Handelsplätze
Exzellenter Börsenmonat in Brasilien

Nach Kursverlusten im vergangenen Jahr haben Anleger zum Jahresauftakt große Summen in den Handelsplatz Sao Paulo gesteckt. Investmentbanken rechnen in 2012 mit einem brasilianischen Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent.
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Sao PauloAusländische Investoren investieren seit Jahresbeginn so viel an der Börse São Paulos wie seit Jahren nicht mehr. Damit haben sie den Index im Januar um rund zehn Prozent ansteigen lassen – nach einem enttäuschenden Jahr 2011, in dem der Index 18 Prozent verlor. Während die ausländischen Investoren im vergangenen Jahr per Saldo 1,4 Milliarden Reais abzogen, steckten sie allein im Januar bereits 3,5 Milliarden Reais, also rund 1,5 Milliarden Euro, in brasilianische Aktien. Etwas mehr als ein Drittel des Börsenumsatzes im Januar entfällt auf ausländische Investoren.

Den Grund für das Interesse an Brasilien orten die Analysten einerseits in Brasilien selbst: „Die verbesserten Ratings Brasiliens durch die Agenturen, die anhaltenden Leitzinssenkungen durch die Zentralbank sowie die Auffassung, dass viele Aktien in Brasilien inzwischen preiswert sind, haben die ausländischen Investoren nach Brasilien zurückkehren lassen“, sagt André Perfeito, Chefökonom des Börsenmaklers Gradual Investimentos.

So hat die Zentralbank letzte Woche den Zins von elf auf 10,5 Prozent gesenkt. Banco Itaú Unibanco erwartet, dass der Leitzins bis zum Jahresende auf neun Prozent sinken wird und der Börse so zusätzliche Impulse geben wird. „Die Investoren werden von Anleihen auf Aktien umschichten müssen, bei weiter fallenden Zinsen“, sagt Pedro Martins Junior, Analystenchef von Bank of America Merrill Lynch in São Paulo. Im November verbesserte Standard & Poor’s zudem das Rating für Brasiliens ausländische Schulden auf BBB. Damit können auch ausländische institutionelle Investoren wie Pensionsfonds verstärkt an Brasiliens Börse investieren.

Zusätzlich lassen die verbesserten Aussichten über Chinas Konjunktur die Aktien der Rohstoff- und Energiekonzerne attraktiver werden für Investoren. Davon profitieren vor allem die Blue-Chips wie die Ölunternehmen Petrobras (14 Prozent) und OGX (15 Prozent), die Erzkonzerne Vale (acht Prozent) oder MMX (20 Prozent) und die Stahlkocher CSN (25 Prozent) und Gerdau (22 Prozent). Da diese Rohstoff- und Energiekonzerne im Index deutlich übergewichtig vertreten sind, reagiert dieser entsprechend stark auf die Kursanstiege der Standardwerte.

Auch in Brasilien haben sich die Konjunkturaussichten stabilisiert: Die meisten Investmentbanken rechnen nun mit einem Wachstum der brasilianischen Wirtschaft von rund 3,5 Prozent in diesem Jahr, nach rund drei Prozent im Jahr 2011. „Das Wachstum Brasiliens erweist sich als widerstandsfähiger als noch vor kurzem erwartet“, sagt Pedro Martins Junior von Bank of America Merrill Lynch in São Paulo. Die Investmentbanken rechnen mit langsamer wachsenden Unternehmensgewinnen der im Index vertretenen Konzerne – jedoch immer noch mit rund zehn Prozent im Durchschnitt. Dafür sind die brasilianischen Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von neun für Ende 2012 unter dem historischen Durchschnitt von knapp zwölf.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika

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