Greenspan-Äußerungen und Ölpreis belasten
US-Börsen schließen leichter

Die US-Aktienmärkte sind mit Abschlägen ins Wochenende gegangen. Neben der Sorge um die Dollarschwäche prägte ein Anstieg des Ölpreises die Entwicklung. Zu den wenigen Gewinnern zählten Disney nach guten Quartalszahlen.

HB BERLIN. Der wieder deutlich gestiegene Ölpreis und die anhaltende Sorge um den schwachen Dollar haben den Anlegern an der Wall Street am Freitag die Kauflaune verdorben. Der Standardwerteindex Dow Jones fiel zum Handelsschluss um 1,09 % auf 10 456,91 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 1,12 % auf etwa 1170 Punkte. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel sogar um 1,60 % auf 2070,63 Zähler.

Die Sorge um den schwachen Dollar erhielt am Freitag neue Nahrung: US-Notenbankpräsident Alan Greenspan sagte am Freitag auf einem Bankenkongress in Frankfurt am Main, das große Außenhandelsdefizit der USA könnte sich langfristig als Belastung für die noch robuste amerikanische Wirtschaft erweisen. Derzeit erscheine das Defizit indes noch finanzierbar. Nach Greenspans Äußerungen kostete ein Euro rund 1,3060 Dollar und lag damit nur knapp unter dem Allzeithoch vom Vortag.

„Der Markt war reif für eine Korrektur, nachdem der Schwung während der vergangenen paar Tage verloren gegangen ist und Greenspans Äußerungen, zusammen mit dem höheren Ölpreis, sind offenbar der Katalysator,“ sagte Peter Boockvar von Miller Tabak & Co. Greenspan hatte gewarnt, diejenigen, die nicht auf höhere Zinsen vorbereitet seien, liefen Gefahr, sich die Finger zu verbrennen. Wie heiße Kartoffeln ließen die Anleger daraufhin die Aktien der Finanzbranche fallen, deren Kreditgeschäfte unter höheren Zinsen leiden würden. Die Anteile der Citigroup sackten bis zum Handelsschluss um rund 1,7 % auf 45,15 Dollar ab. JP Morgan-Titel schlossen sich mit einem Minus von gut einem Prozent auf 37,42 Dollar an.

Unter der Warnung des Fed-Chefs und den wieder steigenden Ölpreisen litten auch die Papiere konjunkturempfindlicher Werte, wie des Bau- und Schwermaschinenherstellers Caterpillar, die knapp 1,4 % auf 90,18 Dollar einbüßten, oder des Mischkonzerns 3M, die 1,7 % auf 80,95 Dollar verloren. Die Aktien des Technologiekonzerns General Electric fielen um eineinhalb Prozent auf 36,27 Dollar. Hohe Energiekosten bereiten den Anlegern Sorgen, weil diese sowohl den privaten Konsum als auch die Gewinne der Unternehmen schmälern.

Die knappen Heizölvorräte der Industriestaaten hatten am Freitag lebhafte Käufe dieses Brennstoffs ausgelöst und damit die Preise auch für Rohöl in die Höhe getrieben. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte Light Sweet kostete zum Handelsschluss 48,44 Dollar und damit 2,22 Dollar mehr als am Vortag. Berichte über den Ausfall einer Raffinerie in Venezuela wegen eines Stromausfalls wirkten an der US-Warenterminbörse. Zudem verwiesen Händler auf Spekulationen, die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) könnte auf ihrem nächsten Treffen im Dezember ihre Fördermengen reduzieren.

Sorgen bereiteten dem Markt nach Angaben von Händlern zudem Äußerungen eines Experten der US-Gesundheitsbehörde FDA, die sich indes am Freitag von der Meinung des Forschers distanzierte. Der hatte bei einer Anhörung im US-Senat am Vortag die Sicherheit von fünf weit verbreiteten Medikamenten in Frage gestellt - darunter des Cholesterinsenkers Crestor von Pfizer. Für die Anleger war das keine ermutigende Nachricht. Folglich verkauften sie die Papiere, worauf die Pfizer-Titel um 1,9 % auf 27,23 Dollar und die des Konkurrenten Abbott um 1,4 % auf 42,75 Dollar zurückfielen. „Es besteht die Möglichkeit, dass führende Medikamente vom Markt genommen werden, was den großen Pharmakonzernen, die die Mittel herstellen, schaden würde und Rechtsstreitigkeiten nach sich ziehen könnte,“ sagte Tim Ghriskey von Solaris Asset Management.

Eine Reduzierung des Ausblicks für die Hersteller von Maschinen für die Chipproduktion durch die Investmentbank Goldman Sachs schreckte die Anleger von Engagements nicht nur in diesem Segment, sondern auch bei Halbleiterwerten ab. Zudem senkten die Goldman-Sachs-Analysten ihre Bewertung des Chipausrüsters Applied Materials. Die Titel sackten daraufhin um 3,7 % auf 16,99 Dollar ab. Außerdem äußerte sich die Investmentbank negativ zu dem Chiphersteller Advanced Micro Devices. Daraufhin verloren AMD gut fünf Prozent auf 20,81 Dollar.

Die übergroße Mehrheit der Dow-Werte tendierte im Minus. Nur zwei Titel legten zu: Walt Disney gewannen 1,1 % auf 26,66 Dollar, nachdem der Unterhaltungskonzern am Vorabend nach Börsenschluss eine Gewinnsteigerung für sein viertes Geschäftsquartal gemeldet hatte. Analysten von Goldman Sachs hoben ihre Gewinnschätzung für das neue Disney-Geschäftsjahr auf 1,24 Dollar pro Aktie nach bisher 1,18 Dollar. Exxon Mobil stiegen nach einem höheren Ölpreis um 0,7 % auf 50,38 Dollar. Deutliche Abschläge zeigten indes McDonald's: Die Aktien des Fastfood-Konzerns setzten den Abwärtstrend fort und verloren 2,2 % auf 29,30 Dollar. Am Vortag war der Kurs unter Druck geraten, nachdem ein möglicher zweiter BSE-Fall in den USA entdeckt worden war.

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