Gewinnmitnahmen belasten Dax
Börse im Mittelpunkt der Börse

Im Bann zahlreicher Unternehmenszahlen und mäßiger US-Vorgaben zeigte sich der deutsche Aktienmarkt zum Wochenanfang uneinheitlich. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Im Mittelpunkt der Parkettgespräche stand jedoch die Entscheidung im Machtkampf der Deutschen Börse.

HB FRANKFURT. Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel um 0,4 % auf 4292,41 Punkte und gab damit die Gewinne vom Freitag wieder ab. Hingegen legte der MDax mittelgroßer Werte um 0,66 % auf 5666 Zähler zu. Der TecDax büßte 0,22 % auf 508 Punkte ein. Börsianer sprachen von relativ dünnen Umsätzen und einer abwartenden Haltung. In Frankfurt fiel das Handelsvolumen im Dax auf 74 (Freitag 86) Mill. Aktien, der Umsatz betrug 2,6 Mrd. €.

Neben den Kursverlusten der Indexschwergewichte wirkte sich auch der wieder leicht gestiegene Ölpreis negativ auf den Leitindex aus. So kostete ein Barrel (159 Liter) US-Leichtöl 51,28 Dollar und damit 32 US-Cents mehr als vergangene Woche.

Nach Einschätzung von Händlern belasteten zudem Spekulationen, die US-Zinsen könnten nach den unerwartet robusten Arbeitsmarktdaten vom Freitag stärker und schneller als erwartet steigen, den Markt. Außerdem hätten negative Analystenkommentare zu ausgesuchten Index-Schwergewichten die Anleger verstimmt. Angesichts der zahlreichen Unternehmensberichte, die im Wochenverlauf noch anstehen, hielten sich auch viele Anleger zurück. „Ich denke, wir werden in den nächsten Tagen eine Konsolidierung sehen, ehe wir dann einen neuen Versuch nach oben unternehmen“, sagte Händler Peter Lüdke vom Bankhaus Merck Finck in München.

Wichtigstes Thema am Börsenparkett war der Machtkampf bei der Deutschen Börse. Die am frühen Abend bekannt gegebene Ablösung von Vorstandschef Werner Seifert wurde allgemein als unausweichlich angesehen. Die Aktien, die eine Stunde vom Handel ausgesetzt waren, zogen nach der Wiedereinsetzung zeitweise um mehr als drei Prozent auf ein Allzeithoch von 62,36 € an. Die Zwischenberichte der Münchener Rück und der Post wurden verhalten aufgenommen.

Das Ende der Ära Seifert, der zwölf Jahre lang die Geschicke der Börse leitete, wurde im Aktienhandel mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Während einige Händler dies als positiv für den Aktienkurs werteten, warnten andere vor einer Zerschlagung des Frankfurter Börsenbetreibers. Die Frage sei, wer Seiferts Nachfolger werde, sagte Olaf Kayser, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. So lange die Strategie der Fonds, die Seiferts Sturz wollten, nicht bekannt sei, bestehe die Gefahr, „dass die Deutsche Börse durch höhere Ausschüttungen an ihre Aktionäre langsam ausbluten könnte“. Fabian Brunner, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, stieß ins gleiche Horn: „Im schlimmsten Fall wäre aus meiner Sicht eine Zerschlagung der Deutschen Börse möglich.“ Einige Händler zeigten Verständnis für die Aktionäre. „Seifert musste einfach weg. Der hat sich zu viel herausgenommen“, sagte ein Händler. Die Aktie notierte zum Handelsschluss mit 61,96 € noch 2,6 % im Plus.

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