Indizes
Griechenland bald nur noch Schwellenland

Griechenland wird den Anforderungen an entwickelte Märkte nicht mehr gerecht. Jetzt droht der Indexanbieter mit der Einstufung als Schwellenland. Es wäre das erste EU-Mitglied, dem diese zweifelhafte Ehre zuteil würde.
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AthenDer Indexanbieter MSCI überprüft Griechenland. Als erstes EU-Mitglied könnte das Land auf Schwellenland-Status herabgestuft werden. Der MSCI Greece Index, der lediglich zwei Unternehmen enthält, entspreche „strukturell nicht mehr den Größenanforderungen an entwickelte Märkte”, teilte MSCI am Mittwoch mit. An den Aktienindizes von MSCI orientieren sich Investoren mit einem Kapital von etwa 7 Billionen Dollar. Der Indexanbieter erklärte, er werde möglicherweise die Berechnung des MSCI Greece Index einstellen, sollten die Aktienbewertungen weiter fallen.

Griechenland hat im März die größte Bond-Umschuldung in der Geschichte durchgeführt. Die Anleihegläubiger erließen dem Land Verbindlichkeiten von mehr als 100 Mrd. Euro. Der MSCI Greece Index hat in den vergangenen fünf Jahren 93 Prozent seines Wertes eingebüßt, nachdem die Wirtschaft schrumpfte und das Land um den Verbleib im Euroraum kämpfte. Die Unternehmen in der Benchmark werden im Schnitt zum Achtfachen der geschätzten Gewinne gehandelt, was einem Abschlag von 34 Prozent auf die Werte im MSCI World Index entspricht.

„Der Markt hat sein Urteil zu griechischen Aktien bereits gefällt“, sagt Michael Shaoul, Vorsitzender von Marketfield Asset Management in New York. „MSCI beugt sich nur dem Unvermeidlichen. In gewisser Weise brauchen sie eine neue Kategorie für gestrauchelte Industrienationen.“

Die Gewichtung des MSCI Greece Index im MSCI World Index ist im vergangenen Monat auf 0,03 Prozent gesunken, verglichen mit 0,16 Prozent im Mai 2010. MSCI würde eigenen Angaben zufolge erwägen, Griechenland auf Einzel-Markt-Status setzen, sollte das Land aus dem Euroraum ausscheren.

Der Indexanbieter hatte Griechenland im Jahr 2001 auf Industrieländer-Status hochgestuft. Herabstufungen könnten dazu führen, dass Investoren, die sich am MSCI orientieren, die Aktien des Landes meiden.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Schwellenland? Wir reden seit 5-6 Jahre über Krise bis heute seit 2008 boomt es wie noch nie und wir hören immer noch Negative Nachrichten. Griechenland Index ist meiner Meinung nur Zockerrei und hat nichts mit der Realität zu tun. Wenn unsere EU so weiter machen würde bekommen wir in einigen Länder den nächsten Hitler wenn die Arbeitslosikeit steigt und vom 3. Weltkrieg sind wir dann auch nicht mehr weit entfernt. Wenn es nach der Krise gehen würde :-) Laut Medien ist die DM schon im Druckauftrag und wieder in vormarsch und wir können uns dann wieder freueen. Griechenland druck bereits seit längerem schon die neue Währung und dies ist ebenfalls kein Geheimnis.

  • Der Schritt des Indexanbieters MSCI zeigt nur, wie unsinnig die derzeitige Einteilung in sogenannte "Industrieländer" vs. "Schwellenländer" betrieben wird. Mit den eigentlichen Definitionen und den volkswirtschaftlichen Fakten hat die Praxis jedenfalls nichts zu tun. Weder Griechenland noch Portugal, Bulgarien und Rumänien waren jemals Länder, die durch ein starke Industrie geprägt sind. Ebenso das Rohstoff-Land Australien oder das gemütliche Agrarland Neuseeland. Was suchen die alle in einem solchen Index!? Umgekehrt sind drei der reichsten und höchst-entwickelten Industrieländer nicht in dem Morgan Stanley-Index, angeblich weil sie ihre Währungen gegen ausländische Spekulation schützen: Singapur, Südkorea und Taiwan. Gegen das industrielle Niveau dieser Länder macht Japan (im Industrieländer-Index!) und ein Großteil Westeuropas eine schwache Figur.
    Also was soll der Unsinn - vergessen wir die Einteilung am besten!

  • Während die Regierungen in der Krise jeden Cent zusammenkratzen, haben die Menschen in Deutschland erstmals mehr als zehn Billionen Euro Vermögen in Form von Geld und Immobilien angehäuft. Das entspricht den Staatsschulden aller 27 EU-Mitglieder. Und manche Schätze sind da nicht mal eingerechnet.
    Berlin - Es erscheint auf den ersten Blick unglaublich. Können die Deutschen wirklich so viel Vermögen angehäuft haben, wie die 27 EU-Staaten insgesamt an Staatsschulden? Das jedenfalls hat der Bundesverband Deutscher Banken heute behauptet - und verweist auf eine verblüffende Statistik.

    Danach haben die Menschen in Deutschland tatsächlich mittlerweile erstmals mehr als zehn Billionen Euro Vermögen angehäuft, und das entspräche in der Tat den Staatsschulden aller 27 EU-Mitglieder zusammen.
    http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/0,2828,815440,00.html

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