Frankfurter Marktbericht
Dax geht erneut tiefrot ins Wochenende

Weiter belastet von Rekordständen bei Euro und Öl ist der deutsche Aktienmarkt am Freitag abermals in die Verlustzone gerutscht. Der Dax schloss nur knapp über der Marke von 6 500 Punkten. Damit geht der Leitindex mit einem Minus von insgesamt 3,5 Prozent aus der Handelswoche.

HB FRANKFURT. Der Dax schloss 1,17 Prozent niedriger bei 6 513,99 Zählern. Im Sog nur moderater Verluste an der Wall Street hatte er sich damit aber vom Tagestief bei 6 450,88 Zählern erholt, auf das er nach schwachen US-Arbeitsmarktdaten abgerutscht war. Auf Wochenbasis stand beim Leitindex ein Minus von 3,47 Prozent zu Buche. Der MDax verlor 1,87 Prozent auf 8 814,70 Punkte. Beim TecDax gab es Abschläge von 2,52 Prozent auf 746,66 Zähler.

Als "grottenschlecht" bezeichnete Thomas Stengl, Händler bei der Postbank, die Konjunkturdaten aus den USA. Dort ist die Zahl der Beschäftigten im Februar entgegen den Erwartungen von Experten gesunken. Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank zufolge deuten die Daten darauf hin, dass sich die USA in einer Rezession befinden.

Aktien von Hypo Real Estate (HRE) gaben als einer der schwächsten Werte im Dax um 3,26 Prozent auf 16,60 Euro nach. Neue Hiobsbotschaften aus dem Hypothekensektor in den USA hätten auch Sorgen um weitere kritische Positionen bei HRE wieder verstärkt, sagte ein Händler. Ein weiterer Börsianer ergänzte, dass auch der Chart "sehr schlecht" aussehe und den Druck noch verstärke. "Die Aktie ist auf den tiefsten Stand seit November 2003 gefallen und entsprechend dabei, neue Verkaufssignale zu liefern", sagte Thomas Nagel von equinet.

Papiere von Thyssen -Krupp verloren nach einer negativen Studie am Indexende 4,25 Prozent auf 36,50 Euro. Merrill Lynch hatte die Prognosen für den Vorsteuergewinn des Stahlherstellers im laufenden Jahr um 17 Prozent gesenkt.

Eon -Titel sanken um 1,07 Prozent auf 122,01 Euro. Einem Händler in Spanien zufolge meldet die Zeitung "Expansion", dass der Versorger in Kontakt mit dem größten spanischen Baukonzern Actividades de Construcciones y Servicios (ACS) wegen des Kaufs von Union Fenosa oder einem möglichen gemeinsamen Gebot für Iberdrola stehe. Börsianer verwiesen darauf, dass Eon -Chef Wulf Bernotat am Vortag auf der Bilanzpressekonferenz einen Kommentar zu Zukäufen in Spanien abgelehnt hat.

Papiere von Spitzenreiter Tui stiegen hingegen um 1,30 Prozent auf 17,17 Euro. Händlern zufolge wird auf dem Parkett weiter lebhaft um einen möglichen Rücktritt des umstrittenen Konzernchefs Michael Frenzel spekuliert. "Nach den jüngsten Presseberichten überraschen diese Gerüchte überhaupt nicht - ob da nun aber mehr dran ist, scheint aber fraglich", sagte ein Händler und sprach von einem Freitagsgerücht. Das "Handelsblatt" berichtet unterdessen, dass der Aufsichtsrat des Reise- und Schifffahrtskonzerns Frenzel in Frage stellt. "Alles läuft auf eine Zerschlagung hinaus", zitiert die Zeitung ein Aufsichtsratsmitglied. "Nun müsste Frenzel eigentlich seinen Hut nehmen."

Im MDax verbilligten sich die Anteilsscheine von Altana um 3,85 Prozent auf 14,99 Euro. Händler verwiesen auf einen Bericht im "manager-magazin" als Belastung, wonach Altana für vier Mrd. Euro das US Rockwood Holdings -Unternehmen übernehmen möchte. Haupteigner der US-Gruppe sei der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR), schreibt das Magazin am Freitag auf seiner Internetseite und verweist auf mit der Situation vertraute Kreise.

Altana bestätigte das konkrete Interesse an Rockwood unterdessen nicht. Börsianer machten Sorgen um die Finanzierung der Akquisition für die Kursschwäche verantwortlich. "Die Übernahme kann nur klappen, wenn die Quandt-Familie nochmals Finanzmittel zur Verfügung stellt", sagte ein Händler. Auch eine Kapitalerhöhung des Spezialchemiekonzerns sei deshalb nicht auszuschließen, bemerkte ein weiterer Börsianer.

Im Sdax gewannen Balda -Titel deutliche 9,12 Prozent auf 3,95 Euro. Der angeschlagene Handyausrüster hat sich mit dem Rückkauf seiner europäischen Handygehäuse-Produktion Luft verschafft und die Gefahr einer Insolvenz vorerst abgewendet. Ein Händler kommentierte: "Das scheint nur zusätzliche Zeit zu bringen - der Schritt wird die Probleme aber nicht lösen." Nach einer kurzfristigen Erholungsrallye in dem Aktienkurs rechnet der Händler mit erneutem Druck auf die Aktien.

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