Hoher Rohstoffanteil bringt keine Stabilität
Schlechte Aussichten für Südafrikas Börse

Die Verschärfung der Finanzkrise hat auch die mit Rohstoffförderern gespickte Börse in Johannesburg (JSE) auf eine beispiellose Talfahrt geschickt. Mit rund 21 000 Punkten befindet sich die JSE derzeit auf ihrem tiefsten Stand seit zwei Jahren.

KAPSTADT. Die Verschärfung der Finanzkrise hat auch die mit Rohstoffförderern gespickte Börse in Johannesburg (JSE) auf eine beispiellose Talfahrt geschickt. Mit rund 21 000 Punkten befindet sich die JSE derzeit auf ihrem tiefsten Stand seit zwei Jahren. Seit dem Allzeithoch von 33 000 Punkten im Mai dieses Jahres ist der Aktienmarkt um ein Drittel gefallen. Aber auch die gestrige Erholung der internationalen Börsen vollzog der Index nach. "Es ist verrückt," sagt Manny Adebowale von Sanlam Private Investments. "Die Börse reagiert komplett irrational. Bewertungen bedeuten im gegenwärtigen Umfeld gar nichts mehr."

Der Niedergang der JSE kommt für Beobachter wie Adebowale vor allem deshalb überraschend, weil das Land am Kap wegen seiner noch immer vorhandenen Kapitalexportkontrollen aus der Apartheidzeit zumindest teilweise von den direkten Auswirkungen der Kreditkrise geschützt ist. Südafrikas Banken und Vermögensverwaltern ist es wegen dieser Kontrollen bis heute untersagt, größere Investitionen außerhalb des eigenen Landes zu tätigen. Entsprechend gering sind die Investitionen seiner Finanzhäuser in den USA und dessen toxischem Subprime-Markt.

Obwohl Südafrikas Banken praktisch gar nicht in den US-Immobilienmarkt verstrickt sind und Liquiditätsengpässe bislang auch keine Bedrohung für die Wirtschaft am Kap darstellen, leidet auch die JSE unter der internationalen Unsicherheit. Gerade in stürmischen Zeiten wie diesen gelten die Schwellenmärkte als riskant und sind somit auch anfälliger für schnelle Gewinnmitnahmen, sagt Azar Jammine vom Wirtschaftsdienst Econometrix. Zudem ist Südafrika schon wegen der starken Abhängigkeit von seinen Rohstoffexporten vom internationalen Finanzsturm erfasst worden. Allerdings hat die JSE dabei weit weniger stark gelitten als etwa die Märkte in Brasilien oder Russland und musste bislang auch kein einziges Mal den Handel wegen Panikverkäufen aussetzen.

Neben den aktuellen Turbulenzen haben auch eine Reihe struktureller Probleme wie etwa Südafrikas hohes Handelsbilanzdefizit dazu beigetragen, dass Südafrikas Währung, der Rand, stark abgerutscht ist. Gerade wegen seiner geringen Sparquote ist das Land am Kap zum Ausgleich dieses Defizits auf Zuflüsse aus dem Ausland angewiesen. Doch gegenwärtig ziehen internationale Anleger Kapital ab- und fliehen in die vermeintliche Sicherheit amerikanischer Staatsanleihen.

Seite 1:

Schlechte Aussichten für Südafrikas Börse

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%