sogenannte Klumpenrisiko, eine Übergewichtung einzelner Anlagen im Depot, steigt. Private Anleger haben gegenüber Profis hier offenbar schlechtere Karten.

Das Foto vom 20. Oktober 1987 zeigt Händler in der Frankfurter Börse. Am 19. Oktober 1987 erlebte die Wall Street einen ihrer schwärzesten Tage.

Fehler 2: Aktien-Picken
6 von 13

Folgen Vom Aktien-Picken betroffene Depots bringen nur 3,1 Prozent Rendite. Mit einer Indexmischung, die die durchschnittliche Vermögensaufteilung der Anleger widerspiegelt, hätten sie dagegen 8,7 Prozent erzielt.

Jeder fünfte Deutsche legt sein Geld in Fonds an. Diese werden von Fondsmanagern verwaltet, die das eingesammelte Geld in Aktien, Obligationen, Immobilien und andere Wertpapiere anlegen.

Fehler 2: Aktien-Picken
7 von 13

Gegenmittel Aktien- und Renten-ETFs sind auch hier ein probates Mittel. Passionierte Zocker von einer solchen Strategie zu überzeugen, fällt manchmal schwer. Wer unbedingt eigenhändig zusammenstellen will, sollte zwingend auf eine möglichst gleichmäßige Verteilung auf die wichtigsten Branchen achten.

Die USA gelten als Nation der Aktienbesitzer.

Der Anstieg wird auch von spekulativen Geldern gestützt. Das zeigen die Zahlen der New Yorker Terminbörse. In die gleiche Richtung weisen die Zuflüsse in Goldfonds, deren Preis an die Entwicklung des Metalls gekoppelt ist. Bereits am Freitag kauften Anleger so viel davon wie seit 14 Monaten nicht.

Wie der Nordkorea-Konflikt ausgeht, ist derzeit völlig offen. Es gibt durchaus Börsenstrategen, die eine militärische Auseinandersetzung für wahrscheinlich halten. In diesem Fall wäre es vorbei mit ruhigen Märkten. Ein Aktiencrash mit Tagesverlusten von fünf bis zehn Prozent bei breiten Indizes wäre dann wahrscheinlich, mutmaßt Heinz-Werner Rapp, Chef-Anlagestratege beim Vermögensverwalter Feri.

Optimistische Naturen besinnen sich an dieser Stelle auf die Historie. Eine Auswertung der Deutschen Bank mit allen geopolitischen Krisen seit dem Zweiten Weltkrieg zeigt: Nach Verkaufswellen von Tagen bis einigen Wochen erholten sich die Kurse meist innerhalb weniger Monate. Und nach einem Jahr hatten die Börsen ihre Ausgangsverluste mehr als wettgemacht.

Angesichts der weiter schwelenden Krise und ihrer Unkalkulierbarkeit sollten Anleger einen Rat der Analysten des renommierten US-Researchhauses BCA beherzigen. Die empfehlen für das Geldvermögen als Absicherung einen Mix aus Top-Staatsanleihen und Gold. Über die Größenordnung sollte jeder Anleger nach seiner Risikotoleranz entscheiden.

Startseite

Mehr zu: Flucht in sichere Häfen - Goldpreis und Top-Anleihen ziehen an

1 Kommentar zu "Flucht in sichere Häfen: Goldpreis und Top-Anleihen ziehen an"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%