Fünf-Jahres-Hoch
MDax zieht die Investoren an

Seit Jahresbeginn hat der MDax satte 25 Prozent gewonnen. Das Asiengeschäft hält den Index stabil und zieht Investoren an. Doch mancher Analyst hat schon Angst vor der Talfahrt.
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Frankfurt Größer ist nicht immer besser. Das zeigt im Moment der Nebenwerteindex MDax, der seinen großen Bruder Dax in der Gunst der Investoren abgehängt hat. Seit Jahresbeginn gewann der MDax satte 25 Prozent. Der Dax hinkt mit einem Plus von immerhin knapp 20 Prozent hinterher. Dem MDax komme vor allem seine Zusammensetzung mit nur wenigen Finanzwerten in Zeiten der Schuldenkrise zugute, sagen Analysten. Ein weiterer Pluspunkt sei, dass viele deutsche Firmen aus der zweiten Reihe weltweit tätig seien, so dass ihnen die europäischen Probleme weniger zu schaffen machten. Am Dienstag kletterte der Nebenwerteindex auf ein Fünf-Jahres-Hoch bei 11.273,37 Punkten. Damit lag er nur noch knapp unter seiner im Sommer 2007 erreichten Rekordmarke von rund 11.500 Punkten.

"Rund 75 Prozent der MDax-Unternehmen sind nach unserer Schätzung in Gewinnersektoren aktiv, die vom starken globalen Wachstum profitieren und nicht so stark unter der Schuldenkrise in der Eurozone leiden", sagt Aktienstratege Andreas Hürkamp von der Commerzbank. "Das sind zum Beispiel die Auto- und Autozuliefererbranche, der Chemiebereich, Industrie und Maschinenbau." Zu den Top-Aktien im MDax zählen unter anderem der Autozulieferer Continental mit einem Plus von 71 Prozent, der Anlagen- und Maschinenbauer Dürr mit einem Aufschlag von 54 Prozent und der Chemiekonzern Lanxess mit gut 53 Prozent.

Dass wenig Finanzwerte - die Verliereraktien der Schuldenkrise - Mitglied im MDax seien, sein ebenfalls von Vorteil, sagen die Fachleute. Zu den Schlusslichtern in diesem Jahr im Dax zählen dann auch Deutsche Bank, Deutsche Börse und Commerzbank.

Ein Pfund, mit dem die Unternehmen aus der zweiten Reihe wuchern können, ist nach Einschätzung von Analysten ihre Spezialisierung. Viele kleinere und mittlere Unternehmen haben sich auf bestimmte Produkte konzentriert und sind damit in ihrer Branche sehr erfolgreich. "Für den Kunden zählt letztlich das beste Produkt", sagt Ralf Grönemeyer, Aktienstratege bei Silvia Quandt Research. Und das werde dann auch in schwierigeren Zeiten gekauft.

Dazu kommt laut Experten, dass die Firmen mit ihrer starken Fokussierung nicht nur in Europa, sondern auch in Asien und Amerika erfolgreich sind - ein großer Pluspunkt in der gegenwärtigen Schuldenkrise, die die Konjunktur in der Eurozone belastet. "Viele Unternehmen können die Schwäche der europäischen Märkte mit dem Amerika- oder Asien-Geschäft kompensieren", betont Marktanalyst Giuseppe Amato vom Brokerhaus Lang & Schwarz.

Auch der schwache Euro, der die Produkte europäischer Firmen außerhalb der Eurozone günstiger macht, kommt vielen zugute. "Für die MDax-Unternehmen scheint derzeit das noch relativ stabile Asien-Geschäft das entscheidende zu sein", sagt NordLB-Aktienstratege Bernd Krampen. "Hier profitieren die Firmen vom schwächeren Euro-Kurs." In den vergangenen sechs Monaten büßte die Gemeinschaftswährung zum Dollar sieben Prozent an Wert ein.

Auch die Anleger pickten sich die Rosinen heraus, hat Aktienstratege Groenemeyer festgestellt. "Viele setzen im Moment nicht mehr nur einfach auf Standardwerte, sondern suchen nach guten Geschichten, und davon gibt es im MDax viele", sagt er. "Die Unternehmen haben ihre Hausaufgaben in den letzten Jahren gemacht. Die Restrukturierung zahlt sich aus." Der Aktienexperte weist auf einen weiteren Vorteil hin: "Neben den exportorientierten Firmen gibt es auch viele, vor allem in Deutschland aktive Unternehmen wie die Immobilienwerte. Und in Deutschland ist es bisher ja auch ganz gut gelaufen." Größter Gewinner im Nebenwerteindex ist mit einem Kursplus von rund 130 Prozent die Aktie des Immobilienkonzerns Gagfah. Auch Aktien wie Deutsche Wohnen und GSW Immobilien zählen mit Zuwächsen von jeweils mehr als 30 Prozent zu den Topwerten.

Nach dem dicken Kursplus seit Jahresbeginn werden einige Analysten allerdings schon wieder vorsichtiger. "Kurzfristig ist das Ende der Fahnenstange in Sicht", warnt Hürkamp. "Ein Schnäppchen ist der MDax nicht. Von der Bewertung her ist er nicht sehr günstig." Auf mittlere Sicht ist der Commerzbank-Experte für die Nebenwerte wieder zuversichtlicher. "Die Notenbanken werden ihre Geldpolitik weiter lockern und das dürfte das Wachstum weltweit ankurbeln, wovon der MDax wieder profitieren dürfte."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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