Fragen zum Börsencrash
War das jetzt ein „Flash Crash“?

China hat am Montag die Börsen erschüttert. US-Finanzminister Larry Summers warnt davor, dass die Turbulenzen nur der Anfang gewesen sein könnten. Was Investoren zu den Ereignissen wissen müssen.
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Frankfurt/New YorkUS-Investoren hatten ihren Arbeitstag am gestrigen Montag mit Nervosität begonnen, nachdem Ängste vor einer Konjunkturabkühlung die Märkte weltweit erschüttert hatten. Die Sorgen manifestierten sich, als der Standard & Poor's 500 Index in den ersten Handelsminuten um 5,3 Prozent absackte. Es war der stärkste Innertages-Verlust seit vier Jahren und der Auftakt zu einer Achterbahnfahrt: Der Markt erholte sich, um danach wieder zu fallen.

Das Muster wiederholte sich während des gesamten Handelstags, und am Ende schloss der Leitindex mit einem Minus von 3,9 Prozent. Bis dahin kam es zu wilden Kursschwankungen, Handelsaussetzungen und Volatilität in einem Ausmaß, das es seit Jahren nicht gegeben hatte. Die Lage war derart dramatisch, dass der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers auf Twitter Vergleiche zu früheren Markteinbrüchen zog und erklärte: „Wir könnten uns am Anfang einer sehr ernsten Situation befinden.“

Jenen Investoren, die grübeln, was das alles zu bedeuten hat, möchten wir hiermit Antworten auf einige der wichtigsten Fragen zu den Ereignissen vom Montag geben.

War das ein „Flash Crash“?

Der Markteinbruch vom 6. Mai 2010 wurde später „Flash Crash“ getauft. Er löste damals einen Schock aus. Ohne Vorwarnung gab der Markt fast eine Billion Dollar an Börsenbewertung ab, um fast augenblicklich den größten Teil der Verluste wieder aufzuholen. Am gestrigen Montag gaben die Preise zwar ebenfalls schnell nach, aber das erschien als ein angemessenes Abbild der Investorenstimmung. Ängste vor einer weltweiten Konjunkturabschwächung ließen die Indizes weltweit nachgeben, angeführt von einem 8,5-Prozent-Rückgang des chinesischen Shanghai Composite Index. Darüber hinaus gab es Sorgen, dass die US-Notenbank bald die Zinsen anheben wird, was nach Meinung mancher den seit sechs Jahren laufenden Bullenmarkt abwürgen könnte. Als Reaktion auf die schlechte Stimmung beendete der S&P 500 den Handelstag mit seinem stärksten Verlust seit August 2011. Damit behielt der Markt bis Börsenschluss die Richtung bei, die er am Morgen eingeschlagen hatte.

Sind denn nicht einige Aktien abgestürzt?

Viele Aktien hatten mit Verlusten eröffnet, darunter die von General Electric Co. und JPMorgan Chase & Co. Innerhalb von Minuten stürzten beide weiter ab, um insgesamt bis zu 21 Prozent.

Gab es Schutzmechanismen?

Nach dem Flash Crash von 2010 war ein Schutzsystem eingerichtet worden um zu verhindern, dass einzelne fehlgeleitete Handelsgeschäfte die Preise insgesamt nach unten treiben. Händler sollen keine Preise stellen, die außerhalb einer bestimmten Prozentspanne über- oder unterhalb des Durchschnittskurses einer Aktie liegen. Die Regel griff am Montag aber nicht bei GE, JPMorgan und anderen Aktien - möglicherweise deswegen, weil die erlaubten Kursspannen in den ersten Handelsminuten des Tages breiter sind. Die Verluste waren zwar groß, aber nicht groß genug. Am Ende des Tages waren die Abgaben bei GE und JPMorgan weniger drastisch: Sie lagen bei 2,9 Prozent beziehungsweise 5,3 Prozent.

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Handelsaussetzungen und erleichterte Börsenbetreiber

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