Globaler Kurseinbruch
Bärendienst der Fed

Mit der Operation Twist wollte die US-Notenbank den Märkten neue Zuversicht gegeben. Doch statt auf die neuen Milliarden schauen die Anleger auf den pessimistischen Konjunkturausblick der Fed. Die Kurse brechen ein.
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DüsseldorfViele hatten es kommen sehen. Als die Aktienmärkte in der vergangenen Woche Tag für Tag deutlich anzogen, warnten die meisten Börsianer davor, die Gewinne überzubewerten. Das Schlimmste an den Märkten sei noch nicht ausgestanden. Es scheint, als sollten die Skeptiker Recht behalten. Binnen zwei Tagen hat der Dax sämtliche Kursgewinne wieder abgegeben. Seit Dienstagabend hat der deutsche Leitindex mehr als 400 Punkte eingebüßt. Zum Schluss lag er fünf Prozent im Minus bei gut 5.164 Punkten.

An anderen europäischen Aktienmärkten sieht es nicht besser aus, an der Wall Street fiel der Dow-Jones-Index am Donnerstag ebenfalls 3,3 Prozent. Und nicht nur an den Aktienbörsen fallen die Anleger in den Panikmodus zurück. Die wieder aufflammende Risikoscheu zeigt sich im Kurs des Euros, der binnen eines Tages um mehr als drei Cent auf 1,3450 Dollar abstürzte. Im Sog des Euros fällt auch der Goldpreis. Bei einem Kurs von 1.728 Dollar lag Gold am späten Nachmittag drei Prozent im Minus. Allerdings rutschte gleichzeitig auch die Notierung in Euro um zwei Prozent ab, was darauf hindeutet, dass Anleger an den Märkten auf breiter Front Kasse machen. Das zeigt sich auch am Ölmarkt: Der Preis für europäisches Brentöl verbilligte sich um 2,7 Prozent auf 110 Dollar je Barrel.

Einzig am Anleihemarkt herrscht noch Kauflaune. Der Run auf sichere Staatsanleihen hat sich sogar noch einmal verstärkt: Zehnjährige Bundesanleihen rentieren nur noch mit 1,66 Prozent - ein Allzeittief. Gleich laufende US-Treasuries bieten mit 1,77 Prozent kaum mehr Rendite und auch 30-jährige US-Bonds werfen gerade noch 2,86 Prozent ab. Die Kosten für Kreditausfallversicherungen (CDS) kletterten unterdessen auf neue Rekordhochs. Vor allem die Absicherung zehnjähriger italienischer und spanischer Anleihen kostete so viel wie noch nie. Erstmals lag auch ein CDS auf Bundesanleihen bei mehr als 100.000 Euro.

Ausgelöst hat den neuen Abwärtssog die US-Notenbank Fed. Dabei haben Ben Bernanke und Kollegen den Märkten vordergründig das gegeben, wonach diese seit Wochen gelechzt haben. Die Fed beließ die Leitzinsen wie erwartet bei nahe Null. Angesichts der anhaltenden Konjunkturschwäche in den USA greift sie zudem noch einmal tief in die Kasse und nimmt weitere 400 Milliarden Dollar in die Hand. Mit dem Geld sollen lang laufende Anleihen gekauft werden. Gleichzeitig werden kurz laufende Anleihen verkauft. Die Idee dahinter: Durch den Anleihentausch sollen die Zinsen von Langläufern gesenkt werden. Hypotheken und langfristige Kredite für Privathaushalte und Unternehmen sollen dadurch billiger und die Konjunktur angeschoben werden.

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  • Gestern schrieb ich bereits, daß die Politik der FED mittlerweile die Situation eher verschlechtert: http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/bernankes-twist-soll-die-stimmung-drehen/v_detail_tab_comments,4633116.html?pageNumber=2&commentSort=debate

    Die Reaktion kam noch schneller, als ich erwartete ...

  • Ein US_Bond ist nichts anderes als eine staatliche Schuldverschreibung. Jedes Papier lautet auf einen bestimmten Betrag, eine festgeschriebene Verzinsung und auf eine bestimmte Laufzeit. Ist die Laufzeit beendet, verpflichtet sich der Staat, dieses Papier zum Nennwert zurückzukaufen. Ist der Staat klamm, kann er die FED bitten, die Papiere anzunehmen, den Bond-Inhaber zu bezahlen und ein Debetkonto für den Staat einzurichten, das er später ausgleichen wird, denn zur Rücknahme ist er verpflichtet. Natürlich kann er das Konto ausgleichen, in dem er neue Bonds ausgibt und mit dem Erlös das Konto glattstellt. Formal müssen diese Geschäfte in jedem Fall durchgeführt werden.

  • Warum MÜSSEN Anleihen, die die Fed aufgekauft hat eigentlich zurückgegeben werden? Welches Gesetz besagt das? Von der Fed oder anderer Notenbanken gekaufte Anleihen MÜSSEN überhaupt nicht zurückgegeben werden, sie KÖNNEN.

    Und so wie die Lage sich entwickelt und entwickelt hat, gibt es gar keine Alternative, die gekauften Anleihen ewig zu behalten bis zum St. Nimmerleinstag und de facto abzuschreiben. Nur wird man das nicht an die grosse Glocke hängen. Könnte es doch einen Joker für ungezügeltes Verschulden darstellen.

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