Goldman Sachs
Der große böse Wolf

Goldman Sachs und Morgan Stanley haben stabilere Häuser errichtet als ihre Konkurrenten, die von der Bildfläche verschwunden sind. Aber das Biest, das die Märkte gerade heimsucht, ist ein härterer Gegner als das Untier aus dem Märchen. Die beiden Wall Street-Firmen werden sich ranhalten müssen.

Der große böse Wolf der Kreditkrise hat sich an Goldman Sachs und Morgan Stanley herangeschlichen. Nachdem Goldman am Dienstag die Quartalsergebnisse vorgelegt hatte, fielen die Aktien beider Wall Street-Firmen. Dabei erwischte es Morgan Stanley schwerer: Die Titel gaben um bis zu 20 Prozent nach und damit um das Doppelte der größten Kursverluste, die Goldman verzeichnet hatte. Dadurch verstärkte sich der Eindruck, dass sich Leerverkäufer und verängstigte Investoren mit großem Schnaufen und Keuchen nun eine Firma nach der anderen vornehmen.

Das Gute dabei ist, dass die beiden verbleibenden unabhängigen Investmentbanken, die einen vollständigen Service anbieten, weitaus stabilere Häuser errichtet haben als ihre Konkurrenten, die entweder zusammengebrochen sind, wie Lehman Brothers und Bear Stearns, oder die, wie Merrill Lynch, sicherheitshalber woanders Unterschlupf gesucht haben. Zum einen hat Goldman im dritten Quartal immer noch einen Gewinn erzielt, wenngleich auch nur bei einer Eigenkapitalrendite von 7,7 Prozent.

Zum anderen scheint die Liquiditätslage kein großes Risiko zu bergen. Die durchschnittliche Fälligkeit der kurzfristigen besicherten Finanzierungen von Goldman liegt bei drei Monaten. Die Firma hat Zugang zu 102 Mrd. Dollar an überschüssigen Barmitteln, falls ihre üblichen Quellen austrocknen sollten. Auch ihr Kapitalpolster weist eine gute Qualität auf: nur sieben Prozent des Eigenkapitals bestehen aus Vorzugsaktien. Lehman und Merrill hatten die Obergrenze von 25 Prozent, die von den Rating-Agenturen erlaubt wird, durchbrochen.

Die schlechte Nachricht: Das Biest, das die Märkte heimsucht, ist ein stärkerer Gegner als das Untier im Märchen. Nachdem es mehrere Finanzfirmen zerfleischt und andere an den Rand des Abgrunds getrieben hat, befindet es sich nun auf einem tollwütigen Raubzug. Und es hat sich auch nicht durch vernünftig klingende Verteidigungsstrategien von seiner Raserei abbringen lassen. Lehman hatte nach dem Kollaps von Bear Stearns im März stolz ihre überlegene Liquidität und Kapitalausstattung präsentiert und auf ihren geringeren Fremdmittelanteil hingewiesen. Und auch Morgan Stanley scheint ihre Aktien nicht vor dem Verkaufsdruck bewahren zu können, nur weil sie per Ende Mai mit 14 Mrd. Dollar zu einem relativ geringen Ausmaß bei den gefürchteten Wohn- und Gewerbeimmobilien engagiert war.

Wie rational auch immer ihre Argumente sind, Goldman und Morgan müssen sich dennoch weiter darauf konzentrieren, ihre Häuser so unangreifbar wie möglich zu machen. Weitere Kapitalerhöhungen können nicht ausgeschlossen werden, oder sogar eine Fusion mit einer Bank, obwohl Goldman beteuert, daran nicht interessiert zu sein. Bis dem Wolf die Puste ausgeht, müssen die beiden Firmen sich mächtig ranhalten, um die Investoren zu überzeugen, dass sie dem Angriff standhalten können.

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